Angriffe auf Fabriken Schwere Unruhen bei Anti-China-Protesten in Vietnam

In Vietnam sind Proteste gegen die chinesische Regierung eskaliert. Angreifer haben zahlreiche Fabriken geplündert und angezündet. Auslöser ist der Konflikt zwischen Hanoi und Peking um Inselgruppen im Südchinesischen Meer.
Antichinesische Demonstration in Vietnam: Regierung in Hanoi hatte Proteste ausnahmsweise erlaubt

Antichinesische Demonstration in Vietnam: Regierung in Hanoi hatte Proteste ausnahmsweise erlaubt

Foto: KHAM/ REUTERS

Hanoi - Vietnam erlebt die schwersten Unruhen seit Jahren. Demonstranten haben mehrere Fabriken im Süden des Landes geplündert und in Brand gesetzt. Offenbar waren die Angreifer davon ausgegangen, dass die Industrieanlagen chinesischen Besitzern gehörten - tatsächlich sollen die meisten von ihnen Taiwanern und Südkoreanern gehören.

Auslöser der Unruhen ist der Streit zwischen Vietnam und China um Besitzansprüche im Südchinesischen Meer. Peking hat eine Tiefseebohrplattform 120 Seemeilen vor die vietnamesische Küste verlegt. Die Regierung beansprucht das Seegebiet nahe der Paracel- und Spratly-Inseln für sich und verlangt den sofortigen Rückzug der Bohrinsel.

Hanoi schickte Schiffe in die Gegend, die dort nach eigenen Angaben von chinesischen Schiffen angegriffen und gerammt wurden. China warf seinerseits den vietnamesischen Schiffen vor, seine Schiffe Dutzende Male gerammt zu haben.

Nun hat der Konflikt das Festland erreicht. Nach Angaben ausländischer Diplomaten sollen sich bis zu 20.000 Menschen an den antichinesischen Protesten in Vietnam beteiligt haben. Die Unruhen konzentrierten sich auf Industrieparks in der Provinz Binh Duong, die in den vergangenen Jahren von der kommunistischen Führung in Hanoi errichtet worden waren, um ausländische Investoren anzulocken.

Peking erhebt Anspruch auf fast das gesamte Südchinesische Meer

Insgesamt sollen 15 Fabriken in Brand gesetzt und Hunderte weitere geplündert worden sein, sagte Tran Van Nam, Vizechef des Volkskomitees in der Unruheprovinz. Sicherheitsleute und ausländische Mitarbeiter seien angegriffen worden. Extremisten hätten die anfangs friedlichen Proteste angestachelt und die Lage damit eskalieren lassen, sagte Nam.

In vielen weiteren Industrieanlagen ruhe die Arbeit. Um neue Angriffe zu vermeiden, sollen andere ausländische Industrielle an ihre Werkstore Banner angebracht haben mit Losungen wie "Wir lieben Vietnam" und "Hoang Sa, Truong Sa - Vietnam". Hoang Sa und Truong Sa sind die vietnamesischen Namen für die Paracel- und Spratly-Inseln.

Im autoritär regierten Vietnam sind öffentliche Proteste eine Ausnahme. Die Regierung hatte am Wochenende die seltene Erlaubnis für Demonstrationen gegen China erteilt. Die staatlich kontrollierten Medien hatten euphorisch über die Kundgebungen berichtet.

Sowohl in Hanoi als auch in Peking sind kommunistische Regierungen an der Macht. In der Vergangenheit hatten die Staatsführungen ihre Streitigkeiten meist hinter den Kulissen ausgetragen. Seit der Verlegung der chinesischen Tiefseebohrplattform hat sich das aber geändert.

Die Regierung in Peking erhebt Anspruch auf fast das gesamte Südchinesische Meer, wo unter dem Meeresboden große Bodenschätze vermutet werden. Die Philippinen haben China vorgeworfen, den Bau einer Landebahn auf dem Johnson South Reef voranzutreiben. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte am Mittwoch, China habe in den vergangenen Wochen Maschinen und Erde zu dem Riff transportiert, das zu den Spratly-Inseln gehört.

Die USA haben Peking provokantes Verhalten vorgeworfen. Die Regierung in Washington habe "schwere Bedenken" wegen des chinesischen Vorgehens, sagte Außenminister John Kerry seinem Amtskollegen Wang Yi in einem Telefonat.

syd/AP/Reuters