Viagra für Soldaten USA werfen Gaddafi Anstiftung zu Vergewaltigungen vor

Augenzeugen berichten schon länger von massiver sexuellen Gewalt der Schergen Gaddafis, jetzt erheben auch die USA diese Vorwürfe. Der Diktator versorge seine Soldaten laut Uno-Botschafterin Susan Rice mit Viagra, damit sie Zivilistinnen vergewaltigen.

Gaddafis Soldaten: Der Diktator soll sie zu Vergewaltigungen anstiften
REUTERS

Gaddafis Soldaten: Der Diktator soll sie zu Vergewaltigungen anstiften


New York/Tripolis - Es sind schwere Vorwürfe gegen Muammar al-Gaddafi: Libyens Despot soll seine Soldaten zur Vergewaltigung von Zivilistinnen anstiften. Die Truppen des Diktators würden mit Viagra versorgt, damit sie Frauen missbrauchen könnten, sagte Susan Rice, die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, nach Angaben eines Diplomaten bei einer Sitzung des Weltsicherheitsrats hinter verschlossenen Türen.

Rice habe den Vorwurf bei einer Debatte mit einem anderen Uno-Botschafter geäußert, um zu belegen, dass die Nato es mit einem Gegner zu tun habe, der "verwerfliche Taten" begehe, berichtet ein anderer Diplomat.

Der Einsatz gegen Gaddafi ist international umstritten. Einige Staaten des Sicherheitsrates wie Russland werfen dem Bündnis vor, das von dem Gremium erteilte Mandat für einen Einsatz in Libyen zu überschreiten. Dagegen halten die USA die Luftangriffe in Libyen durch die Resolution 1973 zum Schutz der libyschen Bevölkerung für gedeckt.

Eine Quelle für ihren Vorwurf nannte die US-Botschafterin Rice bei der Debatte den Angaben nach nicht. Doch Berichte über massive sexuelle Gewalt im libyschen Krieg gab es schon vor Wochen. Allein in der Rebellenhochburg Bengasi sollen nach Angaben eines Arztes schon über hundert Frauen Opfer von Vergewaltigungen geworden sein. Ziel sei deren Entwürdigung - und somit die Schwächung des Gegners. Systematische Vergewaltigungen durch die Regierungstruppen gibt es laut "Sunday Times" auch in den Orten Ras Lanuf, Bin Dschawad, Ugayla, Sidi Buschur und Adschdabija.

Tunesien protestiert gegen Kämpfe im Grenzgebiet

Die Truppen Gaddafis und die Rebellen lieferten sich in der Nacht zum Freitag schwere Kämpfe entlang der Grenze zu Tunesien. Die Regierungstruppen brachten nach Angaben des arabischen Senders al-Dschasira den vor einer Woche von den Aufständischen eroberten Grenzort Wassin zunächst wieder unter ihre Kontrolle. Bei den Kämpfen wurden mindestens acht Soldaten aus den Reihen der Gaddafi-Truppen getötet, mehrere weitere Menschen wurden demnach verletzt. Tunesien protestierte gegen die Gefechte. Die Regierung in Tunis sieht dadurch die territoriale Integrität des Landes verletzt.

Am Freitagvormittag nahmen Einheiten Gaddafis dann nach Augenzeugenberichten auch die tunesische Grenzstadt Dehiba unter Beschuss. Im Zentrum der Stadt sei es zu heftigen Gefechten zwischen Gaddafi-Truppen und libyschen Aufständischen gekommen, berichteten Anwohner der Nachrichtenagentur Reuters. Mindestens eine Tunesierin sei getötet worden. Bis zum Mittag seien alle Soldaten Gaddafis jedoch entweder vertrieben oder gefangen genommen worden, sagte ein Zeuge.

Aus Furcht vor Angriffen Gaddafis mit Chemiewaffen fordern die Regimegegner mehr Unterstützung vom Westen. Es würden Hubschrauber, Panzerabwehrraketen und Schnellboote mit Torpedos gebraucht, sagte Rebellengeneral Abd al-Fattah Junis vor einem Treffen mit Vertretern von EU und Nato am Donnerstag.

Gaddafi verfüge "unglücklicherweise noch immer über rund 25 Prozent seiner Chemiewaffen", sagte Junis, der unter dem Despoten Innenminister war, bevor er sich auf die Seite der Aufständischen schlug. Die Aufständischen fürchteten vor allem einen Einsatz von Senfgas. Bislang hätten die Rebellen geringe Mengen an Waffen erhalten. "Wir warten aber darauf, dass unsere Freunde uns mit neuen Waffen ausrüsten", sagte Junis. Mögliche Lieferländer wollte er nicht nennen.

In der umkämpften Hafenstadt Misurata schlugen am Donnerstag Mörsergranaten und Raketen ein, die offenbar wahllos von Gaddafi-Truppen abgefeuert worden waren, wie Aufständische mitteilten. In der Umgebung der Stadt wurde am Abend weiter gekämpft. Ärzten zufolge kamen dabei mindestens neun Menschen ums Leben, rund 30 weitere wurden verletzt; dabei handelte es sich demnach vor allem um Zivilisten. Die Aufständischen hatten am Donnerstag eine Offensive gegen die regierungstreuen Truppen außerhalb der strategisch wichtigen Stadt gestartet, die etwa 200 Kilometer östlich von Tripolis liegt.

Nach Angaben eines Staatsanwalts wurden in Misurata seit der Besatzung durch Gaddafi-Truppen mehr als 500 Menschen verschleppt. Viele von ihnen seien zwischen zehn und 20 Jahren alt, sagte Tarik Alwach. Im von den Rebellen kontrollierten Hafen kamen zwei Schiffe mit Lebensmitteln, Medikamenten und Waffen an. Ein Schiff mit rund 1000 Flüchtlingen aus Misurata erreichte die weiter östlich gelegene Stadt Bengasi.

als/AFP/dpa

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