Deutsche Entschädigung für Herero und Nama Volksgruppen erzielen Erfolg vor Gericht

Die Bundesregierung bezeichnet die Massaker an den Herero und Nama im heutigen Namibia als Völkermord. Eine Entschädigung will sie nicht zahlen. Vor Gericht erzielten die Volksgruppen nun einen Erfolg.
Zehntausende Hereo und Nama starben zwischen 1904 und 1908

Zehntausende Hereo und Nama starben zwischen 1904 und 1908

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Zehntausende Menschen wurden zwischen 1904 und 1908 von deutschen Truppen im heutigen Namibia getötet. Die Morde an den Volksgruppen der Herero und Nama gelten als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts. In New York hat nun ein Prozess über Entschädigungszahlungen an die beiden Volksgruppen begonnen. Im Januar hatten sie eine Sammelklage gegen Deutschland eingereicht. Die Richterin legte nun einen ersten Anhörungstermin fest - aus Sicht der Kläger ist das ein gutes Zeichen.

"Als ich gehört habe, wie sie (die Richterin) sagte, dass die Anhörung stattfindet, war das der größte Erfolg, den wir bislang hatten", sagte die namibische Abgeordnete Ida Hoffmann, die als Vertreterin der Nama nach New York kam.

Die deutsche Seite hat vier Monate Zeit, um auf die am 5. Januar eingereichte Entschädigungsklage zu antworten. Die Anhörung erfolgte ohne einen Vertreter der Bundesregierung, die mit Namibia derzeit über eine offizielle Entschuldigung verhandelt.

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Kolonialmacht Deutschland: Völkermord an Herero und Nama

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Die Bundesregierung bezeichnet die Massaker zwar inzwischen als Völkermord, lehnt Entschädigungszahlungen aber ab. Laut Bundesregierung wurden Klagen früher nicht angenommen, weil es den Tatbestand des Völkermords während der deutschen Kolonialherrschaft 1904 noch nicht gab. Er entstand erst 1948 durch die Völkerrechtskonvention.

Berlin führt allerdings seit 2014 mit der Regierung in Windhuk einen Dialog über die Aufarbeitung der Gräueltaten und verweist zudem auf die deutsche Unterstützung für Namibia durch Entwicklungszusammenarbeit.

Das Auswärtigen Amt teilte mit, die Gespräche mit Namibia verliefen "im gegenseitigen Vertrauen und konstruktiv". Zum Verfahren in New York sei die Bundesregierung nicht geladen und werde dort auch nicht auftreten. Die nächste Anhörung ist für Mitte Juli geplant, könnte im Fall einer Teilnahme Deutschlands aber auch früher stattfinden.

In der Sammelklage heißt es, in der Zeit der deutschen Kolonialherrschaft über das damalige Deutsch-Südwestafrika sei zwischen 1885 und 1903 ein Viertel des Landes der Herero und Nama mit Einverständnis der Kolonialbehörden von deutschen Siedlern enteignet worden. Geduldet von den Kolonialbehörden hätten die Siedler Frauen und Mädchen vergewaltigt und der Bevölkerung Zwangsarbeit auferlegt. Bei einem 1904 einsetzenden Aufstand habe der deutsche General Lothar von Trotha einen Vernichtungsfeldzug geführt, in dem bis zu 100.000 Herero und Nama getötet worden seien.

Die Klageführer geben an, dass sie im Namen "aller Herero und Nama weltweit" auftreten. Sie verlangen "Entschädigung für den Völkermord". Außerdem wollen sie an den Verhandlungen zwischen der deutschen und der namibischen Regierung beteiligt werden.

mho/AFP/dpa