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22. Oktober 2019, 05:02 Uhr

Erste Prognosen aus Kanada

Trudeaus Liberale gewinnen bei Wahl - verlieren aber wohl absolute Mehrheit

Bei der Parlamentswahl in Kanada sind die Liberalen von Premierminister Justin Trudeau ersten Prognosen zufolge stärkste Kraft geworden. Sie müssen aber wohl eine Minderheitsregierung eingehen.

Die ersten Prognosen zur Wahl in Kanada liegen vor - und demnach hat der bisherige Premierminister Justin Trudeau mit seinen Liberalen zwar die meisten Stimmen bekommen, die absolute Mehrheit aber offenbar verloren. Das prognostizierte unter anderem der öffentliche TV-Sender CBC. Dieses Ergebnis würde bedeuten, dass die Liberalen eine Minderheitsregierung eingehen müssten. Sie bräuchten zum Regieren die Duldung durch kleinere Parteien, beispielsweise den Sozialdemokraten oder den Grünen.

Schon im Vorfeld hatte sich ein knappes Rennen zwischen Trudeau und seinem konservativem Herausforderer Andrew Scheer abgezeichnet. Rund 27 Millionen Bürger waren in Kanada dazu aufgerufen, neue Abgeordnete zu wählen. Sie werden per Direktwahl nach dem Mehrheitsprinzip gewählt.

US-Präsident Donald Trump gratulierte Trudeau bereits. Mit dem "hart erkämpften Sieg" sei Kanada gut bedient. "Ich freue mich darauf, mit Ihnen an der Verbesserung unserer beiden Länder zu arbeiten", schrieb er auf Twitter.

Trudeau führt die Regierung des nordamerikanischen Landes seit 2015. Seine Bilanz nach vier Jahren ist durchwachsen. Zwar hat er wie versprochen Marihuana legalisiert und mehr als 25.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Einige seiner Wahlversprechen wie eine Wahlrechtsreform oder einen ausgeglichenen Haushalt bis 2019 konnte er aber nicht halten.

In den vergangenen Monaten hatte Trudeau zudem mit Skandalen für Aufsehen gesorgt. Zunächst wurde bekannt, dass er Ermittlungen gegen das kanadische Unternehmen SNC-Lavalin wegen Bestechung in Libyen unterdrücken wollte - eine Ethikkommission bescheinigte ihm falsches Verhalten. Im September dann tauchte ein 20 Jahre altes Bild auf, das Trudeau mit dunkel geschminktem Gesicht auf einer Party zeigte. Der Ministerpräsident entschuldigte sich für sein "rassistisches" Verhalten.

Die Konservativen führten einen Anti-Trudeau-Wahlkampf. Scheer beschimpfte den Premier unter anderem als "Betrüger", der das kanadische Volk hinters Licht führe. Inhaltlich versprach er angesichts der Sorge um steigende Preise den Bürgern "mehr Geld in den Taschen". Die Wählerbasis der Konservativen sitzt traditionell eher im ländlichen Raum, vor allem in den zentralen Provinzen Alberta und Saskatchewan.

Auch der Klimawandel spielte im Wahlkampf eine große Rolle: Während die Konservativen die von den Liberalen eingeführte CO2-Steuer zurückdrehen wollen, geht die Politik der Trudeau-Regierung vielen anderen nicht weit genug. Kanada schickt sich an, seine eigenen Klimaziele deutlich zu verfehlen. Zudem nehmen viele Kanadier dem einst als "Sonnyboy" gefeierten Trudeau übel, dass er, obwohl er sich stets als Umweltschützer und Kämpfer gegen den Klimawandel präsentiert, eine neue Öl-Pipeline quer durch das Land genehmigte.

aar/als/dpa/AFP

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