Vor Papst-Besuch Türkischer Minister schmeißt Papstkritiker raus

Wenige Tage vor dem Papstbesuch in der Türkei musste ein Berater des türkischen Umweltministers zurücktreten. Er hat ein Buch geschrieben, in dem der Vatikan als "Feind des Fortschritts" bezeichnet wird.


Ankara - Dass es zumindest unter PR-Gesichtspunkten nicht geschickt ist, wenige Tage vor dem Besuch des Papstes ein Vatikan-kritisches Buch zu veröffentlichen, müsste Tacettin Ural eigentlich wissen. Schließlich ist er von Beruf PR-Berater des Umweltministers Osman Pepe.

Oder vielmehr: Er war es. Gestern nämlich ist Ural zurückgetreten, weil sein Chef sich über den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches geärgert hat. Das berichtet die türkische Zeitung "Sabah".

In dem Buch "Der Papst ist ein Idol" schreibt Ural laut "Sabah", der Vatikan sei ein "Feind des Fortschritts". Die katholische Kirche sei "moralisch schwach im Namen des Hedonismus" und der finanziellen Korruption.

Ein Kapitel des Buchs trägt demnach die Überschrift "Rom, ein großes Bordell" und handelt von den Ausschweifungen im Vatikan des neunten Jahrhunderts. Das Buch untergrabe damit die Bemühungen der türkischen Regierung um eine "Allianz zwischen den Zivilisationen", eine von den Vereinten Nationen unterstützte Initiative der Türkei und Spaniens zur Förderung des Dialogs zwischen den Religionen, so das Blatt.

Er habe seinem Minister keine Probleme bereiten wollen, sagte Ural der "Sabah". Die Zeitung "Milliyet" zitierte ihn mit den Worten, das Buch basiere nicht auf seinen persönlichen Überzeugungen, sondern auf den Ergebnissen historischer Forschungen und Presseberichten. Er habe das Buch nicht mit Blick auf den am Dienstag beginnenden Türkei-Besuch des Papstes geschrieben.

cvo/afp



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