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Syrien: Die Waffen der Rebellen

Foto: AP/ Lebanese Army Media Department

Neue Lieferungen Syriens Rebellen bekommen bessere Waffen

Sturmgewehre und Geschosse Marke Eigenbau gehören für Syriens Rebellen zum Standard, doch inzwischen rüsten die Aufständischen auf. Angesichts aktueller Armee-Attacken auf die Rebellenhochburgen liefern Unterstützer aus dem Ausland zunehmend stärkere Waffen. Auch radikale Dschihadisten profitieren.

In Syrien verändert sich Bewaffnung der Konfliktparteien zusehends. Noch sind die häufigsten Waffen auf Seiten der Gegner Assads Sturmgewehre und selbstgebaute Geschosse. Doch immer häufiger kommen syrische Kämpfer und internationale Dschihadisten in den Besitz von Panzerabwehrhandwaffen (auch Panzerbüchsen genannt), Panzerabwehrlenkraketen und schultergestützten Flugabwehrraketen.

Und das wird in Zukunft noch zunehmen: Am Samstag haben die "Freunde Syriens" beschlossen, dass sie die Aufständischen gegen Baschar al-Assad mit Waffenlieferungen unterstützen wollen. Die wichtigsten Mitglieder dieser Gruppe sind neben den arabischen Golfstaaten Saudi-Arabien und Katar die USA, Frankreich, Großbritannien und auch Deutschland.

Mit den Waffenlieferungen hoffen die "Freunde Syriens", den Druck auf Assad zu erhöhen und ihn doch noch an den Verhandlungstisch zu bringen. Hintergrund des Beschlusses dürfte auch die verstärkte Offensive Assads gegen Hochburgen der Rebellen im Westen des Landes sein. Ebenfalls am Samstag bombardierte die Armee mit Kampfjets und Artillerie die von den Aufständischen kontrollierte Altstadt von Homs. Die drittgeößte Stadt Syriens gilt als "Hauptstadt der Revolution".

Die Unterstützung richtet sich vor allem an die gemäßigten syrischen Aufständischen. Diese haben kontinuierlich an Einfluss verloren gegenüber radikalen Gruppen und internationalen Dschihadisten. Die Radikalen scheinen weniger Geld- und Ausrüstungsprobleme zu haben als die gemäßigten Kräfte. Einige Kämpfer sind daher zu den Extremisten übergelaufen.

Seit 2012 kommen die ersten Lieferungen ins Land

Bis die ersten Waffenlieferungen aus dem Westen bei Syriens Rebellen eintreffen, dürften noch einige Wochen vergehen. Allerdings haben einige arabische Staaten längst mit Lieferungen begonnen. Diese machen sich inzwischen bemerkbar.

  • Katar und Saudi-Arabien hatten bereits im Frühjahr 2012 angekündigt, Waffen liefern zu wollen. Seit Ende 2012 haben sie nach Erkenntnissen der "New York Times"  Handfeuerwaffen und Panzerbüchsen aus jugoslawischer und kroatischer Produktion geliefert. Der US-Geheimdienst CIA scheint über diese Lieferungen informiert und berät die arabischen Länder dabei, welche Rebellengruppen die Waffen bekommen sollen. Auch hat Washington nach Berichten der "Los Angeles Times"  seit Ende 2012 in Jordanien und in der Türkei syrische Rebellen im Umgang mit Panzer- und Luftabwehrraketen unterrichtet.

    Rivale Iran hat mit seinem Verbündeten, der libanesischen Hisbollah, seine militärische Unterstützung des Assad-Regimes massiv ausgeweitet. Offenbar will nun auch Saudi-Arabien nachziehen und mehr an die Assad-Gegner liefern. Das Land soll den syrischen Aufständischen Panzerabwehrraketen des deutsch-französischen Modells Milan geliefert haben. Diese sollen nun erstmals in YouTube-Videos der Rebellen  dokumentiert worden sein.

  • Aus Libyen kommen immer wieder Lieferungen in Syrien an. Teils werden diese von Privatleuten organisiert , teils wohl von offiziellen libyschen Stellen, vermutet die Uno . In Libyen kam es 2011 zu Aufständen gegen den damaligen Machthaber Muammar al-Gaddafi. Viele der ehemaligen Aufständischen sympathisieren mit den syrischen Rebellen. Die Waffen, die aus Libyen nach Syrien kommen, stammen aus Gaddafis Waffendepots. Der ermordete Diktator besaß große Mengen Munition, Handfeuerwaffen, Panzerbüchsen und auch tragbare Flugabwehrraketen. In den Wirren des libyschen Bürgerkriegs kümmerte sich niemand um ihre Sicherstellung. Ein Teil der Ausrüstung Gaddafis taucht nun unter anderem in Syrien wieder auf.

Die Schmuggelrouten der Waffenhändler sind meist nur schwer nachvollziehbar. Mehrere Blogger und Journalisten haben sich hauptsächlich dieser Aufgabe verschrieben und tauschen ihre Beobachtungen aus, beispielsweise auf dem Waffen-Blog "The Gun " eines "New York Times"-Reporters, der Syrien-Seite "Brown Moses " des Bloggers Eliot Higgins und dem Waffen-Blog "The Rogue Adventurer " des Sicherheitsanalysten N.R. Jenzen-Jones.

Internationale Dschihadisten haben nun Flugabwehrraketen

Woher die Flugabwehrraketen kommen, die nach einem Bericht des "Guardian"  in den Händen einer hauptsächlich tschetschenischen Dschihadistengruppe in Syrien aufgetaucht sind, ist unklar. Es soll sich bei ihnen um Raketen des sowjetischen Modells SA-16 handeln. Sie könnten ins Land geschmuggelt worden sein. Allerdings besitzt auch die syrische Armee diese Waffen. Assads Gegner konnten im Norden des Landes bereits einige syrische Militärbasen erobern und dabei die Waffendepots plündern.

Dass solche Waffen in die Hände von Dschihadisten fallen, ist eine der größten Sorgen des Westens. Sie könnten gegen westliche Kampfflugzeuge eingesetzt werden oder auch gegen die zivile Luftfahrt bei Terroranschlägen. Syrien grenzt an mehrere enge Verbündete der USA und der EU. Extremisten könnten von Syrien aus den Luftverkehr über Israel, Jordanien und der Türkei gefährden.

Experten gehen nicht davon aus, dass die Waffenlieferungen der "Freunde Syriens" den Krieg entscheiden können. Zwar haben die Aufständischen immer wieder um Panzer- und Luftabwehrraketen gebeten, um sich besser gegen das Assad-Militär zur Wehr setzen zu können - der hochgerüstete Assad erhält weiterhin Waffenlieferungen von den Verbündeten Iran und Russland. Allerdings hat sich der Konflikt längst zu einem Bürgerkrieg mit einer Vielzahl von Fronten gewandelt. Vielerorts tobt ein brutaler Häuserkrieg verschiedener Milizen. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.