Waffenlieferung Hisbollah und Iran wollen mit Schmuggel-Schiff nichts zu tun haben

36 Container voller Waffen fanden die Israelis, ein Arsenal zum Kriegführen, doch die Hisbollah weist Vorwürfe zurück, die explosive Fracht auf dem abgefangenen Schiff "Francop" sei für sie bestimmt gewesen. Auch Iran dementiert empört eine Verwicklung - mit einer skurrilen Begründung.


Beirut/Tel Aviv - Die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon hat jegliche Verbindung mit dem von der israelischen Marine aufgedeckten Waffenschmuggel zurückgewiesen. "Die Hisbollah dementiert kategorisch jede Verbindung mit den Waffen, die der zionistische Feind angeblich auf dem Schiff 'Francop' gefunden hat", erklärte die Miliz am Donnerstag in Beirut. Zugleich warf sie Israel Piraterie in internationalen Gewässern vor.

Ein Spezialkommando der israelischen Marine hatte am Mittwoch ein Schiff mit Hunderten Tonnen Waffen und Munition abgefangen. Nach israelischen Armee-Angaben stammten die Waffen an Bord der unter der Flagge des Karibikstaates Antigua fahrenden "Francop" aus Iran.

Das Schiff gehört der in Neu Wulmstorf vor den Toren Hamburgs ansässigen Reederei Gerd Bartels. Der Eigner hatte am Mittwochabend erklärt, er habe von dem Waffenschmuggel nichts gewusst. Der Frachter sei seit rund zwei Monaten von dem Cargo-Unternehmen UFS gechartert.

Irans Außenminister Manutschehr Mottaki und sein syrischer Kollege Walid al-Muallim bestritten umgehend die israelische Darstellung. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Teheran erklärten sie, auf dem Schiff seien "keine Waffen aus iranischer Produktion" gewesen, sondern syrische Produkte, die für iranische Verbraucher bestimmt gewesen seien. Israel wirft Syrien und Iran seit Jahren vor, die Hisbollah mit Waffen zu versorgen.

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Waffen: Israel greift die "Francop" auf
Der Frachter hat am Mittwochabend den israelischen Hafen Aschdod in Richtung Limassol verlassen. Die "Francop" war zunächst nach Aschdod gebracht worden, wo einige Container entladen wurden. Die Besatzung habe von der geheimen Fracht aber offenbar nichts gewusst.

Ein israelischer Militär sagte dem israelischen Rundfunk, der polnische Kapitän sei "schockiert" gewesen, weil die Waffen ohne sein Wissen transportiert worden seien. Die gefährliche Fracht, darunter auch Sprengstoff, habe neben Ölbehältern gelagert und das Leben der Mannschaft bedroht.

Die Charterfirma durfte nach Angaben der Reederei keine Ladung transportieren, die im Widerspruch zu Uno-Resolutionen stehe. Der Inhalt der zu ladenden Container werde gegenüber der Reederei aber nicht deklariert.

Israel erwartet nun, dass Iran künftig andere Schmuggelwege nutzen wird. Ein ranghoher Militär sagte dem israelischen Rundfunk am Donnerstag, Iran habe sich auf den Transport per See verlegt, weil der Landweg zu schwierig geworden sei.

"Wir haben Iran, Syrien und der Hisbollah einen schmerzhaften und peinlichen Schlag versetzt", sagte ein israelischer Militär dem Online-Dienst "ynet". "Sie müssen jetzt erst einmal Hausaufgaben machen, aber letztlich wird der Schmuggel-Krieg noch lange weitergehen."

Israel geht davon aus, dass Iran auch in der Vergangenheit zivile Handelsschiffe als Tarnung für Waffenlieferungen an militante Gruppierungen benutzt hat. Der Marinechef Rani Ben Jehuda sagte, die Waffen an Bord des abgefangenen Schiffs hätten es der Hisbollah ermöglicht, Israel etwa einen Monat lang zu bekämpfen.

Der Frachter war nach israelischen Angaben vom ägyptischen Domiat unterwegs zum syrischen Hafen Latakia. Von dort habe die Waffenlieferung im Wert von mehreren Millionen US-Dollar über Land in den Libanon gebracht werden sollen.

ffr/AFP/AP/dpa



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smallbrother 12.08.2009
1.
Die Weltgemeinschaft muss Israel mit aller Deutlichkeit in die Schranken weisen; ggfls. Finanzhilfen einstellen. Die jahrzehntelange Gewaltspirale muss sofort unterbrochen werden. Es muss die Zwei-Staaten-Lösung erreicht werden. Dabei muss sicher gestellt werden, dass das selbstständige Palästina wirtschaftlich auf die Beine kommt (inkl. Zugang zu den Trinkwasserressourcen aus den Golanhöhen).
Palmstroem, 12.08.2009
2. Altes Thema, neuer Thread
Zitat von sysopDie jüdischen Siedlungen in Jerusalem haben die Beziehungen zwischen Israel und den USA schwer belastet. Jüngster Fall ist st die Genehmigung neuer Siedlungsbauten in dem Ort Gilo, der auf arabischem Boden liegt. Wie soll Ihrer Meinung nach die internationale Gemeinschaft reagieren?
Und zum xten-mal wieder die Chance für Antizionisten, sich über dieses Thema auszuschleimen. Die jüdischen Siedlungen sind allenfalls ein Punkt in eventuellen Friedensverhandlungen. Aber die wird es erst geben, wenn die Palästinenser sich einig werden und endlich das Existenzrecht Israels anerkennen. Bis dahin wird noch viel Wasser den Jordan hinunterfließen und manch neuer US-Präsident/in im Amt sein!
Emil Peisker 12.08.2009
3. ...wieder ein "rechter" Mann ins Oval Office einzieht
Zitat von PalmstroemUnd zum xten-mal wieder die Chance für Antizionisten, sich über dieses Thema auszuschleimen. Die jüdischen Siedlungen sind allenfalls ein Punkt in eventuellen Friedensverhandlungen. Aber die wird es erst geben, wenn die Palästinenser sich einig werden und endlich das Existenzrecht Israels anerkennen. Bis dahin wird noch viel Wasser den Jordan hinunterfließen und manch neuer US-Präsident/in im Amt sein!
Lieber Palmstroem Wenn die Israelis erfolgreich, wie schon seit 40 Jahren, sich zum Friedensprozess bekennen, aber in der Praxis weiter ungerührt den Raum besiedeln, der für einen Palästineserstaat benötigt wird, und zunehmend der amerikanischen Forderung nach Siedlungsstopp und der Option der Rückgabe der besiedelten Gebiete widersprechen, wird es irgendwann auf einen Kulminationspunkt zulaufen, der von keiner amerikanischen Regierung ignoriert werden kann. Die Hoffnung der israelischen Hardliner, dass nach Obama bald wieder ein "rechter" Mann ins Oval Office einzieht, und der dann die Israelis gewähren lässt, ist wohl trügerisch. Es kann auch so kommen, dass die jetzige israelische Regierung ihre Glaubwürdigkeit in Sachen Friedenprozess so klar verspielt, dass dieser Schaden für lange Zeit das Verhältnis zu den USA beschädigt. Die Einstellung von Subventionen sind dann noch der geringste Schaden um den sich Tel Aviv Sorgen machen muss. Gruß Emil
schlechtmensch 12.08.2009
4. Wie reagieren?
Zitat von sysopDie jüdischen Siedlungen in Jerusalem haben die Beziehungen zwischen Israel und den USA schwer belastet. Jüngster Fall ist st die Genehmigung neuer Siedlungsbauten in dem Ort Gilo, der auf arabischem Boden liegt. Wie soll Ihrer Meinung nach die internationale Gemeinschaft reagieren?
Unterschreiben: http://www.standupforjerusalem.org/index.php?action=list_articles&id=3 http://www.ipetitions.com/petition/standupforjerusalem/
alfredoneuman 12.08.2009
5.
Zitat von Emil PeiskerLieber Palmstroem Wenn die Israelis erfolgreich, wie schon seit 40 Jahren, sich zum Friedensprozess bekennen, aber in der Praxis weiter ungerührt den Raum besiedeln, der für einen Palästineserstaat benötigt wird, und zunehmend der amerikanischen Forderung nach Siedlungsstopp und der Option der Rückgabe der besiedelten Gebiete widersprechen, wird es irgendwann auf einen Kulminationspunkt zulaufen, der von keiner amerikanischen Regierung ignoriert werden kann. Die Hoffnung der israelischen Hardliner, dass nach Obama bald wieder ein "rechter" Mann ins Oval Office einzieht, und der dann die Israelis gewähren lässt, ist wohl trügerisch. Es kann auch so kommen, dass die jetzige israelische Regierung ihre Glaubwürdigkeit in Sachen Friedenprozess so klar verspielt, dass dieser Schaden für lange Zeit das Verhältnis zu den USA beschädigt. Die Einstellung von Subventionen sind dann noch der geringste Schaden um den sich Tel Aviv Sorgen machen muss. Gruß Emil
Bei dem was Sie hier in die Form eines besorgten Beitrags kleiden, handelt es sich offensichtlich um Ihr Wunschdenken. Obama wird nicht auf biegen und brechen versuchen, Dinge durchzusetzen, die einzig allein auf Kosten Israels gehen würden. Das Thema Siedlungen ist wichtig, aber soweit man erkennen kann, ist es ein taktisch Manöver von Obama die Sache aufzubauschen, denn auch die andere Seite, die Palaestinensiche muss liefern, bloss haben die es offensichtlich nicht begriffen wie das Spiel laeuft. Nachdem PLO-Parteitag, und den masslosen Forderungen die dort mal wieder formuliert worden sind, kann Obama nicht davon ausgehen, dass von den Palaestinensern irgendetwas Konstruktives zu erwarten ist, also wird er irgendeinen Plan B aus der Schublade holen müssen, der nicht den grossen aber unmörglichen Wurf anvisiert, sondern darauf hinauslaeuft das Ganze geschehen zu daempfen und auf bessere Zeiten zu hoffen, so wie alle die mal mit grossen Illusionen im NO angetreten sind. Wobei ich bei Obama fast sicher bin, dass er niemals welche hatte, er wird sich einfach gesagt haben, ich versuchs mal mit Israel-Bashing, vielleicht hilft das ja, aber auch das hilft nicht, er wird es wohl schon bemerkt haben.
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