Vorstoß der syrischen Armee "Es riecht nach Blut und Rauch"

Die Truppen des syrischen Regimes rücken immer weiter vor, Soldaten dringen in die Stadt Chan al-Scheichun ein. Panzer und Armeetrucks stehen bereit. Die Türkei fordert von Machthaber Assad, endlich die Jagd auf Zivilisten und Oppositionelle zu stoppen.

Damaskus/Istanbul - Die Lage in Syrien bleibt höchst angespannt, bei der Verfolgung von Regimegegnern rückt die Armee vor. In der Stadt Chan al-Scheichun in der nordwestlichen Provinz Idlib stünden "Dutzende Panzer, Truppentransporter und Armeetrucks" bereit. Die Soldaten hätten begonnen, die Stadt einzunehmen. Dies erklärte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London, Rami Abdel Rahman, am Donnerstag.

Die Armee habe zudem die lange Verbindungsstraße zwischen Aleppo und der Hauptstadt Damaskus mit Barrikaden blockiert. In der Provinz Idlib liegt auch die Rebellenhochburg Dschisir al-Schughur, die zuletzt im Zentrum des Konflikts zwischen Sicherheitskräften und regierungskritischen Demonstranten stand. Auch in mehreren Vororten von Damaskus sowie in der Stadt Hama, 210 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, gab es in der Nacht zum Donnerstag Demonstrationen gegen das Regime.

Ein Helfer an der Grenze zur Türkei sagte der Nachrichtenagentur dpa, auf der syrischen Seite der Grenze campierten derzeit rund 3000 Männer, Frauen und Kinder unter freiem Himmel. Die meisten von ihnen stammten aus Dschisir al-Schughur. Aus der zuletzt vom Militär besetzten Stadt Maarat al-Noaman seien bislang keine Vertriebenen zur Grenze gekommen, weil die Sicherheitskräfte den Weg nach Westen blockierten, fügte er hinzu.

Aktivisten hatten im Internet Videoaufnahmen veröffentlicht, die aus Maarat al-Noaman stammen sollen. Sie zeigen Militärhubschrauber und schwarze Rauchwolken, die über dem Stadtzentrum aufsteigen. Ähnlich war die Armee bereits am letzten Wochenende in Dschisir al-Schoghur vorgegangen. Hunderte Menschen seien dort verhaftet worden, gaben Oppositionelle an.

Armee macht Jagd auf Deserteure

In der gesamten Provinz Idlib machen Streitkräfte, Regime-Milizen und Geheimdienst offenbar Jagd auf Oppositionelle und Soldaten, die sich aus Protest gegen die brutalen Einsätze von der Truppe losgesagt hatten. Öffentliche Gebäude wie ein Krankenhaus und Polizeistellen seien beschädigt worden, berichtete ein Korrespondent der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, der von Damaskus aus in die Provinz Idlib reisen durfte. Es rieche nach Rauch und Blut.

Die Türkei, die inzwischen 9000 Flüchtlinge aus Syrien beherbergt, forderte die Führung um den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad erneut dazu auf, das harte Vorgehen der Truppen zu stoppen.

Das nördliche Nachbarland will den Druck für eine friedliche Lösung des Konflikts in Syrien verstärken, auch um möglichen Forderungen nach einer internationalen Intervention in Syrien vorzubeugen. "Darum wollen wir die syrische Seite überzeugen, eine rationale Entscheidung zu treffen", sagte Nabi Avci, außenpolitischer Berater des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. "Die Reaktion des syrischen Regimes bisher war leider enttäuschend und wenig hilfreich", bedauerte Avci.

lgr/dpa/AFP
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