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Sakine Mohammadi Aschtiani: Weltweite Proteste gegen Steinigung

Foto: AFP/ Amnesty International

Von Steinigung bedroht Teheran prüft Urteil gegen Iranerin Aschtiani

Kann Sakine Mohammadi Aschtiani hoffen? Die Iranerin wurde in ihrer Heimat wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt. Teheran kündigte nun an, den Fall zu überprüfen - doch das Todesurteil gilt weiter. Die Bundesregierung ist besorgt.

Teheran/Berlin - Die internationale Empörung ist groß. Demonstranten protestierten unter anderem in Paris, Berlin und London gegen die geplante Steinigung der Iranerin Sakine Mohammadi Aschtiani, westliche Politiker setzten sich für sie ein. Nun hat die Führung in Teheran angekündigt, dass ihr Fall neu aufgerollt werde. Das Urteil werde überprüft, teilte das Außenministerium am Mittwoch mit. Im Sommer war das Steinigungsurteil bereits vorläufig ausgesetzt worden.

Der 43-jährigen Aschtiani droht weiterhin der Tod, da sie zudem wegen Beteiligung an der Ermordung ihres Ehemanns angeklagt ist. "Ihre Strafverfolgung wegen Mittäterschaft in dem Mordfall läuft noch", erklärte der Sprecher des Außenministeriums. Iranischen Medien zufolge könnte der Mutter zweier Kinder statt der Steinigung der Tod durch Erhängen drohen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich wegen des weiterhin geltenden Todesurteils für Aschtiani aber tief besorgt. Ein Aufheben der Strafe sei keine Frage der Religion, sondern der elementaren Menschenwürde, erklärte Westerwelle. Iran habe sich völkerrechtlich zur Achtung der Menschenrechte verpflichtet.

Neben mehreren westlichen Regierungen setzen sich auch der Vatikan und zahlreiche Prominente, darunter die Gattin des französischen Staatspräsidenten, Carla Bruni-Sarkozy, für sie ein. Eine iranische Zeitung bezeichnete Bruni daraufhin als Prostituierte, die den Tod verdient hätte.

"Grausam und unmenschlich"

Am Mittwoch forderte auch das Europaparlament, Iran solle die "grausame und unmenschliche" Praxis der Steinigung abschaffen. Mit einer überwältigenden Mehrheit setzten sich die Volksvertreter für die zum Tode verurteilte Iranerin ein. Die Urteile, die gegen Aschtiani verhängt wurden, sollten aufgehoben und ihr Fall umfassend überprüft werden, hieß es in der Entschließung. Auch der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, nannte die Entscheidung des Gerichts unbeschreiblich barbarisch. Iran weist Kritik aus dem Ausland als Einmischung von außen zurück.

Aschtianis Sohn Sadschad rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, Druck auf Teheran auszuüben. "Ich bitte Sie, lassen Sie nicht nach", sagte er in einem Interview mit der französischen Tageszeitung "Libération".

Mitte August hatte Aschtiani im Staatsfernsehen angeblich bereits ein Geständnis abgelegt. Sie räumte eine außereheliche Beziehung zum Cousin ihres Mannes ein und sagte, sie habe ihm geholfen, ihren Ehemann 2006 zu töten. Ihr Anwalt sagte später, sie sei durch Folter zu den Aussagen gezwungen worden. Auch gegen den Juristen wurde Haftbefehl erlassen: Er musste über die Türkei nach Norwegen fliehen und dort Asyl beantragen.

Nach Angaben von Amnesty International werden nur in China mehr Menschen pro Jahr hingerichtet als in Iran. In der Islamischen Republik gilt die Todesstrafe unter anderem bei Mord, Ehebruch, Vergewaltigung und bewaffneten Raubüberfällen.

kgp/dpa/Reuters
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