Verwirrung um angebliche Freilassung Schicksal deutscher Geiseln in Ägypten ungewiss

Der Außenminister verbreitete Erleichterung, sein Pressesprecher pfiff ihn zurück: Das Drama um eine entführte Reisegruppe in der ägyptischen Wüste ist doch nicht zu Ende. Die Touristen, unter ihnen fünf Deutsche, sind weiter in der Gewalt von Kidnappern.


Kairo/Berlin - Informationschaos in der ägyptischen Politik: Erst erklärte Ägyptens Außenminister Ahmed Abu al-Gheit am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York, die fünf Deutschen, fünf Italiener, eine Rumänin und ihre acht ägyptischen Begleiter seien wieder in Sicherheit und wohlauf. Dazu passend kündigte ein Beamter der Provinzverwaltung in der südägyptischen Stadt Assuan am Abend an, die Safari-Gruppe werde spätestens am Dienstagmorgen in der Stadt Abu Simbel erwartet.

Tourist in der ägyptischen Wüste: Lage "unverändert"
AFP

Tourist in der ägyptischen Wüste: Lage "unverändert"

Dann jedoch korrigierte Gheits Sprecher Hossam Zeki seinen eigenen Chef. Die Berichte über eine Freilassung seien unbegründet, hieß es in Kairo in der Nacht. Der Minister sei falsch zitiert worden, behauptete Zeki. Informationen aus Ägypten besagten vielmehr, dass die Lage "unverändert" sei. Auch der ägyptische Tourismusminister Soheir Garrana sagte, ihm sei nicht bekannt, dass die Geiseln auf freiem Fuß seien.

Das Auswärtige Amt in Berlin wollte die Erklärungen aus New York ebenfalls nicht bestätigen. "Wir gehen den Meldungen nach, sind weiterhin um eine rasche Lösung bemüht", sagte eine Sprecherin am Dienstagmorgen.

Die Touristen und ihre Reiseführer waren wahrscheinlich schon am Freitag während einer mehrtägigen Tour in der Region des Gilf al-Kebir im ägyptisch-sudanesischen Grenzgebiet von Kriminellen überfallen und verschleppt worden.

Behördenvertreter in Assuan erklärten, die Gruppe habe versehentlich die Grenze zum Sudan überquert. Dort seien sie von vier bewaffneten und maskierten Angehörigen des Nomadenstammes der Tubbu (siehe Kasten) überfallen und ausgeraubt worden. In anderen Berichten war von Lösegeldforderungern von sechs Millionen ägyptischen Pfund (783.000 Euro) bis 15 Millionen Dollar die Rede gewesen. Einen terroristischen Hintergrund der Entführung schloss Kairo aus.

In den meisten Gebieten Oberägyptens dürfen Touristen nur in Begleitung der Polizei mit dem Auto oder mit dem Bus reisen. Diese Sicherheitsbestimmungen gelten seit den Anschlägen islamistischer Terroristen in Ägypten in den neunziger Jahren. Für Wüstensafaris in entlegenen Gebieten ist oft eine Sondergenehmigung notwendig.

Entführungen von Touristen waren in Ägypten bislang unbekannt. In den neunziger Jahren verübten militante Islamisten zwar wiederholt Anschläge auf ausländische Urlauber im Niltal. 1997 erklärte die größte Extremistengruppe des Landes, Gamaa Islamija, aber ihren Verzicht auf weitere Gewaltanwendung. Die jüngeren Bombenanschläge auf Hotels in den Jahren 2004 bis 2006 ereigneten sich auf der Sinai-Halbinsel und wurden von der Regierung militanten Beduinen zugeschrieben.

phw/dpa/AFP/Reuters

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Kurt G, 22.09.2008
1. Nettes Erlebnis....
Als ich mit meiner Frau vor ein paar Jahren eine Kreuzfahrt machte, es war wenige Monate nach dem Attentat am Hapshetsut-Tempel, legte unser Schiff in Esna an. Meine Frau und ich wollten in der Abendämmerung noch einen Spaziergang machen, da tauchte ein älterer, andeutungsweise in einer Uniform bekleideter Mann auf, ein altertümliches Gewehr über die Schulter. Mit vielen Gesten bedeutete er uns, dass er die Aufgabe habe, das Schiff zu bewachen. Und er bat uns so inständig, wieder aufs Schiff zu gehen , was wir dies auch taten. Nicht aus Angst oder etwas ähnlichem, sondern um die Seelenqualen des Ärmsten zu beenden. Wer Schutz von Touristen in Ägypten erwartet, kann das getrost vergessen. Das kann die ägyp. Regierung schon personell nicht leisten. Ich würde aber heute - wie zuletzt vor 2 Jahren - erneut durch die Basare von Kairo gehen, erneut Streifzüge durch das Wüsetnegebiet rund um die Pyramiden machen, erneut den Höhenzug zwischen Niltal und den Pharaonengräbern überschreiten. Wohlwissend, das die US-Regierung und ihre weltweieten Hardliner-Vasallen in den letzten Jahren fast alles unternommen hat, um die muslimische Welt gegen Westler aufzubringen, aber vertrauend auf das freundliche Wesen der Ägypter. Kurt G
markw470 22.09.2008
2.
Nächste Woche beginnt unsere Ägyptenreise. Ein klein wenig mulmig ist mir schon.......
Kurt G, 22.09.2008
3. Nettes Erlebnis....
Als ich mit meiner Frau vor ein paar Jahren eine Kreuzfahrt machte, es war wenige Monate nach dem Attentat am Hapshetsut-Tempel, legte unser Schiff in Esna an. Meine Frau und ich wollten in der Abendämmerung noch einen Spaziergang machen, da tauchte ein älterer, andeutungsweise in einer Uniform bekleideter Mann auf, ein altertümliches Gewehr über die Schulter. Mit vielen Gesten bedeutete er uns, dass er die Aufgabe habe, das Schiff zu bewachen. Und er bat uns so inständig, wieder aufs Schiff zu gehen , was wir dies auch taten. Nicht aus Angst oder etwas ähnlichem, sondern um die Seelenqualen des Ärmsten zu beenden. Wer Schutz von Touristen in Ägypten erwartet, kann das getrost vergessen. Das kann die ägyp. Regierung schon personell nicht leisten. Ich würde aber heute - wie zuletzt vor 2 Jahren - erneut durch die Basare von Kairo gehen, erneut Streifzüge durch das Wüsetnegebiet rund um die Pyramiden machen, erneut den Höhenzug zwischen Niltal und den Pharaonengräbern überschreiten. Wohlwissend, das die US-Regierung und ihre weltweieten Hardliner-Vasallen in den letzten Jahren fast alles unternommen hat, um die muslimische Welt gegen Westler aufzubringen, aber vertrauend auf das freundliche Wesen der Ägypter. Kurt G
tanni95, 22.09.2008
4. Ich denke mal...
Zitat von sysopIn Ägypten haben Unbekannte 15 Touristen entführt - unter ihnen fünf Deutsche und fünf Italiener. Das Auswärtige Amt bestätigte die Entführung. Wie sicher ist das Land noch für Touristen?
...überhaupt nicht sicher. Es ist ja nicht das erste Mal, dass dort Touristen zu Tode kommen. Ich verstehe auch nicht, weshalb so viele Menschen in Kriegs- und Krisengebieten Urlaub machen müssen. (Und dann wieder vom AA freigekauft oder gerettet werden wollen.)
jack_ryan_189 22.09.2008
5.
Zitat von sysopIn Ägypten haben Unbekannte 15 Touristen entführt - unter ihnen fünf Deutsche und fünf Italiener. Das Auswärtige Amt bestätigte die Entführung. Wie sicher ist das Land noch für Touristen?
Die eigentliche Frage ist doch, wie sicher ist es im Allgemeinen noch für Deutsche südlich von Italien in den Urlaub zu fahren? Solange die Regierung jedem Geld gibt, der freundlich danach fragt und ein paar Deutsche Gefangene im Keller hat, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht sicherer werden. Wünschenswert wäre nun endlich mal ein Zeichen, dass es diesen Kriminellen lehrt, dass man Deutsche lieber nicht entführen sollte. (Im Allgemeinen sollte das für ganz Europa gelten. Eine politische Basis und die notwendigen Kapazitäten hierzu liese sich sicherlich im Rahmen der Gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik schaffen) Die militärischen und polizelichen Kapazitäten hierzu besitzen wir und ich sehe keinen Grund nicht auch von Ihnen Gebrauch zumachen. Das ganze muss doch mal irgendwann ein Ende haben!
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