Stichwahl ums Präsidentenamt in Polen Liberaler Landesvater gegen Erzkatholik

Polen wählt am Sonntag einen neuen Präsidenten - und es wird richtig spannend: Herausforderer Andrzej Duda will mit konservativen Parolen gegen Amtsinhaber Komorowski punkten.
Andrzej Duda: Präsidentschaftskandidat der rechtskonservativen PiS

Andrzej Duda: Präsidentschaftskandidat der rechtskonservativen PiS

Foto: Jacek Bednarczyk/ dpa

In Polen hat am Sonntag die Stichwahl für das Präsidentenamt begonnen, das Ergebnis ist Umfragen zufolge völlig offen. Als leichter Favorit gilt der 43-jährige Konservative Andrzej Duda.

Er hatte überraschend die erste Wahlrunde mit 34,76 Prozent gewonnen, die nötige absolute Mehrheit aber verfehlt. Nun muss er in der Stichwahl gegen den 62-jährigen Amtsinhaber Bronislaw Komorowski antreten, der in der ersten Runde auf 33,77 Prozent gekommen war.

Komorowski, der für die seit acht Jahren regierende liberale Bürgerplattform (PO) ins Rennen ging, hatte als klarer Favorit gegolten. Im Wahlkampf thematisierte der 62-jährige Historiker vor allem die Ukraine-Krise und die aus Sicht vieler Polen wachsende Bedrohung durch Russland. Zudem hat er sich als Landesvater inszeniert und angekündigt, kinderreiche Familien mehr zu unterstützen. Noch im Februar führte der Vater von fünf Kindern in den Umfragen scheinbar uneinholbar mit bis zu 75 Prozent. Doch dann verlor der beliebte Staatschef an Boden. Zuletzt lag er noch bei 39 Prozent Zustimmung.

Der Jurist Duda arbeitete ab 2008 in der Kanzlei des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski, der vor fünf Jahren bei der Smolensker Flugzeugkatastrophe ums Leben kam. Noch 2007 hatte Duda erfolglos versucht, sich ins Parlament wählen zu lassen.

Im Wahlkampf hatte Duda Familien und Geringverdienern Steuervorteile versprochen. Zudem kündigte er an, die umstrittene Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre rückgängig zu machen. Mit scharfer Kritik an künstlicher Befruchtung und der EU-Konvention zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt sicherte sich der 42-jährige Jurist zudem die Unterstützung konservativer Katholiken.

Das Ergebnis der Stichwahl wird auch deshalb mit Spannung erwartet, weil es den Ausgang der Parlamentswahlen im Herbst vorweg nehmen könnte: Sollte Duda Präsident werden, könnte dies womöglich auch zu einem Sieg der nationalkonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) bei der Parlamentswahl im Herbst führen. Erste Prognosen zur Präsidentenwahl gibt es am Sonntag nach Schließung der Wahllokale um 21.00 Uhr.

ric/AFP/dpa

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