Währungsstreit mit den USA "Peking will keinen Ärger"

Mit einer sanften Währungsanpassung versuchte China die USA vor dem G-20-Gipfel zu besänftigen. Doch das ist kein echter Kurswechsel, sagt China-Experte Andrew Small im SPIEGEL-ONLINE-Interview - noch immer gehe es Pekings Mächtigen eher um Machterhalt als das um Wohl der Weltwirtschaft.

US-Präsident Obama, Chinas Präsidenten Hu Jintao: "Kein echter Sinneswandel"
dpa

US-Präsident Obama, Chinas Präsidenten Hu Jintao: "Kein echter Sinneswandel"


SPIEGEL ONLINE: Im Vorfeld des G-20-Gipfels in Toronto hat die chinesische Regierung ihre Währung, den Yuan, gegenüber dem Dollar leicht aufgewertet - wie es Washington seit langem fordert, damit chinesische Exporte nicht künstlich billig bleiben. War das nur ein taktisches Manöver, damit die Amerikaner das Thema nicht auf die Tagesordnung des Gipfels setzen?

Small: Einen echten Sinneswandel sehe ich nicht in Peking. Bislang ist die Währungsanpassung ja sehr bescheiden ausgefallen. Und China hat Erfahrung mit Zugeständnissen, die Druck aus dem Ausland abmildern sollen, aber nicht wirklich einen Politikwechsel bedeuten.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Einfluss könnte ein anderer Wechselkurs in China auf die US-Wirtschaft und auf die Konjunktur weltweit haben?

Small: Bislang rechnet man ja nur mit einer Aufwertung des Yuan um etwa zwei bis drei Prozent. Das ist viel zu wenig, um einen echten Beitrag für eine weltweite Anpassung zu leisten. Aber es hätte noch schlimmer kommen können. Nach dem Verfall des Euro hatten die meisten Beobachter damit gerechnet, dass die Chinesen vor dem Toronto-Gipfel gar nichts unternehmen.

SPIEGEL ONLINE: Wird das Zugeständnis ausreichen, um US-Parlamentarier zu besänftigen? Die verlangen seit langem von der Obama-Regierung einen harten Währungs- und Handelskurs gegen China - schließlich verlieren Firmen in ihren Wahlkreisen Aufträge wegen billiger chinesischer Exporte.

Small: Ein bisschen schon. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Kongress die Daumenschrauben anzieht, wenn China zumindest etwas kompromissbereit wirkt. Aber das Problem und die Spannungen werden nicht verschwinden. Diese kleine Währungsanpassung dürfte auf Dauer nicht reichen.

SPIEGEL ONLINE: Oder hat Peking eingesehen, dass sein exportgetriebenes Wachstumsmodell auf die Dauer nicht tragfähig ist?

Small: Im Prinzip hat es das schon vor einiger Zeit eingesehen. Doch es tut sich schwer, von diesem Modell Abschied zu nehmen - gerade, wenn die Weltwirtschaft noch schwächelt. Wir werden daher keinen wirklichen Kurswechsel in Peking erleben, bis die Führung dort glaubt, dass die Krise überwunden ist. Noch sind sie nicht soweit, mit einer geringeren Exportrate klar zu kommen.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch: Könnte der erste Schritt nicht auch ein Zeichen sein, dass China eine verantwortungsvollere globale Rolle spielen möchte - politisch und wirtschaftlich?

Small: Peking hat Anfang dieses Jahres entschieden, dass es den Verfall der US-China-Beziehungen nicht mehr hinnehmen will. Sie wussten, dass sie mit zwei Zugeständnissen bei den Amerikanern punkten konnten - Kooperation bei Sanktionen gegen Iran und die Währungsaufwertung. Zu beiden Themen hat die Volksrepublik nun ein bisschen eingelenkt. Aber das macht China nicht gleich zur verantwortungsbewussten Weltmacht. Peking will immer noch vor allem eins: seinen Einfluss nutzen, um ein paar eng definierte eigene Interessen durchzusetzen, die dem Machterhalt dienen. Die chinesischen Machthaber in Peking wollen vor allem keinen Ärger. Wenn also das Ausland - in diesem Fall die Amerikaner - auf einem Punkt beharrt und Konsequenzen androht, sind sie zu sanften Anpassungen bereit.

SPIEGEL ONLINE: Auf was hofft Peking im Gegenzug?

Small: Die Amerikaner haben bislang noch nicht mit konkreten Zugeständnissen geantwortet. Aber Peking kann auf eine bessere Beziehung mit den USA hoffen.

SPIEGEL ONLINE: Hofft China doch noch auf eine "G-2-Partnerschaft" - also eine Weltordnung, in der Washington und Peking gemeinsam den Ton angeben?

Small: Wir erleben ja schon G-2-Momente, etwa bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen, den Iran-Atomverhandlungen oder nun auch der Währungsfrage. Meist treffen sich die beiden Großmächte aber auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Zumindest auf US-Seite wird diese Partnerschaft also nicht als sehr produktiv eingeschätzt. Ich glaube schon, dass es einige Themen gibt, bei denen sich Washington auf direkte Konsultationen mit Peking konzentriert und den Rest der Welt außen vor lässt. Doch die Amerikaner werden sich immer noch eher auf andere Verbündete stützen.

Das Interview führte Gregor Peter Schmitz

insgesamt 2 Beiträge
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sukowsky, 26.06.2010
1. Ohne Not bestimmt nicht
Warum soll Peking ohne Not freiwillig gegenüber den Dollar aufwerten. Dadurch verliert es zig Milliarden ihrer Devisen. Nun sitzen die Chinesen am längeren Hebel. Die Großherrlichkeit der Amerikaner welkt allmählich.
c++ 26.06.2010
2. .
Zitat von sukowskyWarum soll Peking ohne Not freiwillig gegenüber den Dollar aufwerten. Dadurch verliert es zig Milliarden ihrer Devisen. Nun sitzen die Chinesen am längeren Hebel. Die Großherrlichkeit der Amerikaner welkt allmählich.
Die Chinesen kleben ihre Wirtschaft an die Leitwährung der USA, der Yuan ist irgendwie eine Unterwährung des Dollars. Die Chinesen können damit gut leben, sie sind ziemlich intelligent. Man vergleiche mal das Geschrei in Deutschland, wir müssten eine starke europäische Währung haben, um dem Dollar als Leitwährung etwas entgegensetzen zu können. Kinkel schoss damals den Vogel ab, indem er in einem Anfall von Großenwahn die DM als Dorfwährung bezeichnete, mit der man im Zeitalter der Globalisierung nicht bestehen kann. Was für ein geballter Unsinn. Die Chinesen kommen in der Globalisierung bestens zurecht und brauchen überhaupt keine international anerkannte, frei konvertierbare Währung. Die entscheiden nach Gutsherrenart, in welcher Währung sie ihr Vermögen anlegen und überlassen es den USA und den Euroländern, für die Stabilität ihrer Währung zu sorgen. Die Kehrseite ist natürlich, dass mit einem Wertverlust des Dollar auch ihr sauer verdientes Geldvermögen weniger wert wird. So gesehen sind sie keineswegs am längeren Hebel, sondern müssen hoffen, dass der Dollar stark bleibt.
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