Wahldebakel für Labour Tory-Kandidat Johnson triumphiert in London

Jetzt ist die Niederlage für die Labour-Partei komplett: Die britischen Konservativen stellen künftig auch in London den Bürgermeister. Herausforderer Boris Johnson siegte mit klarem Stimmenabstand über Amtsinhaber Ken Livingstone.


London - Die offiziellen Ergebnisse kamen nach Mitternacht. Jetzt werde erstmal gefeiert - und dann richtig losgelegt, erklärte Wahlsieger Boris Johnson vor begeisterten Anhängern. Der 43-jährige Abgeordnete ist der erste Konservative seit dem Wahlverlust der Tories 1997, der einen landesweit wichtigen Posten bekleidet.

Sieger Johnson (vorne), Verlierer Livingstone (im Hintergrund): Hofft, dass die "Konservativen sich zu einer Partei gewandelt haben, der wieder vertraut werden kann"
AP

Sieger Johnson (vorne), Verlierer Livingstone (im Hintergrund): Hofft, dass die "Konservativen sich zu einer Partei gewandelt haben, der wieder vertraut werden kann"

Laut amtlichem Ergebnis erhielt Johnson fast 1,17 Millionen Stimmen. Für den Labour-Amtsinhaber Ken Livingstone, 62, stimmten 1,03 Millionen Wähler. Die Wahlbeteiligung war für Londoner Verhältnisse mit fast 40 Prozent ungewöhnlich hoch.

Sein Sieg gebe hoffentlich die politische Richtung für Großbritannien vor, sagte Johnson. "Ich hoffe, dass das zeigt, dass die Konservativen sich zu einer Partei gewandelt haben, der wieder vertraut werden kann."

Mit dem Sieg auch in London krönten die Tories ihren Triumph bei den Kommunalwahlen über die regierende sozialdemokratisch orientierte Labour-Partei. Die Niederlage des Regierungslagers war am Freitagnachmittag bereits mit der Bekanntgabe des Endergebnisses der Wahlen in 159 Städten und Gemeinden von England und Wales besiegelt worden. Danach büßte Labour mehr als 330 Mandate ein, während die Tories mehr als 250 hinzugewannen.

Oppositionsführer: Kurs Downing Street

Nach Erhebungen des Rundfunksenders BBC kamen die Konservativen auf 44 Prozent der Stimmen, während die regierende Labour Party von Premierminister Gordon Brown lediglich etwa 24 Prozent erreichte. Sie liegt damit gleichauf mit den Liberaldemokraten. Die Kommunalwahlen wurden als Stimmungstest für Labour eingestuft, die in den Umfragen auf die niedrigsten Werte seit 20 Jahren abgerutscht ist.

Premierminister Gordon Brown gestand die schwere Niederlage seiner Partei ein und erklärte, er werde die Ursachen studieren und Lehren für die Zukunft ziehen. Politische Beobachter gaben vor allem dem unpopulären Nachfolger von Tony Blair die Schuld an dem Debakel der Regierungspartei.

Oppositionsführer David Cameron, 41. sprach von einem "großartigen Tag für die Konservative Partei". Die Konservativen wollen nach seinen Worten nun Kurs darauf nehmen, bei allgemeinen Wahlen die Macht in der Downing Street zu erobern. Sie wollten aber nicht "auf dem Rücken einer versagenden Regierung" an die Macht gelangen, sondern aktiv ihre Politik erläutern und zeigen, dass und wie sie Großbritannien führen könnten.

Wann Parlamentswahlen stattfinden, ist jedoch noch völlig unklar. Als Premierminister kann Brown die Ansetzung der Wahlen noch bis Anfang 2010 hinausschieben. Angesichts der jetzigen Niederlage bei den Kommunalwahlen in England und Wales rechnen politische Beobachter zudem mit Auseinandersetzungen um die Amtsführung des glücklosen und in wachsendem Maße unpopulären Premierministers.

itz/AP/dpa



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