Viele Tote bei Anschlag in Pakistan Extremisten verschanzen sich mit Geiseln

Heftige Gefechte um eine Polizeiakademie in Pakistan: Viele Menschen sind bei einem Attentat von Extremisten in Lahore umgekommen. Die Angreifer haben mindestens 35 Geiseln genommen - einige Extremisten sollen inzwischen von der Polizei erschossen worden sein.


Lahore - Bewaffnete Extremisten haben am Montag eine Polizeiakademie in Pakistan angegriffen und dabei nach Angaben von Fernsehsendern mindestens 20 Menschen getötet. Der Gouverneur der Provinz Salman Taseer bestätigte bisher den Tod von vier Menschen. Die Rettungskräfte befürchten, dass die Zahl der Opfer noch deutlich steigt. Etwa 60 verwundete Polizisten seien in Krankenhäuser gebracht worden, sagte ein Sprecher der Rettungskräfte.

Die Extremisten hätten das Gelände in der Nähe der Stadt Lahore während des Morgenappells von vier Seiten angegriffen, mit Handgranaten geworfen und um sich geschossen. Der Sicherheitsberater der Regierung, Rehman Malik, machte radikal-islamische Extremisten für die Tat verantwortlich. Augenzeugen beschrieben die Täter als "bärtige, junge Männer".

Die schwerbewaffnete Angreifer haben 35 Beamte als Geiseln genommen, teilte ein Regierungssprecher mit. Etwa elf Bewaffnete hätten sich mit den Geiseln im obersten Stockwerk eines Gebäudes verschanzt. Soldaten und Sicherheitskräfte hätten das Gelände umstellt. Vier der Angreifer seien erschossen worden, ein fünfter wurde gefasst.

Nach Angaben der Polizei werden rund 850 junge Kadetten in dem Zentrum ausgebildet. Zum Zeitpunkt des Überfalls befanden sich etwa 700 Polizeianwärter auf dem Gelände. Einsatzkräfte hätten bereits zahlreiche Menschen in Sicherheit gebracht, berichteten Medien.

"So Gott will, werden wir nun in das Gebäude eindringen", sagte ein Polizeisprecher. Paramilitärs schossen unterdessen von umliegenden Dächern auf die Unbekannten. Diese erwiderten das Feuer und warfen mit Handgranaten auf die Sicherheitskräfte.

Augenzeugen berichteten von heftigen Schusswechseln. Über der Polizeischule kreisten Hubschrauber, hieß es. Sicherheitskräfte sperrten das Gelände weiträumig ab. Zudem verhängte der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, eine Ausgangssperre über die Region im Grenzgebiet zu Indien.

"Es ist völlige Panik hier", sagte Polizist Syed Ahmed Mobin der Nachrichtenagentur AP. Im Fernsehen waren Bilder von getöteten Polizisten auf dem Gelände des umstellten Ausbildungszentrum zu sehen.

Ein Polizist sprach von zehn bis zwölf "Terroristen", die mit Gewehren und Granaten ausgerüstet das Ausbildungslager angegriffen hätten. Die Angreifer hatten sich ersten Erkenntnissen zufolge als Polizisten getarnt und so Zugang zu dem Ausbildungszentrum bekommen.

Der Überfall ist der zweite schwere Vorfall in Lahore innerhalb weniger Wochen. Vor knapp einem Monat griffen mehrere Attentäter die sri-lankische Kricket-Nationalmannschaft an und töteten dabei zahlreiche Menschen.

sac/dpa/AFP/AP/Reuters

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