"Islamischer Staat" im Irak Dschihadisten prahlen in Video mit Zerstörung von Nimrud

Mossul, Ninive, Nimrud und Hatra: IS-Terroristen zerstören nach und nach das kulturelle Erbe des Irak. Bisher war das Ausmaß der Zerstörung von Nimrud noch nicht bekannt - ein neues Video der Dschihadisten soll eine Explosion zeigen.
"Islamischer Staat" im Irak: Dschihadisten prahlen in Video mit Zerstörung von Nimrud

"Islamischer Staat" im Irak: Dschihadisten prahlen in Video mit Zerstörung von Nimrud

Foto: AFP/ WELAYAT NINEVEH

Bulldozer überrollen die Ruinen. Männer schaffen Pulverfässer in einen Raum mit Darstellungen assyrischer Gottheiten. Und dann filmt die Kamera eine gewaltige Explosion.

Diese Bilder von der Zerstörung der antiken Stadt Nimrud im Nordirak soll laut AFP ein Video zeigen, dass der "Islamische Staat" (IS) am Samstag veröffentlicht hat. Die französische Presseagentur verbreitet Aufnahmen aus dem Film des dschihadistischen PR-Büros Welayat Nineveh.

Die Aufnahmen des nicht genau datierten Videos lassen vermuten, dass die Stätte am Ufer des Tigris, rund 30 Kilometer südöstlich von Mossul, von den Islamisten vollständig zerstört wurde. "Wann immer wir irgendwo die Zeichen des Götzendienstes beseitigen können, werden wir das tun", sagt laut AFP einer der Islamisten am Ende des Videos.

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Zerstörung eines Welterbes: Die 3000-jährige Stadt Nimrud

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Über die Zerstörung von Nimrud war am 5. März berichtet worden. Iraks Behörden bestätigten damals, dass die Dschihadisten mit Bulldozern in der archäologischen Stätte gewütet hatten. Es war aber nicht klar, wie viel von den Statuen und der Palastanlage noch übrig war. Viele der Schätze Nimruds liegen in Museen rund um die Welt, aber viele der Lamassu-Statuen - Löwen- oder Stierkörper mit Flügeln und Menschenköpfen - und die filigran verzierten Steinfriese sind noch vor Ort.

3000 Jahre hatte die antike Stadt Nimrud überstanden, bis der IS kam. Gegründet im 13. Jahrhundert vor Christus, war sie zeitweise Hauptstadt des assyrischen Reiches. In der assyrischen Ära hieß die Stadt Kalach oder Kalchu, Nimrud ist ihr späterer arabischer Name. Die Unesco bezeichnete die Zerstörung von Nimrud als "Kriegsverbrechen".

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IS-Anhänger in Hatra: Zerstörungswut gegen vermeintliche Götzen

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Anfang April hatte der IS bereits ein Video bei YouTube hochgeladen, das zeigt, wie Kämpfer in den Ruinen des Weltkulturerbes Hatra im Norden des Irak wüteten. Zu sehen war Ähnliches: Mit Gewehren schossen die Islamisten auf Büsten, mit Vorschlaghämmern zerstörten sie Statuen.

Die Terrorgruppe sieht die Zerstörung der Kulturschätze als Teil ihrer Mission. Gemäß der extremen Ideologie der Dschihadisten sind Götterbilder und Heiligengräber verboten, da nichts außer Gott selbst angebetet werden dürfe. Zugleich sind die Plünderungen eine Einnahmequelle für sie: Der IS bessert durch den Verkauf der Beute die Kriegskasse auf. Die Unesco bezeichnet das Vorgehen als "Politik der verbrannten Erde".

Selbstmordanschlag an der größten irakischen Ölraffinerie

Die IS-Miliz führt zurzeit einen erbitterten Kampf um die größte irakische Ölraffinerie in der Stadt Baidschi. Am Samstag startete sie erneut eine Offensive gegen das irakische Militär. Die Extremisten griffen die Anlage von mehreren Seiten aus an, wie die Armee mitteilte.

Zwei Selbstmordattentäter seien von den Sicherheitskräften getötet worden, einem weiteren sei es aber gelungen, sich in die Luft zu sprengen. Die Raffinerie sei weiter unter Kontrolle der Armee. Bei Angriffen der Luftwaffe wurden nach Militärangaben 20 Dschihadisten getötet.

Im November war es den Streitkräften gelungen, die Belagerung der Ölraffinerie durch IS-Kämpfer zu durchbrechen. Die Raffinerie produzierte einst 300.000 Barrel Öl am Tag und konnte so im Alleingang die Hälfte des landesweiten Ölbedarfs abdecken.

Die IS-Miliz hatte im vergangenen Sommer weite Gebiete im Irak und in Syrien erobert. Dabei nahmen sie gezielt Öl- und Gasfelder ein, um sich über den Verkauf der Rohstoffe zu finanzieren. Inzwischen sollen die Dschihadisten aber nur noch ein Ölfeld im Irak kontrollieren, wie mehrere Medien kürzlich unter Berufung auf einen Sonderbericht des Bundesnachrichtendienstes (BND) berichteten.

abl/AFP