Völkermord in Ruanda Französisches Gericht bestätigt Haftstrafe für ruandischen Ex-Geheimdienstoffizier

25 Jahre Haft für einen Ex-Offizier in Ruanda: Ein französisches Berufungsgericht hat das Urteil gegen Pascal Simbikangwa bestätigt. Er wird für den Tod von Hunderttausenden Menschen mitverantwortlich gemacht.

Pascal Simbikangwa bei Prozessbeginn im Oktober
AFP

Pascal Simbikangwa bei Prozessbeginn im Oktober


Ein französisches Berufungsgericht hat die 25-jährige Haftstrafe für einen ehemaligen Offizier aus Ruanda bestätigt. Das Berufungsgericht in Bobigny bei Paris befand den 56 Jahre alten Pascal Simbikangwa am Samstag wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig.

Damit bestätigte die Jury das Urteil aus erster Instanz vom März 2014. Der Prozess gegen den früheren Offizier der Präsidentengarde und Geheimdienstchef war der erste zum Völkermord in Ruanda auf französischem Boden gewesen.

Der im Rollstuhl sitzende Angeklagte beharrte auch im Berufungsverfahren auf seiner Unschuld.

Völkermord in Ruanda
Völkermord
Der Völkermord in Ruanda entstand aus dem Jahrzehnte schwelenden Konflikt zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi . Als Auslöser für den Genozid an der Tutsi-Minderheit gilt das Attentat auf den Hutu-Präsidenten Juvenal Habyarimana , dessen Flugzeug am 6. April 1994 beim Landeanflug auf Kigali von einer Rakete abgeschossen wurde. Radikale Hutu-Milizen lasteten den Mord der Tutsi-Minderheit an und riefen zu Vergeltung auf. Sie töteten mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu. Viele Opfer wurden mit Macheten in Stücke gehackt, andere bei lebendigem Leib in Kirchen verbrannt, in denen sie Zuflucht gesucht hatten.
Der damalige Völkermord war nach drei Monaten beendet worden, nachdem die Patriotische Front (RPF) des heutigen ruandischen Präsidenten Paul Kagame , ein Tutsi, von Uganda aus einmarschiert war und die Hutu-Milizen verjagt hatte.
Nach Angaben von Menschenrechtlern und Helfern war der Völkermord geplant. Ziel der Gräueltaten sei die Ausrottung der Tutsi gewesen, die etwa elf Prozent der ruandischen Bevölkerung ausmachten.
Hutu und Tutsi
Seit Generationen prägen die Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen der Hutu und der Tutsi die Geschichte des kleinen, aber bevölkerungsreichen Staates Ruanda im Zentrum Afrikas . Traditionell beherrschte das Hirtenvolk der Tutsi die Mehrheit der bäuerlichen Hutu. Seit der Unabhängigkeit 1962 dominierten dagegen die Hutu. Als sich deren Regime 1994 von einer Exilarmee der Tutsi bedroht sah, begingen die Hutu den Genozid .
Flucht
Infolge des Bürgerkriegs, der dem Völkermord folgte, flohen weit mehr als zwei Millionen Ruander , mehrheitlich Hutus , nach Burundi , Tansania , Uganda und in den Kongo (damals Zaire ).
Uno-Tribunal
Seit 1996 befasst sich ein von den Vereinten Nationen eingerichteter Strafgerichtshof (ICTR) im tansanischen Arusha mit dem Genozid .

Simbikangwa wurde dafür verurteilt, zum Völkermord an der Minderheit der Tutsi aufgehetzt und diesen mit organisiert zu haben, unter anderem indem er Milizen bewaffnete. Simbikangwa räumte lediglich ein, dem engsten Führungszirkel des Mehrheitsvolks der Hutu nahegestanden zu haben, aus dem viele Mitglieder später wegen ihrer Rolle beim Völkermord verurteilt wurden.

Simbikangwa war 2008 auf der französischen Insel Mayotte im Indischen Ozean festgenommen worden, wo er unter falscher Identität lebte.

Im afrikanischen Ruanda waren 1994 Spannungen zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi in einem grausamen Völkermord eskaliert. Hutu-Milizen ermordeten damals etwa 800.000 Menschen, meist Tutsi. Mehr als eine Viertelmillion Frauen wurden vergewaltigt.

sun/AFP



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