Taliban-Vormarsch Afghanische Regierung kontrolliert nur noch zwei Drittel des Landes

Islamisten in Afghanistan sind auf dem Vormarsch: Laut einem Bericht an das US-Parlament hat Kabul die Kontrolle über 36 Bezirke an die Taliban verloren.

Taliban-Kämpfer bei einer öffentlichen Hinrichtung (April 2015)
REUTERS

Taliban-Kämpfer bei einer öffentlichen Hinrichtung (April 2015)


Die radikalislamischen Taliban haben in Afghanistan weiteres Territorium erobert. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Bericht des Aufsichtsgremiums des US-Senats für die Hilfe in Afghanistan (Sigar) hervor.

Demnach kontrollierte die Regierung Ende Mai nur noch rund zwei Drittel der 407 Bezirke des Landes. Ende Januar seien es noch 70,5 Prozent gewesen. (Hier geht es zum aktuellen Sigar-Report - pdf) Unter Berufung auf US-Militärquellen heißt es weiter, 268 Bezirke seien in den Händen der Regierung, 36 in der Gewalt oder unter dem Einfluss der Extremisten und 104 Bezirke "in Gefahr".

Die Gewalt in Afghanistan hat seit dem Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 stark zugenommen. 2015 starben in Gefechten mit den Taliban rund 7000 afghanische Polizisten und Soldaten, rund 14.000 weitere wurden verletzt. 2016 sollen diese Zahlen weiter gestiegen sein, wie es aus Sicherheitskreisen heißt.

5000 tote und verletzte Zivilisten im ersten Halbjahr

Doch nicht nur die Taliban, auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gefährdet den Frieden in dem von fast 40 Jahren Krieg zerrütteten Land: Am vergangenen Wochenende wurden beim ersten IS-Anschlag in der Hauptstadt Kabul mehr als 80 Menschen getötet. Die mehrheitlich schiitischen Einwohner hatte gegen den Verlauf einer Stromleitung demonstriert, als zwei Selbstmordattentäter ihre Sprengsätze in der Menge zündeten.

Die Vereinten Nationen veröffentlichten zu Wochenbeginn neue Rekordzahlen ziviler Opfer. Demnach sind zwischen im ersten Halbjahr 2016 mehr als 5100 Zivilisten getötet oder verletzt worden - vier Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Fast ein Drittel der Opfer waren Kinder. Die Uno zählt sehr konservativ. Für jedes Opfer brauchen sie drei unabhängige Quellen.

Bezirke unter Kontrolle der Taliban (Stand April 2016)
SPIEGEL ONLINE

Bezirke unter Kontrolle der Taliban (Stand April 2016)

cht/dpa

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