Vertrauter von Bin Laden Großbritannien wirft Hassprediger aus dem Land

Abu Katada rekrutierte Freiwillige für Terroranschläge, und die Attentäter vom 11. September lauschten seinen Worten: Jetzt soll der Geistliche aus Großbritannien ausgewiesen werden - doch in Jordanien könnte ihm Folter drohen, fürchten Menschenrechtler.


London - Er gilt als eine Schlüsselfigur von al-Qaida, sogar als rechte Hand von Osama Bin Laden: Abu Katada, ein islamischer Geistlicher, der in Großbritannien auch als "Hassprediger" bekannt wurde. Jahrelang war er den britischen Behörden ein Dorn im Auge. Nun haben Richter in London grünes Licht für eine Ausweisung des 48-Jährigen nach Jordanien gegeben.

Bin Ladens geistiger Botschafter: Abu Katada auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2000
AFP

Bin Ladens geistiger Botschafter: Abu Katada auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2000

Abu Katada war dort 1999 in Abwesenheit zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Er soll an Terroranschlägen auf zwei Hotels in der Hauptstadt Amman beteiligt gewesen sein. In einem ersten Prozess hatte sich der in Großbritannien inhaftierte Katada noch erfolgreich gegen eine Auslieferung gewehrt.

Die britische Innenministerin Jacqui Smith, die sich schon lange für eine Abschiebung eingesetzt hatte, reagierte erleichtert auf das Urteil. "Ich bin sehr daran interessiert, diesen gefährlichen Menschen so schnell wie möglich auszuweisen." Katada kann aber noch vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.

Harsche Kritik an der Entscheidung äußerten Vertreter von Menschenrechtsorganisationen. Die Ausweisung sei ein Rückschritt im internationalen Kampf gegen Folter. Das Versprechen Jordaniens, auf Folter zu verzichten, sei wertlos. Großbritannien hat mit Jordanien ein Memorandum unterzeichnet, wonach keine ausgelieferten Verdächtigen gefoltert werden sollen.

Abu Katada galt als Bin Ladens geistiger Botschafter in Europa. Er wird unter anderem verdächtigt, den britischen "Schuh-Bomber" Richard Reid rekrutiert zu haben. Reid wollte 2001 ein US-Passagierflugzeug in die Luft sprengen. Auch auf Mohammed Atta, einen der Attentäter vom 11. September 2001, soll er Einfluss gehabt haben. Aufnahmen der Gebete von Abu Katada waren in einer Wohnung in Hamburg gefunden worden, welche die Attentäter genutzt hatten.

beb/dpa

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