Waffenruhe-Verhandlungen Irakischer Präsident hofft auf Ende der Gewalt

Der irakische Präsident Dschalal Talabani ist mit Vertretern von sieben Aufständischengruppen zusammengetroffen, um über eine Waffenruhe zu verhandeln. Er sei nach den Gesprächen optimistisch, hieß es.


Bagdad - "Ich bin überzeugt, dass mit sieben bewaffneten Gruppen, die mich besucht haben, eine entsprechende Vereinbarung getroffen werden kann", erklärte der Kurde am Sonntag. Um welche Gruppen es sich handelte, wollte Präsidentensprecher Kamran Karadaghi allerdings nicht sagen. Der Wortlaut der Erklärung ließ darauf schließen, dass es sich bei den sieben Gruppen um sunnitische Rebellen handelt.

Es war ist das erste Mal, dass ein Vertreter der irakischen Führung offiziell Gespräche mit den Aufständischen eingeräumt hat. Bereits im vergangenen Jahr hatte Talabani allerdings Gespräche mit Vertretern der Aufständischen angeboten, mit Ausnahme von al-Qaida im Irak und Anhängern des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein.

Flüchtling in improvisierter Unterkunft in Bagdad: 14.000 Familien auf der Flucht? 
AFP

Flüchtling in improvisierter Unterkunft in Bagdad: 14.000 Familien auf der Flucht? 

Die sunnitische Minderheit kämpft gegen die von Kurden und Schiiten dominierte Regierung sowie die US-geführte Besatzung des Landes. Im Dezember hat sie sich allerdings das erste Mal an Wahlen beteiligt und steht nun kurz davor, in eine Regierung der nationalen Einheit einzuziehen. Von einem auch von Sunniten unterstützten Kabinett versprechen sich nicht zuletzt die USA eine Stabilisierung des Landes, das in jüngster Zeit wiederholt an den Rand eines Bürgerkriegs geraten ist.

Drei Ausländer bei Bagdad getötet

Bei einem Bombenanschlag in der Nähe der Bagdad sind unterdessen Augenzeugen zufolge drei ausländische Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes getötet worden. Der Sprengsatz sei detoniert, als die Fahrzeugkolonne die Stadt Suwaijra auf der Autobahn passierte, hieß es. Zwei weitere Ausländer seien verletzt worden. Unter ihnen sei ein Brite, erklärte eine Sprecherin des britischen Außenministeriums. Zur Nationalität der übrigen Opfer machte sie keine Angaben. Bei einem weiteren Zwischenfall im südirakischen Basra wurden der Sprecherin zufolge am Samstag zwei Briten verletzt.

Vizepräsident: 100.000 auf der Flucht

Der irakischen Regierung zufolge sind von religiös motivierten Anschlägen und Übergriffen schon zehntausende Menschen in die Flucht getrieben worden. Vizepräsident Aidl Abdul Mahdi sprach am Sonntag von 100.000 Flüchtlingen. Am Samstag war er mit Einschätzungen zitiert worden, 100.000 Familien seien auf der Flucht - da viele irakische Familien mehrere Kinder haben, wäre die Zahl der Flüchtlinge insgesamt damit deutlich höher. Der Vizepräsident sei missverstanden worden, erklärte sein Büro. Die Schiitische Stiftung bezifferte die Zahl der Flüchtlinge auf 90.000 beziehungsweise 13.750 Familien.

Ein Sprecher der US-Streitkräfte erklärte, die Truppen hätten keine Hinweise auf eine solche Massenflucht. Vielmehr sei die Zahl von Gewalttaten mit konfessionellem Hintergrund in der Gegend um Bagdad in der vergangenen Woche um 60 Prozent zurückgegangen.

Bush: Es wird weitere Opfer geben

Die Amerikaner müssen sich nach Einschätzung ihres Präsidenten George W. Bush auf weitere Opfer im Irak einstellen. Es werde noch weitere "Tage der heftigen Kämpfe und der Opfer" geben, sagte er in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache.

Die Bildung einer neuen irakischen Regierung sei zwar ein "wirklicher Rückschlag" für die Gegner im Irak. Dieser Meilenstein bedeute aber kein Ende der Gewalt. Iraks nationaler Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai erklärte im staatlichen Fernsehen, er rechne für Mitte 2008 mit dem Abzug des letzten US-Soldaten.

itz/AP/Reuters/dpa
Mehr zum Thema


insgesamt 2395 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Peter Uhlemann 11.04.2005
1. Versuch
Tja, das Anmelden hat ja scheint's geklappt. Allerdings ist mir noch nicht ganz klar, wie ich hier Beiträge verfassen soll??
sysop 11.04.2005
2. Beiträge verfassen
Wählen Sie zunächst rechts oben unter "Ansicht" die lineare Darstellen, dann "Antworten" unter dem Beitrag.
Theodor Körner, 11.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Die Wahlen werden als Erfolg für die Amerikaner und ebenso für das irakische Volk gewertet. Jetzt hoffen viele auf Aufbruchstimmung. Wird der Irak nach den Wahlen sicherer und friedlicher werden? ---Zitatende--- Da ist wohl sehr viel Wunschdenken dabei. Wie zum Beispiel soll die sunnitische Bevölkerungsgruppe politisch beteiligt werden, wenn gleichzeitig Polizei und Militär ausschließlich aus Kurden und Schiiten rekrutiert werden? Nach dem Geschehen in und um Falludscha sind die Gräben nur noch tiefer geworden. Demokratie läßt sich nun einmal nicht herbeibomben. Eine willfähriges Marionettenregime schon eher. TK
Laibach, 11.04.2005
4.
Das kann ich nur unterschreiben!
Karl Sulzer, 11.04.2005
5. Alles neu macht nicht der Mai
---Zitat von Peter Uhlemann--- Tja, das Anmelden hat ja scheint's geklappt. Allerdings ist mir noch nicht ganz klar, wie ich hier Beiträge verfassen soll?? ---Zitatende--- Mir geht es nicht viel anders. Aber ist geteiltes Jammern, gutes Jammern?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.