Vorwürfe im US-Wahlkampf McCain dementiert Liebesbeziehung mit Lobbyistin

Gerüchte über eine Romanze mit einer Lobbyistin setzen den Favoriten der Republikaner McCain unter Druck: Der Präsidentschaftsbewerber wies Bericht über eine angebliche Affäre scharf zurück und warf den Medien eine gezielte "Schmutzkampagne" im Wahlkampf vor.


Toledo - Mit einer eilig anberaumten Pressekonferenz versuchte US-Präsidentschaftsbewerber John McCain seine Glaubwürdigkeit zu retten: "Ich bin sehr enttäuscht über den Artikel der 'New York Times', er ist nicht wahr", sagte der McCain in Toledo im US-Bundesstaat Ohio. Er warf der Zeitung vor, mit der Veröffentlichung "eine Schmutzkampagne zu versuchen". Die Berichterstattung käme Rufmord gleich, sagte der republikanische Senator.

Republikaner McCain: "Ich habe sehr viele Freunde"
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Republikaner McCain: "Ich habe sehr viele Freunde"

Seine Beziehung zu der Lobbyistin Vicki Iseman, die in dem Artikel als "romantisch" eingestuft wurde, beschrieb McCain als rein freundschaftlich. "Ich habe sehr viele Freunde in Washington", sagte der Senator vor Journalisten. Iseman habe keinerlei Einfluss auf seine gesetzgeberische Arbeit gehabt. Das letzte Mal sei er der Lobbyistin "vor einigen Monaten" begegnet, sagte McCain.

Auf der Pressekonferenz ergriff auch McCains Frau Cindy das Wort. Sie habe Vertrauen in ihren Ehemann, der "ein Mann von großem Charakter" sei. Der Bericht der Zeitung habe sie "sehr enttäuscht", sagte sie.

Iseman habe keinerlei Sonderbehandlung erfahren, sagte McCain weiter. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt etwas unternommen, was das Vertrauen der Öffentlichkeit verraten hätte", betonte der 71 Jahre alte Senator, dem diesmal die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten praktisch sicher ist. Auch hätten anders als in dem Zeitungsbericht dargestellt seine Berater niemals versucht, ihn von der Lobbyistin fernzuhalten.

Er kritisierte, dass die "New York Times" ihre Angaben auf anonyme Quellen stütze. Die Zeitung habe seit Monaten immer wieder Fragen in der Angelegenheit an ihn gerichtet; er habe versucht, den Verdacht zu entkräften. Die Amerikaner seien diese Art von Politik leid, erklärte ein Sprecher McCains. Zudem gebe es in dem Artikel nichts, was darauf hinweise, dass der Senator sich inkorrekt verhalten habe.

McCains früherer Wahlkampfberater John Weaver bestätigte gegenüber der "Washington Post", dass er die Lobbyistin bei einem persönlichen Treffen Ende 1999 aufgefordert habe, Distanz zu dem Senator zu halten. Die Befürchtung sei gewesen, dass ein enges Verhältnis zu einer Lobbyistin McCains Ruf als unabhängiger Kämpfer gegen Lobbyinteressen beschädigen könnte. Die "New York Times" zitierte zwei frühere Mitarbeiter McCains: "Beide sagten, Herr McCain habe eingestanden, sich unangemessen verhalten zu haben."

Dem Bericht der "New York Times" zufolge hatte die heute 40-jährige Vicki Iseman während der ersten Präsidentschaftskampagne des Republikaners im Jahr 2000 häufig mit McCain als Vorsitzendem des Handelsausschusses im US-Senat zu tun. Ende 1999 und Anfang 2000 sei sie häufig in seinen Büroräumen gewesen.

Die Zeitung hatte unter Berufung auf anonyme Quellen weiter berichtet, McCain habe sich während des Rennens um die republikanische Präsidentschaftskandidatur 2000 mit Iseman öffentlich gezeigt und sie auf Flugreisen begleitet. Der Senator saß zu der Zeit auch im Handelsausschuss, während die Lobbyistin gegenüber Politikern in Washington Interessen von Telekomunternehmen vertrat.

amz/AP/AFP/Reuters/dpa



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