Vormarsch ins Nachbarland Kenias Armee jagt Miliz in Somalia

Kenias Truppen sind 120 Kilometer weit ins Nachbarland Somalia vorgedrungen - mit Unterstützung der dortigen Übergangsregierung. Sie greifen dort Mitglieder der islamistischen Miliz al-Schabab an. Diese soll für die Entführung von Europäerinnen verantwortlich sein.

Kenianische Truppen (Archivbild): Aktion auf somalischem Boden
AP

Kenianische Truppen (Archivbild): Aktion auf somalischem Boden


Addis Abeba/Nairobi - An der Grenze zwischen Kenia und Somalia ist ein bewaffneter Konflikt entbrannt: Im Kampf gegen die islamistische Miliz al-Schabab sind kenianische Truppen ins Nachbarland einmarschiert und nach Angaben eines Armeesprechers mindestens 120 Kilometer vorgerückt. Die Soldaten konzentrieren sich bei ihrem Vormarsch besonders auf die 45 Kilometer von der kenianischen Grenze entfernte Ortschaft Qoqani. Dabei werden sie durch Luftangriffe unterstützt.

Mit Panzern und anderen Militärfahrzeugen hätten die kenianischen Truppen bei Qoqani Stellung bezogen, sagte ein Bewohner eines Nachbardorfs der Nachrichtenagentur AFP. 32 Lastwagen und Panzer hätten Hunderte Soldaten in die Region gebracht. Die schwer bewaffneten kenianischen Soldaten hätten dann damit begonnen, bei Qoqani Schützengräben auszuheben, sagte ein weiterer Augenzeuge. Dabei behindere sie weniger Gegenwehr der Miliz als starker Regen.

Qoqani gilt als Basis der Schabab-Miliz. Sie wird von Nairobi für zahlreiche Entführungen von Ausländern in Kenia verantwortlich gemacht. Kenia begann deshalb bereits am Sonntag seine Militäroffensive, die von Soldaten der somalischen Übergangsregierung unterstützt wird.

Al-Schabab droht mit Vergeltung

Die Schabab-Miliz versicherte, mit den Entführungen nichts zu tun zu haben und kündigte erbitterte Gegenwehr an. Sprecher Ali Mohammed Rage sagte, wenn die kenianische Regierung so weitermache und die Appelle ignoriere, "die Aggression auf somalischem Boden einzustellen", dann müsse Kenia mit Gegenschlägen "ins Herz seiner Interessen" rechnen - auch in der Hauptstadt Nairobi.

Kenias Verteidigungsminister Yusuf Haji sagte, die Regierung ergreife "robuste Maßnahmen zum Schutz des Landes". Am Donnerstag waren zwei spanische Helferinnen der Organisation Ärzte ohne Grenzen im ostkenianischen Flüchtlingslager Dadaab entführt und vermutlich über die nahegelegene somalische Grenze gebracht worden.

Dritte Entführung, zwei Briten festgenommen

In Dadaab halten sich vor allem Somalier auf, die vor Hunger und Gewalt in ihrem Land geflohen sind. Die Entführung der Spanierinnen ist schon die dritte im Osten Kenias in einem Monat: Es wurden bereits eine Britin und eine Französin auf dem Touristen-Archipel Lamu entführt und laut Polizei nach Somalia verschleppt.

Die Schabab-Miliz kämpft seit 2007 gegen die schwache somalische Übergangsregierung. Sie hat weite Teile des Südens und des Zentrums des Landes unter ihrer Kontrolle. Die Miliz hat sich zu den Entführungen der Ausländer nicht bekannt. Experten halten es auch für möglich, dass diese auf das Konto von Piraten oder Kriminellen gehen.

Bereits am Sonntag hatte die kenianische Polizei zudem nahe der Grenze zu Somalia zwei Briten festgenommen, denen "terroristische Aktivitäten" vorgeworfen werden. Die britische Polizei steht in Kontakt mit den kenianischen Behörden, um die Hintergründe aufzuklären. Die beiden Briten stammen aus der Gegend von Cardiff, wo es eine starke Gemeinde somalischer Einwanderer gibt.

heb/dpa/AFP

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produster 18.10.2011
1. Abenteuer
Hat irgendjemand gesehen, dass es diese beknackten islamistischen Milizen waren, die da Ausländer entführen? Oder waren es vielleicht ein paar gewöhnliche Wegelagerer (soll es in Somalia geben)? An dem Einsatz sind auch amerikanische Spezialkräfte beteiligt. Also ein neues miliärisches Abenteuer. Die Welt ist al Kaida. Die Kenianer sind doch nur eine weitere afrikanische Gurkentruppe, die es nach ein paar Anfangserfolgen versieben wird. Und dann müssen wohl wieder internationale "Koalitionstruppen" ran. Auch für die Bundeswehr eine schöne Gelegenheit, mal den Elan unserer neuen Berufsarmee zu testen.
diamorphin 18.10.2011
2. Kenia unternimmt immerhin mal etwas
Ob die Milizen tatsächlich jemanden entführt haben oder nicht, ist im Grunde genommen irrelevant. Denn: Alleine deshalb, weil die Milizen keine Hilfslieferungen in ihr Gebiet lassen und dort die Menschen schlichtweg dem Hungertod ausgeliefert sind, gibt es einen Grund, militärisch gegen diese Milizen vorzugehen. Das Verhalten von Kenia ist also auch dann gedeckt, wenn die Entführung tatsächlich nicht durch die Milizen erfolgte. Aber man kann froh sein, wagt Kenia es, mal endlich was zu unternehmen. Der Westen nämlich will sich nach dem Desaster der Amis in Mogadischu nicht mehr die Finger daran verbrennen. Zudem: Man kennt es ja, sobald der Westen sich irgendwo einmischt, ist das Geschrei vonwegen "Weltpolizei", "der Westen beutet die Länder aus an Rohstoffen", "der Westen will doch bloss Öl!" gross. Daher besser die Truppen von Kenia nehmen das selbst in die Hand. Erinnert mich ein bisschen an Pol Pot übrigens, der in Kambodscha munter gemordet hat und keiner hat eingegriffen, bis dann endlich die Vietnamesen sich durchgerungen haben, einzumarschieren. Der Westen hat auch dort wegen dem Vietnam-Trauma der Amis nicht reagiert. Wären die Vietnamesen nicht gewesen, wäre der ehrenwerte Herr Pot wohl heute noch am morden. Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist auf jedenfall gerechtfertigt, gegen die Milizen vorzugehen, alleine schon wegen dem Blockieren der Hilfslieferungen und dem Hungertod der Menschen. Wenn man dabei zusätzlich vielleicht sogar noch Entführungen vermindern (bzw die Gefahr) oder evtl. sogar noch eine Geisel rausholen kann, umso besser. Freundliche Grüsse diamorphin
SG1-RL 18.10.2011
3. Stimme Ihnen voellig zu
Zitat von diamorphinOb die Milizen tatsächlich jemanden entführt haben oder nicht, ist im Grunde genommen irrelevant. Denn: Alleine deshalb, weil die Milizen keine Hilfslieferungen in ihr Gebiet lassen und dort die Menschen schlichtweg dem Hungertod ausgeliefert sind, gibt es einen Grund, militärisch gegen diese Milizen vorzugehen. Das Verhalten von Kenia ist also auch dann gedeckt, wenn die Entführung tatsächlich nicht durch die Milizen erfolgte. Aber man kann froh sein, wagt Kenia es, mal endlich was zu unternehmen. Der Westen nämlich will sich nach dem Desaster der Amis in Mogadischu nicht mehr die Finger daran verbrennen. Zudem: Man kennt es ja, sobald der Westen sich irgendwo einmischt, ist das Geschrei vonwegen "Weltpolizei", "der Westen beutet die Länder aus an Rohstoffen", "der Westen will doch bloss Öl!" gross. Daher besser die Truppen von Kenia nehmen das selbst in die Hand. Erinnert mich ein bisschen an Pol Pot übrigens, der in Kambodscha munter gemordet hat und keiner hat eingegriffen, bis dann endlich die Vietnamesen sich durchgerungen haben, einzumarschieren. Der Westen hat auch dort wegen dem Vietnam-Trauma der Amis nicht reagiert. Wären die Vietnamesen nicht gewesen, wäre der ehrenwerte Herr Pot wohl heute noch am morden. Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist auf jedenfall gerechtfertigt, gegen die Milizen vorzugehen, alleine schon wegen dem Blockieren der Hilfslieferungen und dem Hungertod der Menschen. Wenn man dabei zusätzlich vielleicht sogar noch Entführungen vermindern (bzw die Gefahr) oder evtl. sogar noch eine Geisel rausholen kann, umso besser. Freundliche Grüsse diamorphin
Sie haben absolut Recht mit Ihrer Aussage. Immerhin machen die Kenianer etwas, denn Miliz hin oder her, die Souverinitaet Kenias wurde in dem Moment untergraben wo Entfuehrer aus Somalia in Kenia eingedrungen sind und Menschen entfuehrten. Die Milizen in Somalia sind genauso daran Schuld, denn diese foredern ja einen rechtsfreien Raum in Suedsomalia wo jeder tun und machen kann was er will.
rhodensteiner 18.10.2011
4. Strafexpedition
Diese Politik erinnert an die "guten alten" kolonialen Zeiten. Die Milizen können sonst ungestört morden, foltern und vergewaltigen und niemand kümmert sich darum. Kaum aber erwischt es einige Europäer (Weiße!) marschiert eine ganze Armee los. Naja, wenigstens trifft es die Richtigen!
Fischkopp-Cop 18.10.2011
5. .
Zitat von rhodensteinerDiese Politik erinnert an die "guten alten" kolonialen Zeiten. Die Milizen können sonst ungestört morden, foltern und vergewaltigen und niemand kümmert sich darum. Kaum aber erwischt es einige Europäer (Weiße!) marschiert eine ganze Armee los. Naja, wenigstens trifft es die Richtigen!
Die Entführungen dürften nur der Tropfen gewesen sein, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Schon vorher waren die Keniaten nicht glücklich, dass es somalische Flüchtlingsmassen unterzubringen und zu versorgen gab, dass Milizen / Kriminelle in Schusswechsel mit den ken. Grenztruppen zur somalischen Grenze verwickelt waren. Jetzt wurde der Tourismus, zumindest an der Nordküste, unmittelbar beeinträchtigt. Also packt man es jetzt, wobei zumindest der Adressat der richtige ist...
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