Waffeninspektion Blix beklagt sich über den Irak

Hans Blix, Chef der Uno-Waffeninspekteure, hat der irakische Regierung mangelnde Kooperation vorgehalten. Bevor sich die Zusammenarbeit bei den Waffenkontrollen nicht verbessere, wolle er den Sicherheitsrat nicht um mehr Zeit für Untersuchungen bitten. Bagdad gab sich umgehend entgegenkommend: Der Chefinspektor wurde zu einem erneuten Besuch eingeladen.


Blix: Jahrelange Inspektionen nicht akzeptabel
REUTERS

Blix: Jahrelange Inspektionen nicht akzeptabel

New York - Blix bedauerte in einem Interview mit dem britischen TV-Sender "Channel 4", dass die Inspektionen im Irak ohne die Mitarbeit der Regierung in Bagdad noch Jahre dauern könnten. Dies sei jedoch nicht akzeptabel. Er wolle deshalb erst dann um mehr Zeit für die Inspektionen bitten, wenn eine Kooperation der Iraker spürbar werde. Blix und al-Baradei werden dem Sicherheitsrat am 14. Februar einen weiteren Bericht vorlegen.

Das Büro von Uno-Generalsekretär Kofi Annan bestätigte unterdessen, dass die irakische Regierung die Chefinspektoren für die kommende Woche zu Gesprächen nach Bagdad eingeladen hat. Iraks Uno-Botschafter Mohammed Aldouri hatte eine schriftliche Einladung am Donnerstagabend überbracht. Amir el Saadi, Berater Saddam Husseins, erklärte, Ziel solle es sein, die Zusammenarbeit zu verbessern und gemeinsam über Methoden zur Bestätigung der Entwaffnung zu sprechen.

Annans Büro teilte nicht mit, ob man die Einladung annehmen werde. Auch Blix selbst und sein Kollege Mohammed al-Baradei von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien äußerten sich nicht dazu. Vor knapp zwei Wochen erst waren beide in Bagdad gewesen, um über eine aktivere Rolle der irakischen Regierung bei den Kontrollen zu sprechen. Al-Baradei sagte in einem BBC-Interview, er brauche vermutlich noch vier bis fünf Monate Zeit, um beurteilen zu können, ob Irak Atomwaffen besitze. Die atomare Bedrohung aus Nordkorea schätze er größer ein.

Der saudische Außenminister Saud el Feisal hat von Bagdad eine aktivere Rolle bei den Kontrollen gefordert. Nach einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush in Washington sagte der Minister, sein Land arbeite weiter für eine friedliche Lösung. Er zeigte sich zudem überzeugt, dass Bush die Situation "mit seiner ganzen Weisheit" beurteilen werde.

Anders der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela. Er protestierte gegen den harten Irak-Kurs Washingtons. "Warum legen die Vereinigten Staaten so ein arrogantes Verhalten an den Tag?" fragte er. Bush sei offenbar vor allem am irakischen Öl interessiert und wolle "die Welt in einen Holocaust" verwickeln.

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