Visite im Vatikan Erster Bush-Besuch bei Benedikt

US-Präsident Bush war zum ersten Mal bei Papst Benedikt zu Besuch - der hatte die US-Regierung wegen des Irak-Kriegs schon mehrfach kritisiert. Das Gespräch verlief dann aber doch ganz harmonisch.


Rom - US-Präsident George W. Bush hat dem Papst einen anhaltenden Einsatz im Kampf gegen Aids in Afrika zugesichert. Bei seinem ersten Treffen mit Benedikt XVI. berichtete Bush heute im Vatikan auch vom G-8-Gipfel in Heiligendamm. Dort hatten die Teilnehmer gestern vereinbart, in den nächsten Jahren 60 Milliarden Dollar zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose aufzubringen.

Bush bei Benedikt: Verbeugung vor dem katholischen Kirchenoberhaupt
AFP

Bush bei Benedikt: Verbeugung vor dem katholischen Kirchenoberhaupt

Bush bezeichnete den G-8-Gipfel gegenüber dem Papst als Erfolg. Auch wenn es dort viele unterschiedliche Meinungen gegeben habe, sei das Treffen gut verlaufen. Als der Papst Bush nach seinem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin fragte, antwortete Bush mit Blick auf die noch anwesenden Journalisten: "Davon berichte ich Ihnen gleich." Putin hatte Bush in Heiligendamm überraschend vorgeschlagen, unter Einbindung einer russischen Radaranlage in Aserbaidschan gemeinsam an einem Raketenabwehrsystem zu arbeiten.

Bush sagte, er werde den Kongress drängen, den US-Beitrag gegen Aids in Afrika in den kommenden fünf Jahren auf 30 Milliarden Dollar (22 Milliarden Euro) zu verdoppeln. In der Audienz in der Privatbibliothek des Papstes sollten nach Angaben des Vatikans auch der Irak-Krieg und die Lage der Christen im Irak zur Sprache kommen. Berichten zufolge dauerte das Gespräch eine halbe Stunde und verlief in einer herzlichen Atmosphäre - obwohl der Papst den Irak-Krieg mehrfach kritisiert und von einem unaufhörlichen Gemetzel gesprochen hatte.

Bush hatte in der italienischen Presse angekündigt, ihm gehe es primär darum, dem Papst zuzuhören.

Gehstock, Münzen, Medaille und Bild als Geschenke

Der Papst erhielt von Bush einen weißen, mit den Zehn Geboten beschriebenen Gehstock, den ein früherer Obdachloser aus Bushs Heimat-Bundesstaat Texas gefertigt hatte. Der Papst schenkte Bush Münzen, eine offizielle Vatikan-Medaille sowie ein Bild.

Vor dem Treffen im Vatikan kam Bush mit dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano zusammen. Später wurde der US-Präsident zu einem Arbeitsessen bei Ministerpräsident Romano Prodi erwartet.

Tausende Polizisten waren in Rom im Einsatz, um für die Sicherheit des Gastes zu sorgen. Zahlreiche Straßen waren gesperrt, vier U-Bahn-Stationen in der Nähe des Vatikans und im Stadtzentrum blieben geschlossen. Am Nachmittag wollten Globalisierungskritiker und linksgerichtete Gruppen gegen den Besuch des US-Präsidenten demonstrieren. Einen Besuch in der Basilika Santa Maria sagte Bush ab.

Der US-Präsident traf gestern Abend nach einem Kurzbesuch in Polen in Rom ein. In Danzig hielt sich Bush vier Stunden auf und sprach mit dem polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski über den geplanten Aufbau eines Raketenabwehrsystems in Polen mit einer zugehörigen Radarstellung in Tschechien. Auch nach dem Alternativvorschlag Putins zum gemeinsamen Raketenabwehrsystem halten die USA an ihrem Projekt fest. Kaczynski äußerte seine ausdrückliche Unterstützung für die Errichtung einer US-Abwehrstellung in Polen.

kaz/AP/Reuters



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