Volksbefragung Zwei Millionen Katalanen stimmen für eigenen Staat

Ein offizielles Referendum hatte Madrid verboten, trotzdem haben die Katalanen symbolisch abgestimmt: 80 Prozent sind für die Abspaltung von Spanien. Der katalanische Regierungschef bittet nun die Weltgemeinschaft um Hilfe.
Volksbefragung: Zwei Millionen Katalanen stimmen für eigenen Staat

Volksbefragung: Zwei Millionen Katalanen stimmen für eigenen Staat

Foto: JOSEP LAGO/ AFP

Barcelona - Trotz eines Verbots haben bei einer Volksbefragung in Katalonien anscheinend mehr als zwei Millionen Menschen für eine Abspaltung ihrer Region von Spanien gestimmt. Laut der katalanischen Vizeregierungschefin Joana Ortega beteiligten sich an der inoffiziellen Befragung etwa 2,25 Millionen Menschen. 80 Prozent sprachen sich dafür aus, dass Katalonien einen eigenen Staat bilden und sich von Spanien abspalten sollte. 10 Prozent votierten für die Bildung eines katalanischen Staates, der aber weiterhin zu Spanien gehören würde. 4,6 Prozent stimmten gegen die Unabhängigkeit.

Das spanische Verfassungsgericht hatte der Regierung von Katalonien untersagt, ein Referendum über die Unabhängigkeit abzuhalten. Als Ersatz organisierte der katalanische Regierungschef Artur Mas eine unverbindliche Volksbefragung. Sie soll als Gradmesser für die Stärke der Unabhängigkeitsbewegung gelten.

"Wir verdienen ein legales Referendum"

Der katalanische Regierungschef Artur Mas bezeichnete die Befragung als "totalen Erfolg", die spanische Zentralregierung als "wertlos". Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte, die Befragung werde keinerlei Auswirkungen haben: "Solange ich Regierungschef bin, wird die Verfassung eingehalten. Niemand wird die Einheit Spaniens zerbrechen."

Die Katalanen hatten eigentlich - ähnlich wie die Schotten - ein bindendes Referendum über die Unabhängigkeit abhalten wollen. Von diesem Vorhaben rückten sie aber nach einem Verbot durch das spanischen Verfassungsgericht ab. Die spanische Zentralregierung lehnt eine Volksabstimmung strikt ab. Sie weist darauf hin, dass die Einheit des Landes in der Verfassung festgeschrieben sei.

Mas wandte sich bei einer Pressekonferenz am Sonntagabend auf Englisch an ausländische Medienvertreter und bat um Unterstützung für sein Vorhaben: "Wir verdienen ein legales Referendum." Die spanischen Behörden müssten davon überzeugt werden, "dass Katalonien ein Referendum über seine Zukunft verdient".

Prospanische Gruppierungen hatten in einzelnen Orten bei der Justiz den Antrag gestellt, die illegale Befragung zu stoppen und die Urnen sicherzustellen. Die diensthabenden Richter lehnten die Anträge aber ab.

An der Befragung konnten sich 5,4 Millionen Stimmberechtigte über 16 Jahren beteiligen. Auf den Stimmzetteln standen zwei Fragen: "Wollen Sie, dass Katalonien einen Staat bildet? Wenn ja, soll dieser Staat unabhängig sein?"

Katalonien verfügt mit seinen 7,5 Millionen Einwohnern über eine eigene Sprache und Kultur sowie über weitreichende Autonomierechte. Unter der Franco-Diktatur (1939-1975) war der Gebrauch des Katalanischen in der Öffentlichkeit unterdrückt worden. Jetzt ist die Sprache ebenso wie das Spanische Amtssprache in Katalonien.

vet/dpa/AFP
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