Vor der Stichwahl Frankreichs Polizei in Alarmbereitschaft

Frankreich fiebert der Entscheidung über die Chirac-Nachfolge entgegen. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft versetzt worden. Denn bei einem Sieg von Nicolas Sarkozy über Ségelène Royal werden Krawalle in den Banlieues befürchtet.


Paris - Nicht uneigennützig hatte auch die Sozialistin Royal am Ende des Wahlkampfs vor einem Sieg des Konservativen Sarkozy gewarnt. Mit Blick auf die Unruhen in den Vorstädten 2005 sagte sie, ein Sieg des Ex-Innenministers werde "Gewalttätigkeiten und Brutalitäten" entflammen.

Protest gegen Sarkozy: Unruhen befürchtet
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Protest gegen Sarkozy: Unruhen befürchtet

Die Polizei hat sich auf mögliche Unruhen in der Wahlnacht eingestellt, vor allem in den Pariser Vorstädten. Dort dürften sich viele Jugendliche von einem Sieg Sarkozys provoziert fühlen. Der damalige Innenminister hatte 2005 bei einem Besuch in La Courneuve gesagt, er wolle das Viertel mit einem Kärcher reinigen. Später bezeichnete er jugendliche Straftäter als "Gesindel und Taugenichtse".

Die Polizei verhängte im Département Seine-Saint-Denis, wo 2005 wochenlange Unruhen begannen, eine Urlaubssperre. Die Zeitung "Le Parisien" berichtete, in Paris und den angrenzenden Vorstädten seien 3000 Polizisten mobilisiert. Dies sei aber nicht ungewöhnlich und entspreche etwa den Vorkehrungen für die Silvesternacht.

Insgesamt sind 44,5 Millionen Franzosen aufgerufen, zwischen Sarkozy und Royal zu entscheiden. Eine wichtige Rolle dürften die Wähler des Zentrumspolitikers François Bayrou spielen, der vor zwei Wochen 18,6 Prozent der Stimmen erreicht hatte. Der als Drittplatzierter in der ersten Runde ausgeschiedene Bayrou ging heute im südfranzösischen Pau wählen. Es werde "eine dritte Wahlrunde" geben, sagte Bayrou als Hinweis auf die im Juni folgende französische Parlamentswahl.

Die Wahllokale öffneten um 8 Uhr und schließen in den Großstädten um 20 Uhr. Direkt im Anschluss verbreitet das französische Fernsehen erste Hochrechnungen. Eine sehr rege Wahlbeteiligung wurde aus den französischen Überseegebieten gemeldet, in denen bereits gestern gewählt wurde.

Die Wahlbeteiligung liegt bei einer Stichwahl in der Regel höher als in der ersten Runde. In der ersten Wahlrunde am 22. April erreichte sie bereits 83,77 Prozent und bewies das außerordentliche Interesse der Franzosen an der Präsidentenwahl.

als/AP/dpa



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