Vor Israel-Besuch Hakenkreuze für den Papst

Der am Montag beginnende Besuch des Papstes im Heiligen Land stößt nicht bei allen Israelis auf Gegenliebe. In der Nacht zum Sonntag verwüsteten Unbekannte den Hubschrauberlandeplatz in Jerusalem, auf dem Johannes Paul II. ankommen soll.


Mit Parolen haben Unbekannte gegen den Papstbesuch protestiert
DPA

Mit Parolen haben Unbekannte gegen den Papstbesuch protestiert

Jerusalem - Die Polizei in Jerusalem teilte am Sonntag mit, dass auf den Boden des Landeplatzes Hakenkreuze und Sprüche wie "Papst raus" und "Wo warst du während des Holocaust?" gesprüht worden seien. Eine Vatikan-Flagge wurde mit roter Farbe beschmiert, berichtete Polizeisprecher Schmuel Ben-Rubi. Hinter der Aktion werden jüdische Extremisten vermutet.

Der Papst beginnt am Montag eine einwöchige Pilgerreise durch Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete. Obwohl Umfragen in Israel eine große öffentliche Unterstützung für den Besuch des Oberhaupts der katholischen Kirche zeigen, haben einige extremistische Gruppen Widerstand angekündigt und zu Protesten aufgerufen. Israels Polizei bereitet sich auf die größte Sicherungsoperation seit der Staatsgründung vor.

Papst Johannes Paul II. hat die religiöse Natur seines Besuches bekräftigt
REUTERS

Papst Johannes Paul II. hat die religiöse Natur seines Besuches bekräftigt

Jüdische Verbände kritisierten im Vorfeld den Vatikan für das Schweigen von Papst Pius XII. zu den Nazi-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Der israelische Oberrabbiner und Holocaust-Überlebende Meir Lau hat die Israelis indes zu einem freundlichen Empfang für den Papst aufgefordert.

Unterdessen beklagten Vertreter der Palästinenser am Samstag, dass Israel den Papstbesuch benutze, um Ansprüche auf den östlichen, arabischen Teil Jerusalems zu stellen. Israel hat Ost-Jerusalem 1967 annektiert und das gesamte Stadtgebiet zur Hauptstadt erklärt. Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres Staates erklären, der im September dieses Jahres ausgerufen werden soll.

Johannes Paul II. hat wiederholt bekräftigt, dass sein Besuch im Heiligen Land ausschließlich religiöser Art sei. Treffen mit Politikern will der Papst weitgehend vermeiden. In Israel ist aber ein Gespräch mit Staatspräsident Eser Weizman geplant.



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