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26. März 2010, 19:16 Uhr

Vorläufiges Endergebnis

Opposition gewinnt knapp Parlamentswahl im Irak

Das Kopf-an-Kopf-Rennen nach der Parlamentswahl im Irak ist entschieden: Das oppositionelle Bündnis von Ex-Ministerpräsident Alawi hat laut vorläufigem Endergebnis gewonnen. Regierungschef Maliki hat zwei Sitze Rückstand - und will das Resultat anfechten. Die Regierungsbildung wird schwierig.

Bagdad - Das oppositionelle Wahlbündnis des früheren irakischen Ministerpräsidenten Ijad Alawi hat laut vorläufigem Endergebnis die Parlamentswahl Anfang März gewonnen. Das schiitisch-sunnitische Bündnis Irakija sei aus der Abstimmung als stärkste Kraft hervorgegangen, teilte die Wahlkommission am Freitag in Bagdad mit. Vorherigen Auszählungsergebnissen zufolge hatte sich Alawis Bündnis ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Wahlbündnis des derzeitigen Regierungschefs Nuri al-Maliki geliefert.

Das Bündnis Irakija kam demnach auf 91 der 325 Sitze. Die Rechtsstaatsallianz von Ministerpräsident Maliki folgte mit 89 Sitzen knapp dahinter. Den dritten Platz belegte die religiöse Schiiten-Allianz von Ammar al-Hakim und Muktada al-Sadr mit 70 Mandaten. Die Kurden-Allianz darf 43 Abgeordnete ins Parlament entsenden. Zudem werden Vertreter weiterer Minderheiten im Parlament vertreten sein. Das knappe Ergebnis deutet auf schwierige Koalitionsverhandlungen hin.

Nur Maliki und Alawi könnten eine Zweier-Koalition schmieden, für alle anderen Regierungsbündnisse braucht es mindestens drei Partner. Doch obwohl Alawi und Maliki einander politisch näher stehen als alle anderen irakischen Parteiführer, ist eine Union der Mitte unwahrscheinlich: Sie mögen sich nicht. Alawi wirft Maliki dessen Nähe zu Iran vor, Maliki hält Alawi für einen Agenten von Saddam Husseins verbotener Baath-Partei.

Am Ende werden die Kurden und die Partei des einst gefürchteten Schiiten-Führers Muktada al-Sadr den Ausschlag geben. Mit beiden verträgt sich der Wahlsieger Alawi besser als der unterlegene Maliki. Doch sein säkulares Bündnis - eine Errungenschaft im konfessionellen Nachkriegs-Irak - ist innerlich nicht so fest gefügt wie das von Maliki. Noch sind ethnische und konfessionelle Bindungen im Irak stärker als politische. Doch ein erster Schritt aus dem Sekten-Staat ist Alawi mit seinem Wahlsieg gelungen.

Maliki kündigte auf einer Pressekonferenz an, er werde das Wahlergebnis nicht akzeptieren. Er will das Resultat anfechten.

Der Uno-Gesandte im Irak, Ad Melkert, sagte: "Die Vereinten Nationen rufen alle Politiker und Fraktionen auf, das Wahlergebnis zu akzeptieren." Es habe bei dieser Wahl zwar einige kleinere Unregelmäßigkeiten gegeben. Es gebe jedoch keine Beweise für Wahlfälschung im großen Stil.

Die USA betrachten die Wahlen im Irak als "Meilenstein" der Demokratisierung. Es gebe keine Hinweise auf weitverbreiteten Wahlbetrug, sagte Außenministeriums-Sprecher PJ Crowley wenige Stunden nach der Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnisses. Er gratuliere dem irakischen Volk zu der "erfolgreichen Abstimmung", sagte Crowley am Freitag. Allerdings äußerte er sich nicht zum konkreten Ausgang der Parlamentswahl.

Die Bekanntgabe der Wahlergebnisse wurde von einem neuen Blutbad überschattet. Auf einem Markt in der nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Chalis explodierten zwei Bomben. Nach bisherigen Angaben starben 42 Menschen. 65 Menschen wurden verletzt.

Bernhard Zand/ffr/AFP/Reuters/dpa/AP

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