Videobotschaft Castro wieder fidel

Ich bin wieder voll da, mir geht es gut - das ist die Botschaft eines neuen Videos von Kubas Machthaber Fidel Castro. Er liegt nicht mehr im Bett, sondern telefoniert, liest Zeitung, läuft ohne fremde Hilfe herum. Der 80-Jährige gibt sich kämpferisch: "Mal sehen, was unsere Feinde jetzt sagen!"


Havanna – Auf den letzten Bildern im Staatsfernsehen war Fidel Castro noch bettlägerig: Mitte August scherzte der kubanische Präsident mit seinem Bruder Raul Castro und seinem venezolanischen Amtskollegen Hugo Chavez, die ihn am Krankenbett besuchten. Castro war müde und blass.

Jetzt hat sich Kubas Machthaber in einer Videobotschaft wieder im kubanischen Staatsfernsehen gezeigt. Diesmal sind es ganz andere Bilder - das Fernsehen zeigte den 80-Jährigen, wie er in Zeitungen blättert, mit lauter Stimme aus der Samstagsausgabe der kommunistischen Zeitung "Granma" vorliest, langsam, aber ohne Hilfe läuft und telefoniert. Castro wandte sich in dem Video direkt an sein Volk: "Jetzt, wo unsere Feinde mich voreilig für totgeweiht oder tot erklärt haben, bin ich glücklich, unseren Landsmännern und Freunden in der Welt diesen kurzen Film zu schicken."

Kubas Vizepräsident Carlos Lage erklärte: "Das sind exzellente Nachrichten für alle – für alle Kubaner und für alle Freunde Kubas." Außenminister Felipe Perez sagte: "Wir sind wirklich glücklich zu sehen, dass es Fidel besser geht und dass er mit jedem Tag Fortschritte macht." Castro sei für Kuba nicht verloren, er habe in den vergangenen Tagen an seiner gesundheitlichen Erholung gearbeitet, sagte Perez.

"Wieder voll und ganz da"

Castro sagte, er fürchte sich keineswegs vor den Aufgaben, vor denen er stehe. Er sei jetzt wieder "voll und ganz da". Von seinen Feinden gestreute Gerüchte über seinen bevorstehenden Tod seien lächerlich und beleidigend. "Mal sehen, was sie jetzt sagen." Die Gerüchte würden ihn motivieren "zu arbeiten und zu kämpfen". Die kubanische Regierung behandelte die Leiden Castros als Staatsgeheimnis.

Das US-Nachrichtenmagazin "Time" hatte vor drei Wochen berichtet, Castro habe Krebs im Endstadium. Castro hatte Ende Juli wegen einer Darmoperation, in deren Folge er 18 Kilogramm abnahm, erstmals seit 47 Jahren die Macht "vorübergehend" an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Raul abgegeben. Zum letzten Mal trat er am 26. Juli, einige Tage vor seiner Operation, in der Öffentlichkeit auf. Der Gipfel der Blockfreien Staaten fand Mitte September ohne den erkrankten Präsidenten und Gastgeber in Havanna statt.

Der bolivianische Präsident Evo Morales hatte zuvor in La Paz gesagt, Castro würde "innerhalb von zwei bis drei Wochen" wieder regieren. Eine Quelle für seine Vermutungen nannte er jedoch nicht. Venezuelas Präsident Chavez hatte am Freitag erklärt, Castro laufe wieder ohne fremde Hilfe und unternehme nächtliche Ausflüge aufs Land hinaus.

Wie gut oder schlecht es um Castro wirklich steht, ist nicht zu klären. Nachdem der Diktator inzwischen 80 Jahre alt ist, hatte seine Erkrankung schon Rätselraten um seine Nachfolge ausgelöst - zumal sein Bruder als Interims-Nachfolger nicht viel jünger ist als er selbst.

kaz/AP



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