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Wahl in Burma Suu Kyi triumphiert

Es geht zwar nur um einen Bruchteil der Parlamentssitze, doch die Bedeutung der Nachwahl in Burma ist groß: Erstmals durfte Freiheitskämpferin Aung San Suu Kyi antreten. Millionen Menschen gaben ihre Stimme ab. Nach Angaben ihrer Partei zieht sie ins Parlament ein.

Rangun - Nach Jahrzehnten des politischen Kampfes hat Birmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi nach Angaben ihrer Partei einen historischen Wahlsieg errungen und den Sprung ins Parlament geschafft.

In Burma haben Millionen Menschen bei der Nachwahl zum Parlament ihre Stimmen abgegeben. Bei der Wahl geht es zwar nur um 45 der insgesamt 1160 Sitze in mehreren Parlamentskammern. Doch der Symbolwert des Wahlgangs ist immens: Erstmals durfte sich die Friedensnobelpreisträgerin persönlich den Wählern stellen.

Und sie triumphierte. Suu Kyi habe in ihrem Wahlkreis Kawhmu 99 Prozent der Stimmen erzielt, sagte ein führender Vertreter der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) am Sonntag. Vor der Parteizentrale in Rangun feierten tausende Anhänger der 66-Jährigen. Die 66-Jährige, die in den vergangenen Tagen gesundheitlich angeschlagen war, zeigte sich am Sonntag in ihrem Wahlkreis in einem roten Kleid und schien erholt.

Suu Kyi war über Jahrzehnte mit ihrem friedlichen Widerstand gegen die Militärherrschaft die einzige Hoffnungsträgerin im Leben der über 50 Millionen Einwohner. Sie wurde im November 2010 nach mehr als 15 Jahren aus ihrem Hausarrest entlassen.

Die Wahllokale schlossen um 11.30 Uhr deutscher Zeit. Das offizielle Ergebnis sollte erst in einigen Tagen vorliegen. Einzelne Wahlkreise wollten ihre Auszählung möglicherweise vorher bekanntgeben.

Insgesamt waren 6,8 Millionen Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen. In Rangun staute sich schon in den frühen Morgenstunden der Verkehr, weil die Menschen zu den Wahllokalen strömten.

2010 war das Bild ein anderes. Bei den von der damals noch regierenden Junta organisierten Wahlen war die Beteiligung gering. Die NLD trat damals nicht an, und Wähler berichteten später über massiven Druck, für die Militärpartei USDP zu stimmen.

Stimmzettel sollen mit Wachs präpariert worden sein

Vor genau einem Jahr war nach fast 50 Jahren Militärherrschaft die erste nominell zivile Regierung in Burma angetreten. Die Junta sorgte aber für bleibenden Einfluss des Militärs: Die Schlüsselpositionen bekleiden Ex-Generäle. Das Militär und die von der Junta gegründete Partei USDP kontrollieren 80 Prozent der Parlamentssitze. Selbst bei bestem Abschneiden bei den jetzigen Nachwahlen bleibt die NLD eine verschwindend kleine Opposition. Dennoch setzt das Volk große Hoffnung in sie.

Die neue Regierung hat selbst Skeptiker mit ihrem Reformeifer überrascht. Sie ließ Hunderte politische Gefangene frei und begann die Aussöhnung mit den ethnischen Minderheiten. Die westlichen Länder haben eine Lockerung der Wirtschaftssanktionen in Aussicht gestellt, wenn die Nachwahlen als fair und frei beurteilt werden. Suu Kyi hat zwar zahlreiche Unregelmäßigkeiten angeprangert, aber dennoch ihren Kooperationswillen mit der Regierung bekräftigt.

Ein Sprecher der NLD beklagte allerdings Unregelmäßigkeiten. Aus dem gesamten Land seien Beschwerden über die Manipulation von Stimmzetteln eingegangen, sagte Nyan Win. Das Feld für die NLD sei mit Wachs präpariert worden, so dass sich ein Kreuz dort nachträglich leicht entfernen lasse. "Wenn es so weitergeht, kann dies das Ansehen der Wahl beschädigen."

Präsident Thein Sein hatte mehrere Wahlbeobachter zugelassen, unter anderem aus der EU, den USA und Australien. "Wir sind optimistisch, dass diese Wahlen fair ablaufen", sagte Australiens Außenminister Bob Carr. "Wenn die Wahlen akzeptabel verlaufen und dies sowohl die unabhängigen Beobachter als auch Oppositionsparteien wie die von Suu Kyi bestätigen, ist Australien bereit, die Sanktionen abzubauen."

Der EU-Spitzendiplomat Robert Cooper sagte bei einem Rundgang durch mehrere Wahllokale in der Region nördlich von der Stadt Rangun: "Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber es könnte die erste wirklich echte Wahl in diesem Land seit langer Zeit sein." Die Regierung in Burma habe in den vergangenen Monaten die Weichen für eine Öffnung hin zu mehr Demokratie gestellt. "Die Geschwindigkeit des Wandels ist atemberaubend gewesen." Auch der EU-Parlamentarier Ivo Belet äußerte sich positiv: "Wir sind froh, dass alles friedlich verläuft."

bim/ssu/dpa/Reuters