Völkermord in Ruanda Sarkozy gesteht Fehler Frankreichs ein

Er räumte Versäumnisse ein, vermied aber eine Entschuldigung - beim Staatsbesuch in Ruanda sagte Nicolas Sarkozy: "Wir haben die Dimension des Völkermordes nicht wahrgenommen." In dem afrikanischen Land waren vor 16 Jahren 800.000 Menschen getötet worden.

Besuch in Ruanda: Nicolas Sarkozy mit Paul Kagame, dem ruandischen Präsidenten
REUTERS

Besuch in Ruanda: Nicolas Sarkozy mit Paul Kagame, dem ruandischen Präsidenten


Kigali/Paris - Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat mit Blick auf den Völkermord 1994 in Ruanda schwere Fehler seines Landes eingeräumt. Auf eine öffentliche Entschuldigung verzichtete er jedoch bei seinem Besuch des Landes. "Es hat eine Form von Blindheit gegeben, wir haben die Dimension des Völkermords nicht wahrgenommen", sagte Sarkozy nach seinem Treffen mit seinem ruandischen Amtskollegen Paul Kagame.

Der französische Militäreinsatz sei zu spät gekommen und zu begrenzt gewesen, sagte Sarkozy. Er besuchte in Kigali etwa 20 Minuten lang eine Gedenkstätte für den Völkermord, bei dem 800.000 Menschen getötet worden waren.

"Wir wollen keine Geiseln der Vergangenheit bleiben. Es hat Fehler gegeben, und wir haben darüber gesprochen. Aber jetzt ist es wichtig, in die Zukunft zu sehen", sagte Sarkozy. Kagame sprach von einer "starken Partnerschaft" mit Frankreich und zog damit einen Schlussstrich unter die diplomatischen Spannungen der vergangenen vier Jahre. Beide Länder hatten sich gegenseitig Mitverantwortung für den Völkermord vorgeworfen und komplexe juristische Verfahren eingeleitet. Kagame hat sein Land zudem mehr und mehr der englischsprachigen Welt zugewandt.

Sarkozy hatte zuvor in Gabun dem neuen Präsidenten Ali Bongo, dem Sohn des Amtsvorgängers, sein Vertrauen ausgesprochen. Bei dem Besuch wurde ein neues Verteidigungsabkommen unterzeichnet. Paris hatte sich kürzlich entschlossen, den Militärstützpunkt in Libreville zu erhalten und den in Dakar zu schließen.

Uno-Gerichtshof verurteilt Ex-Offizier zu 25 Jahren Haft

Auf dem Weg von Gabun nach Ruanda hatte Sarkozy überraschend einen Abstecher ins 5000 Kilometer entfernte Mali gemacht, um dort einen aus Geiselhaft freigelassenen Franzosen zu treffen. Der 61 Jahre alte Pierre Camatte war am Dienstag nach drei Monaten Geiselhaft von der Terrorgruppe al-Qaida im islamischen Maghreb gegen vier inhaftierte Islamisten ausgetauscht worden. Algerien und Mauretanien protestierten gegen die Freilassung der verurteilten Terroristen.

Der französische Präsident, dem in gut zwei Wochen Regionalwahlen als Stimmungstest bevorstehen, hatte sich schon in der Vergangenheit mehrfach mit befreiten Geiseln gezeigt oder sie auch persönlich nach Frankreich zurückbegleitet.

Unterdessen wurde ein früherer Offizier des ruandischen Militärs von Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda zu 25 Jahren Haft verurteilt. Er soll während des Genozids für den Tod von 50 Menschen verantwortlich gewesen sein.

otr/dpa/AFP



insgesamt 2 Beiträge
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averroes 25.02.2010
1. Die Decke der Zivilisation ist dünn
Zitat von sysopEr räumte Versäumnisse ein, vermied aber eine Entschuldigung - beim Staatsbesuch in Ruanda sagte Nicolas Sarkozy: "Wir haben die Dimension des Völkermordes nicht wahrgenommen." In dem afrikanischen Land waren vor 16 Jahren 800.000 Menschen getötet worden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,680421,00.html
Welch heuchlerisches Gequatsche von Sarkozy. Hinterher kann man sich immer betroffen geben und dabei den gegenwärtig laufenden Völkermord in Darfur wieder großzügig übersehen, um sich hinterher wieder betroffen zu zeigen....
Rainer Helmbrecht 25.02.2010
2. Titel verweigert!
Zitat von sysopEr räumte Versäumnisse ein, vermied aber eine Entschuldigung - beim Staatsbesuch in Ruanda sagte Nicolas Sarkozy: "Wir haben die Dimension des Völkermordes nicht wahrgenommen." In dem afrikanischen Land waren vor 16 Jahren 800.000 Menschen getötet worden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,680421,00.html
Die Wahrheit ist unbestechlich, sie setzt sich durch, auch wenn es dauert. Allerdings wird sie nach 16 Jahren nichts mehr verändern. Aber Frankreich hat wieder den Fuß in der Tür um wieder Geschäfte zu machen und das ist es was zählt. MfG. Rainer
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