Verteidigungssystem in Osteuropa Obama legt Pläne für Raketenschild auf Eis

US-Präsident Obama hat einem Zeitungsbericht zufolge den Aufbau eines Raketenschilds in Osteuropa vorerst gestoppt. Die Bedrohung durch Langstreckenwaffen aus Iran sei geringer als bislang angenommen. Das Militärprojekt hatte die Beziehungen der USA zu Russland schwer belastet.
US- Präsident Obama: Neue Einschätzung der Bedrohung durch Iran

US- Präsident Obama: Neue Einschätzung der Bedrohung durch Iran

Foto: A2800 epa Michael Reynolds/ dpa

Washington - Die Regierung von US-Präsident Barack Obama gibt den Plan für einen Raketenschild in Osteuropa nach Informationen des "Wall Street Journal" vorerst auf. Wie das Blatt in seiner Donnerstagsausgabe unter Berufung auf Vertrauensleute aus der aktuellen Regierung und der Vorgängerregierung unter Präsident George W. Bush berichtet, ist dafür eine Neubewertung der Bedrohung durch Iran ausschlaggebend. Teheran habe sein Programm zur Entwicklung von Langstreckenraketen "nicht so schnell wie angenommen" vorangetrieben, hieß es.

Die Entscheidung Obamas wäre eine klare Abkehr von der Politik seines Vorgängers: Die Bush-Regierung hatte nachdrücklich auf den Bau des Raketenabwehrsystems in Polen und Tschechien gedrängt. Das Projekt rief in Russland scharfe Kritik hervor, Moskau hat das teure und bislang technisch noch nicht ausgereifte Bush-Projekt so nah an seiner Grenze stets als Provokation verstanden. Die Neubewertung der Sicherheitslage solle in der kommenden Woche abgeschlossen werden, heißt es in dem Zeitungsbericht.

Laut "Wall Street Journal" will sich die Obama-Regierung nun auf die Abwehr von iranischen Kurz- und Mittelstreckenraketen konzentrieren, die nach ihrer Einschätzung eine viel größere Gefahr darstellten. Ein entsprechendes Abwehrsystem wäre demnach weit weniger umstritten. Allerdings behalte sich die Regierung von Präsident Obama die Möglichkeit vor, das Programm weiterzuführen, sollte Iran doch schnelle Fortschritte erzielen.

SPIEGEL ONLINE zeigt das geplante US-Raketensystem für Osteuropa. Klicken Sie auf das Bild, um die interaktive Grafik zu starten:

Kritiker werten den neuen Ansatz Obamas in der Frage des Abwehrschilds auch als Versuch der USA, die Unterstützung Russlands für neue Sanktionen gegen Iran zu gewinnen. Unterdessen wächst in Osteuropa die Sorge, dass eine Annäherung von Amerika und Russland auf Kosten der US-Verbündeten im ehemaligen Ostblock gehen könnte. Das "Wall Street Journal" zitiert einen US-Militär mit den Worten: "Die Polen sind nervös."

anr/AFP/Reuters
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