Waffeninspektionen Irak verhöhnt USA

Die Regierungen in Bagdad und Washington liefern sich einen absurden verbalen Schlagabtausch - gespickt mit Ironie und Boshaftigkeit. Ein irakischer Vertreter hatte gesagt, der US-Auslandsgeheimdienst CIA könne gern ins Land kommen und den Inspektoren beim Waffen-Suchen helfen. Die USA haben das Angebot barsch zurückgewiesen.

Washington/Berlin - Die USA und die Briten hatten in den vergangenen Tagen immer wieder angekündigt, ihre Geheimdienste hätten Informationen über Lager von Massenvernichtungswaffen, die sie nun der Uno übergeben wollten. Hintergrund sind die bisher negativen Ergebnisse der Waffeninspektoren, die keine Waffenlager oder Massenvernichtungswaffen gefunden hatten. Noch immer behaupten die USA und die Briten trotzdem, dass besonders der US-Geheimdienst CIA über solche Informationen verfüge, die man in den vergangenen Jahren gesammelt habe.

In der Folge entwickelte sich in den vergangenen Stunden ein verbaler Schlagabtausch zwischen Bagdad und Washington. Zuerst hatte der oberste Wissenschaftler des Irak, General Amir Al-Saadi, laut dem US-Sender CNN mit betonter Lässigkeit gesagt, die USA sollten doch gleich CIA-Agenten mitschicken, die den Uno-Inspektoren vor Ort die angeblichen Lager zeigen könnten. Die Schnüffler aus der CIA-Zentrale Langley seien im Irak "willkommen", so der Wissenschaftler.

Die USA wiederum schlugen die von Ironie getränkte Offerte des Irakers aus. Laut einem Bericht des englischen Senders BBC lehnte das Weiße Haus das irakische Angebot ab. Ein Vertreter des Weißen Hauses habe gesagt, die Beweislast, dass Bagdad keine Massenvernichtungswaffen herstelle, liege beim irakischen Präsidenten Saddam Hussein und nicht bei den USA.

Der irakische Vertreter nahm in seiner Rede auch zu konkreten Vorwürfen der USA Stellung und versuchte, sie zu entkräften. Voran stellte er die bereits häufiger geäußerte Ansicht, dass nur die USA und die Briten versuchen würden, den Irak in die Ecke eines Verbrecherregimes zu stellen, das Massenvernichtungswaffen besitze.

Al-Saadi zitierte Beschuldigungen der USA, der Irak habe versucht, waffenfähiges Uran aus Nigeria zu beziehen. "Es war kein Uran", sagte der Wissenschaftler, "lediglich Uran-Oxid." Der Vorgang sei in den mittleren 80er Jahren gewesen und sei in der 12000-Seiten-Erklärung über alle Waffen des Iraks enthalten. In der Tat aber eignet sich auch das Oxid vom Uran bei einer Anreicherung zum Waffenbau.

Al-Saadi beschuldigte außerdem den früheren Unscom-Chefinspektor Richard Butler, der die Waffen des Iraks nach dem zweiten Golfkrieg inspiziert hatte. Butler habe versucht, Beweise zu schaffen, dass der Irak hochgiftiges VX-Gas herstelle, so al-Saadi. "Da war ein Versuch im April 1990, eine bestimmte Menge VX herzustellen, doch er war erfolglos", sagte al Saadi.

Die Versuche seien daraufhin eingestellt und nie wieder aufgenommen worden. Auch die USA hatten Saddam beschuldigt, sich Material zu beschaffen, aus dem man biologische Waffen wie Anthrax herstellen kann. Außerdem soll der Irak laut US-Angaben Kraftstoff für Raketen herstellen, obwohl er immer wieder bestritten hatte, überhaupt noch Raketen zu besitzen.

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