Ukraine-Konflikt Elf Tote bei neuen Gefechten

Die Waffenruhe hält nicht: In den letzten Tagen starben elf Menschen bei Kämpfen in der Ostukraine, darunter fünf Zivilisten. Die WHO warnte zudem vor einem Zusammenbruch der medizinischen Versorgung im Krisengebiet.
Bewohner von Donezk in ihren zerstörten Häusern: "Die Situation ist die schlimmste seit September"

Bewohner von Donezk in ihren zerstörten Häusern: "Die Situation ist die schlimmste seit September"

Foto: Alexander Ermochenko/ dpa

Kiew/Moskau - Obwohl sich die Ukraine und die prorussischen Rebellen im Dezember auf eine Feuerpause geeinigt hatten, wird in der Ostukraine wieder gekämpft: Seit Donnerstag seien elf Menschen getötet worden, teilten die ukrainischen Behörden mit, unter ihnen sechs Soldaten. 18 weitere Armeeangehörige seien verletzt worden. Bei einem Rebellenangriff auf einen Kontrollpunkt bei Luhansk sei ein Zivilist getötet worden.

Das Rathaus von Donezk meldete vier getötete Zivilisten, nachdem ein Lagerhaus nach Beschuss niederbrannte. In der Stadt gab es zudem erneut einen heftigen Angriff auf den Flughafen, wie ein ukrainischer Präsidentenberater mitteilte. "Die Situation ist so schlimm wie seit September nicht mehr", schrieb Präsidentenberater Juri Birjukow.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko riefen die Rebellen nach einem Telefonat auf, sofort zur vereinbarten Waffenruhe zurückkehren. Die zwei Staatschefs drängten darauf, "schnellstmöglich" ein Treffen der Kontaktgruppe abzuhalten. Diese besteht aus Vertretern der Ukraine, Russlands, der prorussischen Rebellen und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Am Donnerstag mussten OSZE-Beobachter bei einem Versuch, zum Flughafen von Donezk vorzudringen, angesichts der Kämpfe umkehren. Die OSZE warnte vor weiteren zivilen Opfern, da Angriffe in Wohngegenden gestartet und erwidert würden. Den Angaben zufolge kam eine OSZE-Patrouille nahe der Hafenstadt Mariupol unter direkten Beschuss. Opfer oder Schäden habe es aber nicht gegeben.

Medizinische Versorgung vor dem Kollaps

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte, dass wegen des Konflikts die medizinische Versorgung in der Ostukraine zu kollabieren drohe. Es fehlten Impfstoffe und andere Medikamente, sagte die WHO-Beauftragte der Ukraine in Genf. Krankenhäuser seien von der Wasser- und Stromversorgung abgeschnitten, bis zu 70 Prozent des medizinischen Personals seien geflohen. Zudem fehle es an Medikamenten. Die Organisation benötige dringend 19 Millionen Euro, um die Versorgung von rund fünf Millionen Menschen zu verbessern.

In dem seit neun Monaten andauernden Konflikt zwischen der Regierung und Separatisten wurden nach Angaben der WHO-Beauftragten mehr als 4800 Menschen getötet und mehr als 10.000 verletzt.

eth/afp/Reuters
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