Vorwürfe Le Pen soll im Algerienkrieg gefoltert haben

Pünktlich zu den Parlamentswahlen sind in der französischen Presse schwere Vorwürfe gegen Jean-Marie Le Pen aufgetaucht. Im Algerienkrieg soll der rechtsradikale Politiker an Folterungen beteiligt gewesen sein.

Paris - Der Führer der fremdenfeindlichen Nationalen Front (FN) wies die Vorwürfe am Montag entschieden zurück und kündigte eine Klage gegen die Tageszeitung "Le Monde" an. Die Zeitung veröffentlicht in ihrer Dienstagausgabe vier Stellungnahmen algerischer Widerstandskämpfer, die erstmals eine persönliche Beteiligung des damals jüngsten Abgeordneten Frankreichs an Misshandlungen beschreiben. "Er hat mich mit einen Elektrostab auf Schultern und Knie geschlagen", wurde Mohamed Abdellaoui zitiert. Eine zweiter Algerier berichtete, Leutnant Le Pen habe sich "auf meinen Leib gesetzt und mich gezwungen, Wasser aus der Toilette zu schlucken".

Le Pen nannte diese Veröffentlichung vor der ersten Runde der Wahl am 9. Juni "eine besonders unfaire Manipulation". Er habe "niemals persönlich" an Foltern teilgenommen.

Vor 40 Jahren hatte Le Pen, der von Januar bis März 1957 in Algier mit der Nachrichtenbeschaffung beschäftigt war, Folterpraktiken noch zugegeben. "Ich habe gefoltert, weil es getan werden musste", sagte er 1962 der Zeitung "Combat". Mit juristischen Schritten gegen diese Foltervorwürfe ist der FN-Chef bisher gescheitert. Das höchste französische Berufungsgericht hat zuletzt 2001 festgestellt, dass es keine "Diffamierung einer öffentlichen Persönlichkeit" sei, Le Pen als "Folterer während des Algerien-Krieges" (1954-1962) zu bezeichnen.

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