Vorentscheidung in Iowa Womit die US-Wahlkämpfer punkten wollen

Gesundheitsreform, Irak-Krieg, Waffengesetze: Heftiger Streit prägt den US-Vorwahlkampf. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Themen die US-Wähler umtreiben - und wie sich die Kandidaten im Rennen um die Präsidentschaft positionieren.

Aus Iowa berichtet


Gesundheitswesen: In Umfragen nennen US-Manager mittlerweile das Gesundheitswesen und seine Kosten als größtes Hindernis im globalen Wettbewerb. Viele Amerikaner sehen es gar als das wichtigste Wahlkampfthema an.

Protest gegen das US-Gesundheitssystem in San Francisco: Es ist das teuerste der Welt
REUTERS

Protest gegen das US-Gesundheitssystem in San Francisco: Es ist das teuerste der Welt

Als im August 2007 die Ehe zwischen Daimler und Chrysler nach neun Jahren endete, waren die Ergebnisse ernüchternd für die Automanager. Und doch jubelten viele Analysten - immerhin war Daimler durch den Verkauf mit einem Schlag die Pensions- und Gesundheitsverpflichtungen für die Chrysler-Angestellten los. Auf fast 13 Milliarden Dollar würden diese von Analysten geschätzt.

Dass etwas geschehen muss, belegen die Statistiken: Das amerikanische Gesundheitssystem ist das teuerste der Welt. Die USA geben pro Person und Jahr fast doppelt so viel Geld aus wie die meisten europäischen Nationen. Das produziert Spitzenleistungen - doch die Mängel sind ebenso eklatant. Die Zahl der unversicherten Amerikaner ist in den vorigen Jahren weiter gestiegen, auf mittlerweile fast 45 Millionen. Laut einer aktuellen Studie nahmen rund 37 Prozent der US-Bürger im Jahr 2006 ein Rezept oder einen Arztbesuch nicht in Anspruch, weil ihnen dies zu teuer war.

Gleichwohl sagt eine Mehrheit der Amerikaner auch, sie wollten kein staatliches Gesundheitssystem nach europäischem Vorbild mit einer Pflichtversicherung. Die Demokraten halten sich daher mit solchen Vergleichen zurück. Sie machen aber keinen Hehl daraus, die Rolle des Staates im Gesundheitswesen stärken zu wollen. Hillary Clinton - sie erlitt mit einem ehrgeizigen Reformplan zu Beginn der ersten Amtszeit ihres Mannes Schiffbruch - will eine Versicherung für alle US-Bürger sicherstellen.

Von Barack Obama unterscheidet sie sich vor allem darin, dass der diesen Schutz nicht zwingend vorschreiben möchte. Die Gesundheitsexperten streiten darüber, ob Obamas Ansatz durchsetzbar sei. Manche werfen ihm vor, ohne Zwang würden viele Bürger erst in die Versicherung eintreten, wenn sie sie selbst brauchen. Am radikalsten ist die Rhetorik von John Edwards, der insbesondere den Einfluss von Pharma- und Ärztelobbys beschränken möchte. Edwards hat früher als Anwalt viele Prozesse gegen die Pharmaindustrie und Ärzte geführt.

Bei den Republikanern wäre Mitt Romney für das Thema am besten gerüstet. Als Gouverneur von Massachusetts hat er eine Gesundheitsreform durchgesetzt. Doch die konservative republikanische Basis hegt Vorbehalte gegen Staatsprogramme. Daher verspricht Romney bislang zwar, die Gesundheitsversorgung für jeden Amerikaner sicher zu stellen - will aber den Einfluss des Staates dabei niedrig halten. Sein Konkurrent Rudolph Giuliani macht sich mehr für eine privatwirtschaftliche Lösung stark: "Die Demokraten wollen alle eine verstaatlichte Krankenversicherung. Wir müssen genau in die andere Richtung gehen." Ron Wyden, einflussreicher demokratischer Senator, sieht dennoch Raum für einen parteiübergreifenden Kompromiss in der nächsten Legislaturperiode: "Die Demokraten haben Recht, dass es eine Versicherung für alle geben muss. Und die Republikaner haben Recht, dass es Auswahl und Marktmechanismen geben muss."

In einem weiteren Artikel wird SPIEGEL ONLINE die Themen Einwanderung, Wirtschaft und Energie/Umweltpolitik vorstellen



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