Antrittsbesuch in den USA Zu einer wichtigen Rolle verdammt

Spaziergang im Central Park, 9/11-Museum, Fußball: Der US-Antrittsbesuch der Verteidigungsministerin wirkt auf den ersten Blick wie eine Touristen-Tour. Doch die Erwartungen der Partner an von der Leyen sind groß.
Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und der stellvertretende Uno-Generalsekretär Jan Eliasson: Mehr deutsches Engagement gefordert

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und der stellvertretende Uno-Generalsekretär Jan Eliasson: Mehr deutsches Engagement gefordert

Foto: Britta Pedersen/ dpa

Henri Kissinger gilt als Freund der Deutschen. Seit der Amerikaner, 1923 im bayerischen Fürth geboren, in den 70er Jahren US-Außenminister war, ist er für die Bundesregierungen ein wichtiger Partner, manche nennen ihn gar den Guru der transatlantischen Beziehungen. Folglich war Ursula von der Leyen begeistert, dass sie Kissinger zum Start ihres Antrittsbesuchs in den USA diese Woche gleich zweimal treffen konnte: Erst im deutschen Uno-Haus und dann, später am Dienstagabend, zu einer kurzen Podiums-Diskussion des "American Council on Germany".

Was Kissinger beim Dinner zu sagen hatte, dürfte der Ministerin indes weniger geschmeckt haben als das rosa gebratene Filet Mignon. Kaum hatte das Gespräch mit Kissinger begonnen, wollte der Moderator von Kissinger wissen, wie er denn Deutschlands Rolle in der Welt sehe. Natürlich ging es ihm um von der Leyens Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz und den Satz, dass Deutschland in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen werde, dass Gleichgültigkeit bei Krisen weltweit "keine Option mehr" sei.

Das Urteil fiel wenig diplomatisch aus. Nachdem sich von der Leyen länglich gewunden hatte, ihre Rede sei nur als Anstoß einer öffentlichen Diskussion gedacht gewesen, legte Kissinger los. Deutschland habe einen Kurswechsel "angekündigt aber nicht erfüllt", sagte er. "Auf lange Sicht" aber könne Berlin "militärischen Optionen" bei internationalen Krisen nicht mehr aus dem Weg gehen. Auch wenn Kissinger von der Leyen stets anlächelte, waren seine Worte deutlich: "Deutschland ist verdammt, eine wichtige Rolle zu spielen."

Traditionell gehören die ersten Trips zum großen Partner jenseits des Atlantiks für deutsche Regierungsmitglieder zu den wichtigsten Terminen. Aus jeder Geste der Gäste und Gastgeber wird zu lesen versucht, wie gut es um das deutsche-amerikanische Verhältnis bestellt ist.

Von der Leyens Reise wollte auf den ersten Blick nicht zu diesem Schema passen. Ganze zwei Tage blieb sie zunächst in New York. Dort ist es zwar schön, doch die Regierung und ihr Kollege, US-Verteidigungsminister Chuck Hagel, sitzen in Washington. Statt aber gleich dorthin zu eilen, ließ sie sich Zeit, legte vor dem 9/11-Museum einen Kranz nieder, besuchte das American Jewish Commitee, traf sich mit dem Historiker Fritz Stern, schaute bei der Uno vorbei, diskutierte mit Kissinger. Selbst für einen Spaziergang durch den Central Park fand sich noch ein Stündchen.

Trotz des lockeren Programms, die Politik holte die Ministerin auf Schritt und Tritt ein: Kaum war das Fußballspiel Deutschland gegen Portugal abgepfiffen, eilte von der Leyen zum Ground Zero, der offenen Wunde Amerikas nach 9/11. Ihr Gruß im digitalen Gästebuch: Die Welt sei "dazu aufgerufen, die Freiheit mit Worten und Taten gegen die Rückkehr des Hasses zu verteidigen".

In Amerika würde man von der Leyen gern beim Wort nehmen. Müde von der Rolle als Weltpolizist suchen die USA nach Partnern bei Interventionen, angesichts von Ukraine-Krise und Chaos im Irak mehr denn je. Bisher aber hielt sich Deutschland zurück. Daran hat sich auch unter der Verteidigungsministerin von der Leyen nicht viel geändert. Statt wie die USA in der Ukraine-Krise Truppen demonstrativ nach Polen zu schicken, setzt Berlin auf Gespräche mit Moskau. Das Chaos im Irak beobachtet die Regierung passiv aus der zweiten Reihe.

Von der Leyen gab sich in New York Mühe, die Erwartungen zu dämpfen. "Militäroperationen sind nur Optionen in ganz seltenen Fällen", sagte sie. Vielmehr brauche man für Krisen ein Frühwarnsystem, Diplomatie, einen vernetzten Ansatz von wirtschaftlicher und administrativer Entwicklungshilfe.

Bei der Uno bat deren Vize-Generalsekretär Jan Eliasson von der Leyen um mehr deutsche Unterstützung für militärische Missionen der Weltgemeinschaft. Von der Leyen versprach, diese Bitte der Uno zu prüfen - erläuterte aber auch, dass bei solchen "peace keeping"-Operationen der Uno in Afrika und anderswo keine Kampftruppen gefragt seien und die Bundeswehr vor allem moderne Technik wie Flugzeuge, Kommunikationstechnikstellen oder Stäbe stellen könne.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.