Entscheidung des Wächterrats Rafsandschani darf nicht zur Iran-Wahl antreten

Acht Kandidaten dürfen am 14. Juni bei der Präsidentenwahl in Iran antreten, doch zwei prominente Politiker werden nicht auf dem Wahlzettel stehen. Der Wächterrat hat Ex-Präsident Rafsandschani disqualifiziert. Auch für den engsten Vertrauten von Amtsinhaber Ahmadinedschad kam das Aus.
Entscheidung des Wächterrats: Rafsandschani darf nicht zur Iran-Wahl antreten

Entscheidung des Wächterrats: Rafsandschani darf nicht zur Iran-Wahl antreten

Foto: AP/dpa

Teheran/Hamburg - Der iranische Wächterrat hat zwei namhafte Präsidentschaftskandidaten disqualifiziert. Der ehemalige Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani darf zur Wahl am 14. Juni ebenso wenig antreten wie Esfandiar Rahim Maschai, der engste Vertraute von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad. Diese Entscheidung gab das Innenministerium am Dienstagabend in Teheran bekannt.

Damit hat der Wächterrat, der aus jeweils sechs Geistlichen und sechs Juristen besteht, die beiden kontroversesten Bewerber frühzeitig aus dem Rennen genommen. Der 78-jährige Milliardär Rafsandschani galt als Politiker, der am ehesten die Stimmen des reformorientierten Lagers hinter sich vereinigen könnte. 2009 hatte er Sympathien für die Grüne Bewegung um den damaligen Präsidentschaftskandidaten Hossein Mussawi geäußert. Seine Disqualifikation kommt durchaus überraschend. Viele Beobachter waren davon ausgegangen, dass er sich vor Bekanntgabe seiner Kandidatur mit dem Obersten Führer Ali Chamenei abgestimmt hatte.

Acht Kandidaten sind zugelassen

Mit Rahim Maschai hat das Regime Ahmadinedschads rechte Hand disqualifiziert. Ähnlich wie der aktuelle Präsident drohte er, das klerikale Establishment herauszufordern. Maschai und Ahmadinedschad sind Anhänger des Mahdi-Kults. Beide behaupten, in direktem Kontakt mit dem Mahdi zu stehen, dem verborgenen Imam, der eines Tages zurückkehren soll, um mit Jesus zusammen die Menschheit zu erlösen. Wegen Maschais kontroverser Positionen kommt seine Disqualifikation wenig überraschend. Mit Spannung warten die Iraner nun auf Ahmadinedschads Reaktion. Er hatte indirekt mit Unruhen gedroht, falls sein Wunschkandidat aus dem Rennen genommen werden sollte.

Somit stehen bei der Wahl am 14. Juni acht Kandidaten auf dem Wahlzettel, doppelt so viele wie vor vier Jahren. Die Prominentesten unter ihnen sind der ehemalige Außenminister Ali Akbar Welajati und Said Dschalili, der iranische Verhandlungsführer in den Atom-Gesprächen mit dem Westen. Beide gelten als enge Vertraute Chameneis.

Außenseiterchancen werden Mohammed-Bagher Ghalibaf eingeräumt. Er ist derzeit Bürgermeister von Teheran - ein Posten, den schon Ahmadinedschad als Sprungbrett für höhere Aufgaben nutzte. Er hat sich in den vergangenen Monaten sowohl vom Präsidenten als auch von Rafsandschani abgesetzt.

Offen ist derzeit noch, ob einige Kandidaten untereinander Bündnisse eingehen. So ist es derzeit noch immer möglich, dass Bewerber ihre Kandidatur zurückziehen, um die Chancen gleichgesinnter Politiker zu erhöhen.

syd/Reuters/AP
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