Neues Parlament in Österreich ÖVP unter Ex-Kanzler Kurz gewinnt Nationalratswahl - FPÖ stürzt ab

Die österreichische Regierung zerbrach am "Ibiza-Skandal". Nun waren die Österreicher zur Parlamentswahl aufgerufen. Ex-Kanzler Kurz triumphiert, die FPÖ verliert deutlich - die Grünen erzielen ein spektakuläres Ergebnis.
Sebastian Kurz bei seiner Ansprache vor Anhängern.

Sebastian Kurz bei seiner Ansprache vor Anhängern.

Foto: LEONHARD FOEGER/ REUTERS

Die Österreicher haben einen neuen Nationalrat gewählt. Nach ersten Hochrechnungen liegt die ÖVP des Ex-Kanzlers Sebastian Kurz vorn. Er sei überwältigt und fast schon sprachlos, sagte Kurz der Zeitung "Der Standard" zufolge. Der einstige Koalitionspartner FPÖ verliert rund zehn Prozentpunkte.

Die aktuelle Hochrechnung sieht so aus: Die ÖVP wird mit 37,1 Prozent der Stimmen deutlich stärkste Kraft und legt um fast sechs Prozentpunkte zu. Die SPÖ mit Pamela Rendi-Wagner als Spitzenkandidatin verliert rund fünf Prozentpunkte und erreichte 21,8 Prozent der Stimmen. So schlecht hat die SPÖ bei einer Nationalratswahl noch nie abgeschnitten.

Nur 16 Prozent der Wähler gaben der FPÖ unter Norbert Hofer ihre Stimme - die Partei verliert damit zehn Prozentpunkte.

Videoanalyse: Ein Sieger - und eine überraschende Option

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Die zuletzt an der Vier-Prozent-Hürde gescheiterten Grünen profitierten von der Debatte um die Klimakrise und feiern ein spektakuläres parlamentarisches Comeback. Die Partei mit dem Spitzenkandidaten Werner Kogler erhielt 14,2 Prozent der Stimmen - vor zwei Jahren waren es noch 3,8 Prozent.

Österreichs Grünenchef Werner Kogler

Österreichs Grünenchef Werner Kogler

Foto: ROLAND SCHLAGER/ AFP

Die liberalen Neos verbessern sich um 2,5 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent. Die Liste Jetzt kommt auf 2 Prozent.

Regierung zerbrach am "Ibiza-Video"

Kurz' Regierung war Ende Mai nach nur 18 Monaten wegen des "Ibiza-Videos" vom Parlament gestürzt worden. SPIEGEL und "Süddeutsche Zeitung" hatten das Video enthüllt. Es zeigt, wie der damalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache einer vermeintlichen russischen Investorin Regierungsaufträge für Wahlkampfhilfen anbot. Straches Partei war später Koalitionspartner und er selbst Vizekanzler. Nach dem Skandal musste er zurücktreten.

Am Sonntag waren 6,4 Millionen Österreicher zur Wahl aufgerufen. Da mehr als eine Million Stimmen von Briefwählern erst am Montag ausgezählt werden, wird am Sonntagabend von Seiten der Wahlleitung nur das Ergebnis der Urnenwahl verkündet. Die Hochrechnungen berücksichtigen aber bereits das voraussichtliche Ergebnis der Briefwahl.

Die ÖVP hatte den Wahlkampf ganz auf Ex-Kanzler Kurz zugeschnitten. Der 33-Jährige warb damit, dass er den Weg der Modernisierung des Standorts Österreich fortsetzen wolle. Viele Wähler - so ein Ergebnis der TV-Duelle - sprechen ihm hohe Wirtschaftskompetenz zu. Migrations- und Asylfragen spielten keine so dominante Rolle wie im Wahlkampf 2017.

Parteien bei der Nationalratswahl 2019

Die FPÖ setzte auf eine Fortsetzung der bisherigen ÖVP-FPÖ-Koalition und warnte vor einem Linksruck bei einer Koalition der ÖVP mit anderen Parteien. Die SPÖ setzte auf Themen wie bezahlbares Wohnen und einen steuerfreien Mindestlohn von 1700 Euro. Die Grünen fordern unter anderem eine CO2-Steuer, günstige Tickets für den Nahverkehr und eine flächendeckende Lkw-Maut.

Kurz hat sich bisher bedeckt gehalten, mit welchem Partner er regieren will. Beobachter rechnen mit zähen Verhandlungen und einer Regierungsbildung erst rund um den Jahreswechsel.

jpz/AFP/dpa
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