Wachsende Gefahr in Afghanistan "Die Deutschen sind sehr mutig"

Die Lage in Afghanistan wird explosiver. Die US-Armee hat daher ihre Suche nach Qaida- und Talibankämpfern massiv ausgedehnt. Die Briten schicken erstmals Soldaten ins Land, die außerhalb Kabuls eingesetzt werden sollen, und auch deutsche Soldaten sollen mehr Aufgaben übernehmen.

Kabul - Die Einwohner von Surmat, rund 20 Kilometer südwestlich der Provinzhauptstadt Gardes in der Provinz Paktia, haben ein ungutes Gefühl. US-Soldaten durchkämmen in der Region jedes Dorf, durchsuchten Häuser und nähmen Verdächtige fest, berichtet die private afghanische Nachrichtenagentur AIP. Das Gebiet gilt als mögliches Rückzugsgebiet für versprengte Mitglieder der Terrororganisation al-Qaida und des 2001 von den USA entmachteten Taliban-Regimes.

Die Suche wurde nach einem Angriff mutmaßlich islamischer Terroristen auf US-Soldaten im Osten des Landes massiv ausgeweitet. Bei der Attacke war ein US-Soldat ums Leben gekommen. Spezialkräfte der Armee durchziehen nun unterstützt von Kampfflugzeugen die Provinz, berichtet AIP.

In den vergangenen beiden Monaten hatten in Afghanistan auch die Angriffe auf Soldaten der internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) und Mitglieder von Hilfsorganisationen zugenommen. Offenbar als Reaktion darauf, schickt Großbritannien nun erstmals Soldaten nach Afghanistan, die auch außerhalb der Hauptstadt Kabul eingesetzt werden sollen.

60 Soldaten würden Anfang Juli in Masar-i-Scharif im Norden des Landes ankommen, berichtete der Sender BBC am Wochenende. Sie sollten dort die Autorität der Regierung in Auseinandersetzungen mit lokalen Kriegsherren stärken. In der nördlichen Provinz Samangan gab es nach Uno-Angaben am Freitag und Samstag erneut Zusammenstöße zwischen ethnischen Gruppen.

Lakhdar Brahimi, Uno-Sonderbeauftragte für Afghanistan, scheint besorgt. Er hält eine Ausweitung des von der Isaf kontrollierten Gebietes offenbar für erforderlich. Er geht davon aus, dass auch deutsche Soldaten künftig außerhalb von Kabul eingesetzt werden. "Die Deutschen sind sehr mutig; sie sind nur vorsichtig - das ist normal", sagte der 69-jährige Algerier der "Welt am Sonntag". "Aber ich hoffe und bin überzeugt davon, dass sie ihre Bedenken überwinden werden." Die Bundeswehr hatte kürzlich untersucht, ob ein Einsatz auch in der westafghanischen Stadt Herat in Frage komme, doch schienen die Bedenken dagegen zu überwiegen.

Unter Berufung auf einen Bericht westlicher Sicherheitsdienste meldete das Blatt weiter, zunehmend würden inzwischen militärisch nicht geschützte Ziele angegriffen. Dadurch gerieten insbesondere Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und ihre einheimischen Helfer ins Fadenkreuz der militanten Opposition. Ziel solcher Angriffe sei es, die Arbeit der Hilfsorganisationen einzuschränken. Die Bevölkerung solle so gegen die internationale Gemeinschaft und die Übergangsregierung von Präsident Hamid Karzai mobilisiert werden.

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