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Vormarsch auf Tripolis Nato ebnete Rebellen den Weg

Warum ging der Rebellen-Vormarsch auf Tripolis auf einmal so schnell? Das haben die Aufständischen auch der Nato zu verdanken. Die hatte zuletzt mit Drohnen und verstärkter Luftüberwachung Gaddafis Truppen gelähmt - selbst wenn das nicht dem offiziellen Auftrag des Bündnisses entsprach.

Washington - Eine Luftoffensive der Nato hat den Rebellen den schnellen Weg in die Hauptstadt Tripolis geebnet. In den vergangenen Tagen habe das Militärbündnis die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi mit gezielten Drohnen-Einsätzen überwacht und angegriffen - das sei der entscheidende Faktor gewesen, um das Kräfteverhältnis zwischen Gaddafi-Truppen und Rebellen zu verschieben, berichtet die "New York Times".

Die Zeitung beruft sich auf einen namentlich nicht genannten Nato-Diplomaten. Nach dessen Angaben überwachten die Amerikaner zuletzt rund um die Uhr die noch unter der Kontrolle Gaddafis verbliebenen Gebiete aus der Luft und setzten Predator-Drohnen ein, um Einheiten Gaddafis aufzuspüren, ihre Bewegungen zu verfolgen - und gelegentlich auf sie zu feuern.

Man habe immer gewusst, dass der Punkt kommen werde, an dem das Regime seine Truppen nicht mehr effektiv kommandieren könne, sagte der Diplomat. Dieser Punkt sei am Wochenende erreicht worden: Einen Großteil der Gaddafi-Truppen habe man unbeweglich gemacht. Kommandeure hätten die Truppen nicht mehr koordinieren oder mit Nachschub versorgen können.

Allein am Samstagabend flog die Nato Luftangriffe gegen 29 Ziele, 22 davon lagen in der Hauptstadt. Zwar seien früher täglich mehr Angriffe geflogen worden, doch die Angriffe seien zielgenauer geworden. Damit seien nicht nur große militärische Einrichtungen zerstört, sondern auch die Kontrolle der Kommandeure über ihre Truppen untergraben worden. Am Sonntag meldet die Nato Treffer auf zwei drei Kommandozentralen, eine Militäreinrichtung, zwei Radaranlagen, neun Abschussvorrichtungen für Boden-Luft-Raketen, einen Panzer und zwei Panterfahrzeuge in Tripolis.

Zuletzt trainierten westliche Spezialeinheiten die Rebellen

Zur gleichen Zeit sei die Koordination zwischen Nato und den Aufständischen intensiviert worden. Spezialeinheiten aus Großbritannien, Frankreich und anderen Ländern hätten zuletzt innerhalb Libyens die Rebellen ausgebildet und bewaffnet. Der Diplomat betonte den engen Kontakt zwischen Nato und Rebellen - auch wenn das offizielle Nato-Mandat lautet, Zivilisten zu schützen, und nicht im Konflikt aktiv Partei zu ergreifen.

Zwei Entwicklungen seien im rasanten Vorstoß der Aufständischen innerhalb der letzten Tage zusammengekommen, so der Diplomat gegenüber der "New York Times": Die Lernkurve der Rebellen und die Immobilisierung des Militärs.

Rebellensprecher hatten auch die Rolle der Nato hervorgehoben, als Gaddafi-Truppen am Sonntag versucht hatten, mit einer Gegenoffensive die Küstenstadt Sawija wieder einzunehmen.

Die Aufständischen hatten vergangene Woche auch die Straße zwischen Tripolis und der tunesischen Grenze unter ihre Kontrolle gebracht - es war die zentrale Nachschubroute für das Gaddafi-Regime.

fab/AFP
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