Verluste bei Parlamentswahl Corbyn fordert May zum Rücktritt auf

Should she stay or should she go? Die britischen Tories haben bei der Wahl Parlamentssitze verloren - nun wird es für Premierministerin May eng. Zahlreiche Politiker fordern, dass sie Konsequenzen daraus zieht.

Labour-Chef Corbyn in London
AP

Labour-Chef Corbyn in London


Die Stimmen der Parlamentswahl in Großbritannien sind noch nicht zu Ende ausgezählt - doch über die politische Zukunft von Premierministerin Theresa May wird bereits diskutiert. Oppositionsführer Jeremy Corbyn forderte sie am Freitagmorgen zum Rücktritt auf. May habe Parlamentssitze, "Unterstützung und Vertrauen verloren", sagte der Labour-Chef. Die konservative Regierungschefin müsse abtreten und Platz machen für eine "wirklich repräsentative Regierung".

May erklärte hingegen, Großbritannien brauche "eine Phase der Stabilität". Sollten sich die Prognosen bestätigten, sei es Aufgabe der Tories, "sicherzustellen, dass wir diese Phase der Stabilität haben". Nachwahlbefragungen zufolge wurden die regierenden Tories zwar erneut stärkste Kraft, verloren aber die absolute Mehrheit. Die oppositionelle Labour-Partei gewann hingegen deutlich hinzu. Das amtliche Endergebnis wird erst am Freitagnachmittag veröffentlicht.

Parlamentswahl in Großbritannien
Endergebnis, 650 Wahlkreisen ausgezählt; Mehrheit: 326 Sitze
NI = Nordirland; Quelle: BBC

Ex-Finanzminister George Osborne, der unter May 2016 seinen Posten verloren hatte, stellte als einer der Ersten ihre Zukunft in Frage. "Wenn sie ein schlechteres Ergebnis als vor zwei Jahren hat und fast keine Regierung bilden kann, dann bezweifle ich, dass sie auf lange Sicht Parteichefin der Konservativen bleiben wird." Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon bewertete Mays Ergebnis als Desaster. Nigel Farage von der rechtspopulistischen Ukip-Partei twitterte: "Die Konservativen brauchen einen Anführer, der an den Brexit glaubt."

Auch aus der eigenen Partei werden Rücktrittsforderungen laut. Die konservative Abgeordnete Anna Soubry etwa fordert May auf, "über ihre Position nachzudenken". May habe einen schrecklichen Wahlkampf gemacht, "um es nett auszudrücken", und werde wohl die Verantwortung für das Wahlergebnis übernehmen, sagte Soubry. Ihr Parteifreund Jacob Rees-Mogg hingegen sagte, er denke nicht, dass die Konservativen nun nicht mehr hinter May stehen werden.

Die 60-Jährige hatte eigentlich darauf spekuliert, mit der Neuwahl die Mehrheit der Konservativen deutlich ausbauen und sich Rückendeckung für die Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens zu bekommen. Am 20. Mai hatte sie in sozialen Netzwerken geschrieben: "Wenn ich nur sechs Sitze verliere, dann verliere ich diese Wahl und (Labour-Chef) Jeremy Corbyn wird mit Europa am Verhandlungstisch sitzen."

Elmar Brok, Brexit-Beauftragter der EVP im Europaparlament, sieht nach der Wahl erschwerte Brexit-Gespräche. "Dieses Ergebnis bedeutet, dass überhaupt keiner Kompromisse machen kann. Das wird für die Brexit-Verhandlungen sehr große Erschwernisse mitbringen", sagte er in der ZDF-Sendung "maybrit illner".

Im Video: Wahldesaster für May

Getty Images

vks/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 53 Beiträge
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klausbrause 09.06.2017
1.
Der britische Eskapismus treibt fröhliche Urständ. Der Herr Cameron setzte, ohne Not, ein Referendum über den Austritt GBs aus der EU an, und verlor krachend, die Frau May setzte, ohne Not, Neuwahlen an, um ihre absolute Mehrheit noch absoluter zu machen, und verliert krachend, und jetzt hört man die rsten Stimmen die davon reden, den Herrn Johnson nun auch offiziell zum Premierminister zu machen. Wenn das die Herren Cleese und Palin irgendwo als Drehbuch vorgelegt hätten..............
nunu-na 09.06.2017
2.
Verzockt, Frau May. Aus reiner Machtgeilheit wurden Neuwahlen ausgerufen. Ohne Bedrängnis, mit absoluter Mehrheit - und nun ist alles futsch. Natürlich muss die Frau jetzt eigentlich gehen, aber statt Parteigeplänkel wären jetzt die Brexitverhandlungen an der Reihe. Und wen soll man sonst zum Regierungschef machen? Drückeberger Boris Johnson, der nach dem von seinen Wahlkampflügen befeuerten Brexit-Referendum gar nicht schnell genug zurück in die zweite Reihe huschen konnte statt die Verantwortung zu übernehmen? Wunderbare Aussichten...
Dumme Fragen 09.06.2017
3. Hard Brexit
Jetzt wird es den hard brexit geben. Da drüben kann keiner regieren. Und die Schotten bekommen ihr Referendum. Das wird ein schönes Chaos!
Oskar ist der Beste 09.06.2017
4. ein Vorbild für die SPD
...das man mit einen sozial demokratischen Program, von dem man selbst begeistert ist und auch andere begeistern kann und will. Und das schafft man, in dem redlich sich den wirklichen Problemen der Bevölkerung annimmt und nicht wie Schulz halbseidenen inkonsequentes Gerechtigkeitsgeschwafel betreibt....Jeremy Corbyn hat Geschichte geschrieben.
danduin 09.06.2017
5. Schrullige Europäer die Engländer
Durch Ihre Schrulligkeit und Ihre Eigenarten machen die Engländer sich wahren Europäern.
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