Wahl im Irak Erste Ergebnisse in zwei Wochen

Die Erleichterung ist groß: Der gestrige Wahltag im Irak verlief ohne größere Zwischenfälle, rund 70 Prozent der Iraker gaben ihre Stimme ab. Die Auszählung läuft, mit ersten Ergebnissen wird jedoch frühestens in zwei Wochen gerechnet.


Bagdad - Der Sprecher der Wahlkommission, Farid Ajar, sagte vor der Presse in Bagdad, das amtliche Endergebnis könnte zwei weitere Wochen auf sich warten lassen. "Es wird im Januar bekannt gegeben werden", sagte Ajar. Nach offiziellen Schätzungen beteiligten sich an der ersten Wahl eines Parlaments für vier Jahre nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein etwa elf der mehr als 14 Millionen Wahlberechtigten. Die Wahlbeteiligung wird auf etwa 70 Prozent geschätzt.

Stimmauszählung im Irak: Endergebnis im Januar
AP

Stimmauszählung im Irak: Endergebnis im Januar

US-Präsident George W. Bush gratulierte dem irakischen Volk zu seinem Mut, trotz der Terrordrohung an den Parlamentswahlen teilzunehmen. Die Iraker hätten sich den Terroristen widersetzt und nicht einschüchtern lassen, sagte Bush am Donnerstag in Washington. Der Irak habe damit einen bedeutsamen Meilenstein auf seinem Weg zur Demokratie zurückgelegt.

Ziel der USA bleibt nach den Worten von Bush, dass ein demokratischer Irak überlebensfähig ist, sich selbst verteidigen kann und zu einem Partner im Kampf gegen den Terrorismus wird. Darüber hinaus soll der Irak zu einem Vorbild für die Region und dabei insbesondere für Länder wie Iran und Syrien werden.

Nur vereinzelte Anschläge

Am Wahltag kam es nur vereinzelt zu Anschlägen. Erstmals gab es auch in den sunnitischen Widerstands-Hochburgen eine rege Wahlbeteiligung. Im Vergleich zu "normalen Tagen" im Irak verlief der Wahltag ruhig. Insgesamt vier Menschen wurden im Norden des Landes getötet. Bei der Wahlkommission gingen derweil mehrere Dutzend Beschwerden ein. Unter anderem fehlten in einigen Bezirken Wahlzettel und -urnen. Aus sieben Provinzen kamen Klagen von Irakern, die ihre Namen nicht im Wählerregister fanden.

Auch in Saddams Heimatstadt Tikrit sowie in Ramadi und anderen Hochburgen des sunnitischen Widerstandes, die sich an der Parlamentswahl vor elf Monaten noch nicht beteiligt hatten, herrschte diesmal großer Andrang in den Wahllokalen. Viele Wähler in diesen Regionen erklärten, sie hätten für eines der beiden Sunniten- Bündnissen gestimmt.

Der irakische Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai äußerte sich nach dem Ende der Wahl im Nachrichtensender CNN äußerst zufrieden mit dem Verlauf der Abstimmung. Es habe kaum Gewalt und dafür offensichtlich eine starke Wahlbeteiligung gegeben. Der britische Premierminister Tony Blair begrüßte den Verlauf der Wahl. "Es ist ein außergewöhnliches und erhebendes Gefühl, so viele Iraker bei der Wahrnehmung ihrer demokratischen Rechte zu sehen", sagte Blair am vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel.

Insgesamt waren mehr als 14 Millionen Iraker dazu aufgerufen, 275 Abgeordnete zu wählen. Ein Teil der 6200 Wahllokale schloss um 17.00 Uhr Ortszeit, die restlichen blieben eine Stunde länger auf, um allen Wählern die Chance zu geben, abzustimmen. Das Parlament wählt nach seiner Konstituierung zunächst einen Staatspräsidenten oder einen Präsidentschaftsrat. Dieser bestimmt dann einen Ministerpräsidenten. Der Regierungschef und die von ihm vorgeschlagenen Minister müssen vom Parlament bestätigt werden.



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