Abstimmung in Indonesien Leicht bekleidet zur Wahl

Sie posieren halbnackt neben teuren Autos - und wollen in Indonesiens Parlament einziehen: Mit jungen attraktiven Kandidatinnen wollen die Parteien beim Wähler punkten.

DPA

Jakarta - Mehr Frauen ins Parlament! Das war die Forderung von indonesischen Frauenrechtsgruppen, die sie vor zehn Jahren durchsetzten. Seither gibt es eine feste Quote: Ein Drittel der Kandidaten für das Abgeordnetenamt muss weiblich sein, dazu sind die Parteien verpflichtet.

Auch zur Parlamentswahl an diesem Mittwoch war das wieder so, doch mit Frauenförderung hat das nicht mehr viel zu tun. Viele Bewerberinnen machen oft mehr mit ihren weiblichen Reizen als mit ihrer politischen Kompetenz auf sich aufmerksam, schreibt das Magazin "Foreign Policy". Auf den Listen der 15 angetretenen Parteien tummelten sich Ex-Models, Schauspielerinnen, Sängerinnen. Nicht selten und nicht rein zufällig posierten sie vor ihrer politischen Karriere leicht bekleidet vor den Kameras. Selbst ein Softporno-Star bewirbt sich. Sex sells.

Mittlerweile gibt es sogar einen Fachbegriff dafür: Die "caleg cantik", hübsche Kandidatinnen, sollen für ihre Partei Wähler an die Urnen locken.

Das Model Destiara Talita etwa ließ früher die Hüllen für Männermagazine fallen, heute hofft sie auf einen Sitz im Parlament für die kleine Gerechtigkeits- und Einigkeitspartei. "Leute meinen, ich hätte als Politikerin nichts zu bieten, weil ich für sexy Zeitschriften gemodelt habe", sagt die junge Frau im engen Leopardenmusterrock und hochhackigen Plateau-Schuhen. "Aber ich kämpfe für Gerechtigkeit, mehr Bildung für die Armen und mehr Macht für Frauen." Bei Twitter lädt sie gerne mal Bilder von sich in knapper Kleidung und Highheels oder in engen Kleidern vor teuren Autos hoch.

"Sie sollten ein Mindestmaß an Kompetenz haben"

Als eine der ersten "caleg cantik" gilt laut Thomas Power von der Australian National University die frühere Miss Indonesien Angelina "Angie" Sondakh. 2004 wurde sie Abgeordnete der Demokratischen Partei und stellvertretende Generalsekretärin ihrer Partei. Außerdem war sie das Gesicht einer Anti-Korruptions-Kampagne. Heute sitzt sie im Gefängnis, um eine zwölfjährige Haftstrafe wegen eines Korruptionsskandals abzusitzen.

Im Internet ziehen die jungen, attraktiven Kandidatinnen Indonesiens oft Spott auf sich. Kritiker monieren, echte Gleichberechtigung in der Politik werde so untergraben. Jungen Frauen, die Abgeordnete werden wollten, würde von vorneherein die Eignung für politische Ämter abgesprochen. "Kandidaten sollten ein Mindestmaß an Kompetenz haben", sagt etwa die Politikwissenschaftlerin Siti Zuhro. "Promis zu nominieren, wirft ein schlechtes Licht auf Parteien."

Auch Lathifa al-Anshori, eine frühere Reporterin und keine Berühmtheit, kandidiert. Neben ihr stellen sich laut "Foreign Policy" auch zwei Ex-Models, drei Ex-Sängerinnen und eine Schauspielerin für die Nasdem-Partei zur Wahl. Anshori meint dennoch: Ohne Quoten hätte sie gar keine Chance. Tatsächlich sei dadurch der Anteil von Frauen im Parlament von 11 auf 18 Prozent gestiegen. Anshori hofft, dass es im neuen Parlament 30 Prozent werden.

Auch Hana Satriyo, Gender-Expertin an der Asia Foundation, glaubt laut "Foreign Policy", es sei falsch, die berühmten, attraktiven Kandidatinnen grundsätzlich zu belächeln. Die Parlamentarierinnen Rieke Diah Pitaloka und Nurul Arifi etwa, beide frühere Schauspielerinnen, seien jetzt anerkannte Parlamentarierinnen. "Diese Frauen haben ihre Chance in der Politik genutzt."

kgp/dpa



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Seite 1
dr.joe.66 09.04.2014
1. EU - Beitritt
Quoten-Frauen / Ex-Nackt-Models / Korruptionsskandale... Bei diesem Gemisch französisch-deutsch-italienischer politischer Kultur muss man Indonesien sofort als EU-Mitglied vorschlagen...
Indigo76 09.04.2014
2.
Zitat von sysopDPASie posieren halbnackt neben teuren Autos - und wollen in Indonesiens Parlament einziehen: Mit jungen attraktiven Kandidatinnen wollen die Parteien beim Wähler punkten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahl-in-indonesien-sexy-kandidatinnen-wollen-abgeordnete-werden-a-963404.html
In den USA wurde ein Mann President, denn Popularität darin bestand, dass er ballernd über die Leinwand ritt. Gouverneur von Californien wurde der Terminator. Warum ist es in Ordnung, dass Männer zweifelhafte Popularität nutzen, um politische Ämter zu erlangen, daselbe bei Frauen aber belächelt wird? Weil diese Frauen Bikinifotos von sich gemacht haben? Die Bilder von Arni, wie er Oben ohne in den Conan-Filmen aufgetreten ist, dürften ihm bei der weiblichen Wählerschaft auch nicht gerade geschadet haben. Und wenn jetzt einer sagt, dass Reagan und Schwarzenegger politisch auch etwas geleistet haben - wer sagt den, dass ein Exmodel das nicht auch kann?
josefinebutzenmacher 09.04.2014
3. Lieber Joe -das Dr. lasse ich aus gegebenem Anlass mal weg:
Indonesien liegt NICHT in Europa. Sondern in Asien. Bin selbst öfter dort und weiß es deshalb. OK?
Boudisa 09.04.2014
4. Vergleich hinkt
Herr Schwarzenegger hat für eine Filmproduktion nicht halbnackt Conan dargestellt um gleichzeitig für ein politisches Amt zu kandidieren.
RalfHenrichs 09.04.2014
5.
Zitat von Indigo76In den USA wurde ein Mann President, denn Popularität darin bestand, dass er ballernd über die Leinwand ritt. Gouverneur von Californien wurde der Terminator. Warum ist es in Ordnung, dass Männer zweifelhafte Popularität nutzen, um politische Ämter zu erlangen, daselbe bei Frauen aber belächelt wird? Weil diese Frauen Bikinifotos von sich gemacht haben? Die Bilder von Arni, wie er Oben ohne in den Conan-Filmen aufgetreten ist, dürften ihm bei der weiblichen Wählerschaft auch nicht gerade geschadet haben. Und wenn jetzt einer sagt, dass Reagan und Schwarzenegger politisch auch etwas geleistet haben - wer sagt den, dass ein Exmodel das nicht auch kann?
Wenn der SPON-Bericht so stimmt (nähere Infos habe ich nicht), dann ist da schon ein Unterschied. In den USA und Europa machen sicherlich AUCH gutaussehende und/oder prominente Männer politische Karriere. In Indonesien offensichtlich aber nur. Und ich bin sicherlich alles andere als ein Merkel-Fan. Aber eins ist sicherlich positiv über sie zu sagen: Wegen Sex sells ist sie sicherlich nicht Kanzlerin geworden.
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