Wahl in Afghanistan Karzai bei Auszählung klar in Führung

Bei den ersten Stimmen-Auszählungen fünf Tage nach der Präsidentenwahl in Afghanistan zeichnet sich ein deutlicher Vorsprung für Hamid Karzai ab. Der Amtsinhaber scheint bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit errungen zu haben. Das US-Militär ermittelt gegen 28 Soldaten wegen des Todes von zwei Gefangenen.


Steuert bei der Stimmen-Auszählung auf die absolute Mehrheit zu: Aghanistans Präsident Hamid Karzai
AP

Steuert bei der Stimmen-Auszählung auf die absolute Mehrheit zu: Aghanistans Präsident Hamid Karzai

Kabul/Washington - Karzai erhielt von 25.671 bislang erfassten Stimmen rund 15.000. Dies entspricht einer Quote von 59 Prozent, wie die afghanische Wahlkommission am Donnerstagabend auf ihrer Webseite bekannt gab. Demzufolge beteiligten sich nach vorläufigen Schätzungen etwa 75 Prozent der 10,5 Millionen registrierten Wähler an der Abstimmung vom vergangenen Samstag.

Wählernachfragen ließen schon kurz nach der Wahl den Trend erkennen, dass Karzai bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erzielen würde. Dieser Trend scheint sich nun durch die ersten Auszählungen zu bestätigen. An zweiter Stelle folgt demnach der frühere Bildungsminister Junis Kanuni mit rund 17 Prozent der Stimmen vor dem usbekischen General Raschid Dostum mit 13 Prozent.

Die Auszählung begann am Donnerstag in fünf Zählzentren - in der Hauptstadt Kabul, in Kunduz im Nordosten des Landes, in der nördlichen Stadt Masar-i-Scharif, in Gardez im Osten sowie im südlich gelegenen Kandahar. In drei weiteren Zentren soll erst am Samstag mit der Erfassung der Stimmen begonnen werden.

Die Auszählung hatte sich mehrfach verzögert, weil mehr als 40 Beschwerden über Unregelmäßigkeiten bei der Wahlkommission eingegangen waren. Keine dieser Eingaben erschien aber so schwerwiegend, dass das für Ende Oktober erwartete Endergebnis ungültig werden könnte. Die Vereinten Nationen haben bestätigt, dass es Unregelmäßigkeiten gegeben habe, diese seien aber noch vor Schließung der Wahllokale behoben worden.

Die Wahlkommission ließ am Mittwoch die Wahlurnen aus zehn Stimmlokalen sicherstellen, da es dort offenbar größere Probleme Gegeben hatte. Hauptursache war vermutlich die Tinte, die benutzt wurde, um die Daumen der Wähler zu markieren. Diese ließ sich in einigen Fällen zu leicht abwaschen. Die meisten Kontrahenten von Karzai haben ihre ursprüngliche Drohung, das Endergebnis nicht anzuerkennen, inzwischen aber zurückgezogen.

Ermittlungen gegen 28 US-Soldaten

Unterdessen wurde bekannt, dass das US-Militär nach dem Tod von zwei afghanischen Gefangenen gegen 28 US-Soldaten ermittelt. Wie der Nachrichtensender CNN am Donnerstag unter Berufung auf das Pentagon meldete, handelt es sich überwiegend um Mitglieder einer Reserve-Einheit der Militärpolizei und Angehörige einer Aufklärungstruppe, die auch wegen Misshandlungen im irakischen Gefängnis Abu Ghureib ins Zwielicht geraten war.

Den Soldaten drohe eine Anklage unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Verstümmelung. Die beiden afghanischen Gefangenen waren im Dezember 2002 auf dem Stützpunkt Bagram in US-Gewahrsam ums Leben gekommen. Die Leichen wiesen Wunden auf, die auf Schläge mit einem stumpfen Gegenstand hindeuteten.



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