Wähler-Analyse Wem McCain den Sieg verdankt

Liberale, Bush-Müde, Abtreibungsbefürworter, Ältere: Die Wähler in Florida haben sich für den liberalsten unter den Republikaner-Kandidaten entschieden. Die meisten gaben John McCain ihre Stimme. Rivale Romney scheiterte mit seiner Wirtschaftsstrategie.


Washington - Die Lager waren schon vor der Wahl weitgehend klar: Liberale Republikaner würden für John McCain stimmen, eher konservative für Mitt Romney. Zum Verhängnis wurde Ex-Manager Romney aber, dass ihm keiner so recht seine Wirtschaftskompetenz abnehmen wollte. Gerade dieses Thema war es, das Romney im teils hitzigen Schlagabtausch mit Senator McCain ins Feld geführt hatte. Und er verlor.

Die schwächelnde Wirtschaft ist laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP und einem Zusammenschluss mehrerer US-Fernsehsender das Topthema, das die Wähler in Florida umtreibt. Auch in vorangegangenen Vorwahlen in anderen Bundesstaaten hatte sich gezeigt, dass die ökonomische Entwicklung des Landes für viele Priorität hat. Doch fast 40 Prozent der Befragten - und damit die Mehrheit - stimmten für McCain. Diejenigen, die den Zustand der Wirtschaft für besorgniserregend halten, votierten ebenfalls eher für McCain. Wer die Lage für gut hält, stimmte vorrangig für Romney.

Bei denen, die sich selbst als klassische Republikaner bezeichnen, gab es ebenfalls eine Überraschung: Je ein Drittel dieser Gruppe stimmte für Romney beziehungsweise McCain. Hier hatte Romney mit einer stärkeren Zustimmung gerechnet - McCain hatte sich eher auf Unabhängige, Gemäßigte und andere republikanische Randgruppen verlassen. Inzwischen, so scheint es, wählen ihn aber auch mitunter eher Konservative.

Ein Detail allerdings, von dem sich McCain einen Vorteil erhofft hatte, ergab keinen klaren Sieger: Kriegsveteranen und Ex-Militärs gaben McCain, selbst Vietnamveteran, nicht mehr Stimmen als seinem Konkurrenten Romney.

Zum Erfolg verhalfen McCain, 71, seine Altersgenossen. Im Rentnerstaat Florida sind rund ein Drittel der republikanischen Wähler mindestens 65 Jahre alt. In dieser Gruppe gaben die meisten ihre Stimme McCain. In anderen Altersgruppen lagen die beiden Kontrahenten gleichauf.

McCains Wähler bezeichneten sich in der Umfrage außerdem als enttäuscht von der Bush-Regierung, liberal oder als Befürworter eines Rechts auf Abtreibung. Konservative, Abtreibungsgegner und strenggläubige Christen wählten Romney oder den einstigen Baptistenprediger Mike Huckabee, der beim Caucus in Iowa einen Überraschungserfolg feierte, in Florida allerdings nur auf dem vierten Platz landete. Für das Meinungsbild wurden 1505 republikanische Wähler befragt.

ffr/AP



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