Wahl in Frankreich Abfuhr für Rassist Le Pen

Aufatmen in Frankreich: Der Neogaullist Chirac hat die Präsidentschaftswahl in Frankreich mit überwältigender Mehrheit gewonnen. Der rechtsradikale Le Pen blieb deutlich unter 20 Prozent der Stimmen.


Alter und neuer französischer Präsident: Jacques Chirac
AP

Alter und neuer französischer Präsident: Jacques Chirac

Paris - Nach Auszählung von rund der Hälfte der Stimmen entfielen 81,5 Prozent auf Chirac und 18,5 Prozent auf seinen Herausforderer Jean-Marie Le Pen. Präsident Jacques Chirac sagte kurz nach Schließung der Wahllokale, er habe den Ruf nach einem Wandel vernommen und verstanden. Eine Übergangsregierung werde Frankreich auf den Wachstumspfad bringen und Arbeitsplätze schaffen. Le Pen warf Chirac vor, die Wahl mit "sowjetische Methoden" gewonnen zu haben.

Es war eine Wahl gegen den Rechtsextremismus und nicht für Chirac. Der Neogaullist wurde von einem bisher nie da gewesenen Bündnis unter Einschluss von Kommunisten, Sozialisten und Grünen gestützt.

Analysten hatten gewarnt, sollte Le Pen mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen bekommen, ginge er gestärkt in die im Juni anstehende Wahl zur Nationalversammlung. Am Wochenende hatten auch die großen Zeitungen nochmals an die Franzosen appelliert, zur Wahl zu gehen und für Chirac zu stimmen.

Der überraschende Sieg von Le Pen über den sozialistischen Kandidaten Lionel Jospin im ersten Wahlgang rief eine landesweite Protestwelle hervor, die in Massendemonstrationen von mehr als 1,3 Millionen Menschen am 1. Mai gipfelte. Ein breites gesellschaftliches Bündnis, darunter Gewerkschaften, Arbeitgeber und Kirchen, hatte zur Wiederwahl des 69 Jahre alten Chirac aufgerufen. Der neue Präsident wird erstmals nur für fünf Jahre statt wie bisher für sieben Jahre gewählt.

Le Pen erzielte vor zwei Wochen 16,9 Prozent, Chirac lag mit 19,9 Prozent vorn. Der Vorsitzende der Nationalen Front hatte erklärt, für ihn wäre ein Ergebnis unter 30 Prozent in der Stichwahl eine Niederlage. Aber auch ein Sieg sei möglich. Am Freitag sprach er von einem groß angelegten Wahlbetrug.

Chirac wird vermutlich bereits morgen einen neuen Regierungschef ernennen. Premierminister Jospin hatte nach der Wahlschlappe seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Am 9. und 16. Juni wird die Nationalversammlung neu bestimmt.



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