Waffeninspektoren Blix unter Druck

Der zunehmende Ärger von US-Präsident George W. Bush über den Fortgang der Waffeninspektionen im Irak hat eine erste Konsequenz gezeigt. US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice wurde bei Chef-Waffeninspektor Hans Blix in New York vorstellig.


Hans Blix: Kämpft gegen die Zeit
REUTERS

Hans Blix: Kämpft gegen die Zeit

Hamburg - US-Sicherheitsberaterin Rice flog am Dienstag überraschend nach New York um sich dort mit Uno Chef-Waffeninspektor Hans Blix zu treffen. Rice wollte Blix überzeugen irakische Wissenschaftler zu drängen das Land für geheime Interviews zu verlassen. Die amerikanische Regierung hält dieses Vorhaben am geeignetsten, um Informationen über geheime Waffenprogramme des Iraks zu erhalten.

Das nicht bekannt gegebene Treffen unterstreicht den steigenden Ärger der amerikanischen Regierung in Bezug auf die Waffenkontrollen im Irak. Blix weigerte sich bisher irakische Wissenschaftler zu zwingen, dass Land gegen ihren Willen zu verlassen. Bush zeigte sich am Dienstag äußert ungeduldig, da die seit nunmehr sechs Wochen laufenden Inspektionen noch keine Beweise liefern konnten, dass der Irak geheime Waffenprogramme betreibt. Bush sagte im Weißen Haus: "Bisher habe ich keine Beweise gesehen, dass er abrüstet. Saddam Husseins Zeit läuft ab. Er muss abrüsten. Ich bin diese Spiele und Täuschungen leid."

Rice soll Blix auch dazu gedrängt haben seinen, ersten großen Bericht nicht erst im März, wie von ihm angekündigt, sondern wie vereinbart am 27. Januar vorzustellen. Das entspräche dem Wunsch der amerikanischen Regierung, Ende Januar zu entscheiden, ob es zu einem Krieg kommt. Blix dagegen hatte schon im November klargemacht, dass die Suche nach Massenvernichtungswaffen durchaus mehr als ein Jahr dauern könnte.

Condoleezza Rice, George W. Bush: Setzen die Inspektoren unter Druck
AP

Condoleezza Rice, George W. Bush: Setzen die Inspektoren unter Druck

Ein Enddatum für die Inspektionen ist nie beschlossen worden, jedenfalls nicht von den Vereinten Nationen. Mindestens alle drei Monate, so die Maßgabe des Sicherheitsrates für die Inspekteure, sollen Blix und El Baradei über den Verlauf der Suche nach unerlaubten Waffen im Irak berichten. Und ihr Auftrag lautet auch, bis zum 27. Januar nicht nur zu sagen, wo man steht, sondern wie es in den nächsten Monaten weitergehen soll.

Blix und El Baradei wollen am Wochenende mit der irakischen Führung in Bagdad reden. Sie haben einen langen Katalog mit Fragen im Gepäck. Diese Fragen beziehen sich auf den 12 000 Seiten starken irakischen Rüstungsbericht sowie auf Erkenntnissen der Uno-Waffensuche in den Jahren bis 1998. Weiterhin soll sichergestellt werden, dass der Irak seinen Wissenschaftlern erlaubt, sich privat mit den Uno-Inspektoren zu treffen. Die ersten Interviews sollen möglichst schon diese Woche beginnen.



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