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Venezuela: Chávez jubelt

Foto: JORGE SILVA/ REUTERS

Chávez-Sieg in Venezuela Triumph stimmt den Caudillo milde

Er weckte seine Wähler per Feuerwerk und verteufelte den Gegner. Hugo Chávez zog in Venezuelas Wahlkampf noch einmal alle Tricks. Mit Erfolg: Der Präsident regiert weiter. Nach dem Sieg zeigte er sich jedoch milde. Das Land rätselt über die Gesundheit des Caudillo.

Der Verlierer schickte eine klare Botschaft an den frisch wiedergewählten Präsidenten: Er hoffe, dass Hugo Chávez das Wahlergebnis richtig zu lesen wisse, sagte Oppositionskandidat Henrique Capriles. Zuvor hatte er seine Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen in Venezuela eingeräumt. Über 44 Prozent hat die Opposition erreicht, so viel wie noch nie gegen den übermächtigen Caudillo. Fast die Hälfte des Wahlvolks hat für ein Ende der "bolivarischen Revolution" gestimmt. Das ist keine kleine "Oligarchie" oder Bourgeoisie, wie Chávez seine Gegner gern tituliert. Doch wahr ist auch: Dieser politische Goliath ist an den Urnen nicht zu schlagen.

Als die Wahlbeteiligung über 80 Prozent stieg und immer noch lange Schlangen vor den Wahllokalen warteten, war abzusehen, dass Chávez sein Ziel erreichen würde: Er hatte es geschafft, auch jene Wähler zu mobilisieren, die seine Politik nicht zu hundert Prozent mittragen und bei einer weniger wichtigen Entscheidung zu Hause geblieben wären. Mit einem Feuerwerk in den Armenvierteln von Caracas hatte die Regierung ihre Anhänger morgens um sechs Uhr geweckt, damit niemand die Wahl verschlafen würde.

Seine Töchter und alte Kampfgefährten begleiteten Chávez, als er nach seinem Sieg auf den Balkon des Präsidentenpalasts trat, um zu seinen Anhängern zu sprechen. Es scheint, als ob er Capriles' Verweis auf die 44 Prozent seiner Gegner verstanden hat: Er lobte die Opposition, dass sie das Wahlergebnis so schnell anerkannt habe und erklärte, dass er den Dialog suche.

Im Wahlkampf hatte er zwar einen Kübel voller Beleidigungen über seinen Gegner ausgeschüttet, doch in Wirklichkeit ist der Caudillo längst nicht mehr so aggressiv und radikal wie in seinen ersten Amtsjahren. Seine Krebserkrankung hat ihn milder gestimmt, außenpolitisch sucht er den Kontakt zu einstigen Gegnern: Er unterstützt den Friedensdialog der kolumbianischen Regierung mit der Guerilla Farc, auch gegenüber Washington schlug er zuletzt freundlichere Töne an.

Seine bolivarische Revolution hat den Glanz der frühen Jahre verloren; das brasilianische Entwicklungsmodell einer gemäßigten Linksregierung scheint den meisten seiner lateinamerikanischen Amtskollegen attraktiver als Chávez' "Sozialismus des 21. Jahrhunderts". Ein Platz in der Geschichte ist Chávez trotzdem sicher, er hat den Millionen Armen und Ausgeschlossenen in ganz Lateinamerika eine Stimme verliehen.

Die Frauen lieben Chávez

Seine Sozialprogramme haben vielen Venezolanern echte Verbesserungen gebracht, trotz Korruption und Verschwendung. Vor allem die Frauen in den Armenvierteln lieben und vergöttern ihn: Ohne ihre Hingabe wäre die Revolution längst versandet.

Wenn Chávez seine sechsjährige Amtszeit bis zum Ende durchsteht, war er insgesamt 20 Jahre an der Macht, so lange wie kein gewählter Präsident vor ihm. Nur der Caudillo Juan Domingo Perón in Argentinien hat sein Land so nachhaltig geprägt wie Chávez die Ölnation Venezuela. Doch wird er den Regierungsmarathon auch gesundheitlich überstehen?

Wie krank ist der Präsident? Diese Frage überschattet seinen Sieg. Bei jedem Auftritt wird sein physischer Zustand mit Argusaugen begutachtet, wenn er für einige Tage von der Bildfläche verschwindet, brodelt sofort die Gerüchteküche. Andererseits hat ihm sein Triumph Aufschub verschafft: Er hat jetzt Zeit und Ruhe, um seine Nachfolge zu regeln.