Video-Botschaft Erstes Lebenszeichen der deutschen Geiseln

Erste Botschaft der im Irak entführten Deutschen: Der TV-Sender al-Dschasira hat ein Video ausgestrahlt, in dem die beiden Ingenieure die Bundesregierung um Hilfe bitten. Außenminister Steinmeier zeigte sich angesichts der Bilder erschüttert.


Mainz - Nach einem Bericht des ZDF wurde das Video heute vom arabischen Nachrichtensender al-Dschasira ausgestrahlt. Zur Zeit werte der Krisenstab im Auswärtigen Amt den Text des Bandes aus.

Geiseln Bräunlich und Nitzschke: Seit Dienstag in der Gewalt der Kidnapper
AFP/ DSK

Geiseln Bräunlich und Nitzschke: Seit Dienstag in der Gewalt der Kidnapper

Die beiden Deutschen hätten ihre Namen genannt und den der sächsischen Firma Cryotec, in deren Auftrag sie im Irak sind. Sie hätten sich in deutscher Sprache an die Bundesregierung gewandt und diese gebeten, alles zu tun, um ihre Freilassung zu erreichen. Die Geiseln sind auf dem Boden sitzend zu sehen, mindestens zwei bewaffnete Männer stehen hinter ihnen.

Im Bild ist auch ein handschriftliches Plakat mit der Aufschrift "Unterstützer der Tawhid- und Sunnah-Brigaden". Das ZDF stellte klar, dass es die Videobotschaft nicht ausstrahlen, sondern nur ein Standbild zeigen werde. Ob die Entführer konkrete Forderungen stellten und welcher Gruppierung sie angehörten, ist vorerst nicht klar. René Bräunlich und Thomas Nitzschke waren am Dienstag in Beidschi rund 200 Kilometer nordwestlich von Bagdad verschleppt worden.

"Es waren erschütternde Bilder, die uns heute Morgen aus dem Irak erreichten", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit Bezug auf das Videoband. Steinmeier forderte erneut die sofortige Freilassung der beiden Deutschen. "Wir werden dabei mit Augenmaß vorgehen. Das verspreche ich für die Bundesregierung", ergänzte der SPD-Politiker.

Bräunlichs Lebensgefährtin reagierte erleichtert auf das erste Lebenszeichen der Geiseln. "Es tut gut zu wissen, dass er lebt. Das ist das Wichtigste", sagte die 29-Jährige.

Der Arbeitgeber der beiden Entführten, Peter Bienert, hatte gestern Vorwürfe gegen Cryotec, das Unternehmen habe die Ingenieure nicht ausreichend geschützt, zurückgewiesen. "Das sind tendenziöse Formulierungen ohne Kenntnis der Sachverhalte", sagte der Geschäftsführer der "Leipziger Volkszeitung". Einsatzgebiet, Reiseroute und die Situation vor Ort seien im Vorfeld geprüft worden, entgegnete er dem Vorwurf der Fahrlässigkeit. Gegen Entführungen sei man im Irak nirgendwo völlig sicher.



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