Vorwürfe aus Bagdad Alliierte sollen 350 Zivilisten getötet haben

Die irakische Führung erhebt schwere Anschuldigungen gegen Briten und Amerikaner. Seit Kriegsbeginn seien insgesamt 350 Zivilisten getötet und Tausende verletzt worden. Allein bei den jüngsten Luftangriffen auf Bagdad hätten 36 Einwohner ihr Leben verloren.


Gesundheitsminister Omid Medhat Mubarak: Schwere Vorwürfe an die Alliierten
AP

Gesundheitsminister Omid Medhat Mubarak: Schwere Vorwürfe an die Alliierten

Bagdad - "Die amerikanischen und britischen Söldner greifen Zivilisten jeden Alters an", sagte der irakische Gesundheitsminister Omid Medhat Mubarak am Donnerstag in Bagdad. "Sie greifen Geschäfte und kleine öffentliche Einrichtungen an." Seit Beginn des Krieges hätten in der Zivilbevölkerung landesweit 350 Menschen ihr Leben verloren, mehr als 3650 seien verletzt worden.

Der Minister warf den amerikanischen und britischen Streitkräften vor, Streubomben gegen zivile Ziele einzusetzen. In Nadschaf sei ein Gesundheitszentrum zerstört worden. "Sie bombardierten einen Rettungswagen und töteten den Fahrer", sagte Mubarak. Trotz der kritischen Lage sei die medizinische Versorgung stabil, es gebe keinen Mangel an Medikamenten. Besorgt äußerte sich der Gesundheitsminister aber über die mögliche Ausbreitung von Infektionskrankheiten als Folge des Wassermangels vor allem im Süden.

Brennendes Haus in Bagdad: Mindestens 14 Tote bei Explosion im Wohngebiet
REUTERS

Brennendes Haus in Bagdad: Mindestens 14 Tote bei Explosion im Wohngebiet

Das US-Oberkommando Mitte hat erklärt, dass es keinen Beweis dafür gebe, dass US-Raketen für den Tod der Menschen in al-Schaab verantwortlich seien. Es räumte aber ein, dass "Präzisionswaffen" gegen irakische Raketenstellungen eingesetzt worden seien, die "in einer zivilen Wohngegend platziert" gestanden hätten. Ein BBC-Reporter in Bagdad sagte allerdings, er habe in dem bombardierten Stadtteil keine Reste von Raketen-Abschussvorrichtungen entdecken können.

Ein Sprecher der US-Armee mutmaßte später, für den Zwischenfall könnten auch irakische Luftabwehrraketen verantwortlich seien, die nach einem Abschuss auf Bagdad gefallen seien. Alternativ sei auch ein gezielter irakischer Sabotageakt denkbar.

Die Nachrichtenagentur AP veröffentlichte unterdessen eine Statistik der bisherigen militärischen Kriegsopfer. Demnach wurden 22 britische und mindestens 26 amerikanische Soldaten getötet. Acht US-Soldaten seien als vermisst gemeldet und sieben in Gefangenschaft geraten. Auf irakischer Seite seien nach Angaben des US-Militärs allein in den vergangenen beiden Tagen 500 Soldaten gefallen und 3500 gefangen genommen worden.



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